Kastrieren statt töten

  • Die drei verlassenen Jungtiere wurden in Waldkirch gefunden und im Tierheim Sitterhöfli gepflegt.
    Die drei verlassenen Jungtiere wurden in Waldkirch gefunden und im Tierheim Sitterhöfli gepflegt. (PD)
  • Diese Katzenfamilie hat der Tierschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung bei der A1-Ausfahrt St.Fiden eingefangen. Die beiden Welpen haben bereits ein neues Zuhause gefunden.
    Diese Katzenfamilie hat der Tierschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung bei der A1-Ausfahrt St.Fiden eingefangen. Die beiden Welpen haben bereits ein neues Zuhause gefunden. (PD)
13.03.2017 | 20:50

VERWILDERT ⋅ Herrenlose, wilde Katzenwelpen gibt es auch in der Stadt. Das Problem sind nicht kastrierte Kater und Katzen. Werden die Jungtiere nicht schnell gefunden, haben sie schlechte Karten.

Christoph Renn
Sie sind oft abgemagert und sehr menschenscheu, haben Krankheiten und vermehren sich unkontrolliert: wilde Katzen. Und entgegen der Annahme, dass es diese nur in ländlichen Gegenden gibt, leben auch auf städtischem Gebiet herrenlose, unkastrierte Tiere. Weniger zwar als noch vor 20 Jahren. «Dafür ist die Toleranz gegenüber wilden Katzen und Kater stark gesunken», sagt Erika Bolt vom Tierschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung. «Man hat sich früher nicht so fest über sie aufgeregt.»

Erika Bolt hat im vergangenen Jahr ganze Katzenfamilien eingefangen und aufgepäppelt. So fand sie unter anderem in St.Georgen eine Katzenfamilie und in der Stadt gingen ihr zwei zehn Wochen alte Welpen in die Falle. Ein unkastrierter Kater verirrte sich im Januar in der Shopping-Arena. Der rot-weisse Kater habe sich weder aufheben noch füttern lassen. «Später hat er sich im Obergeschoss hinter Inventar versteckt», sagt Bolt. So blieb nur noch die Katzenfalle. Heute wohnt «Kybi», wie er in Anlehnung an den Kybunpark genannt wird, in einer Familie, die ihn aus dem Tierheim Sitterhöfli übernommen hat.

Wilde Kater werden kastriert und am Fundort ausgesetzt
Mit dem Einfangen der Katzenfamilien und Kater ist die Arbeit von Erika Bolt jedoch nicht getan. «Die Welpen ziehen wir sorgfältig auf, spielen mit ihnen und gewöhnen sie so an Menschen, in der Hoffnung, sie bei einer Familie platzieren zu können.» Dies gelinge jedoch nur dann gut, wenn die Kätzchen nicht mehr als zehn Wochen alt seien (siehe Kasten). «Katzen, die nicht bei Menschen aufwachsen, sind Wildtiere.» Bei den Katzenmüttern sei entscheidend, ob sie zahm sind oder nicht. «Zahme Katzen werden kastriert und wenn möglich bei einer neuen Familie untergebracht», sagt Bolt. Ansonsten werden sie kastriert, entwurmt und dann wieder am Fundort ausgesetzt. «Dann ist es wichtig, dass jemand ein Auge auf die Tiere wirft, ihnen Essen gibt.» Dasselbe Schicksal erwartet die unkastrierten, wilden Kater, die nicht an Menschen gewohnt sind.

«Nach der Kastration bringen wir sie zurück an den Fundort, weil das ihr Revier ist. Fehlen sie, tritt ein anderer Kater an ihre Stelle», erklärt Bolt. So hätten in den vergangenen 20 Jahren wilde Katzenpopulationen stark verringert werden können. «Wir schläfern keine Tiere ein, nur wenn sie krank sind.»

Die Kastration nicht zu lange aufschieben
Die meisten herrenlosen Mutterkatzen sind laut Bolt zahm. «Die Tiere sind bei Menschen aufgewachsen, jedoch nicht kastriert worden.» Bekommen sie dann Nachwuchs, würden sie sich oft zurückziehen. Dann beginnt der Überlebenskampf für die Katzenfamilien: «Deshalb empfehle ich Katzenhaltern, nicht zu lange mit der Kastration zuzuwarten. Nach einem Jahr sind die Katzen empfänglich.» Sie wolle jedoch niemandem verbieten, Welpen kontrolliert heranzuziehen. «Die Nachfrage nach menschengewohnten Kätzchen ist nach wie vor da», sagt Bolt. Doch sollte Katzenmütter nach dem ersten Wurf kastriert werden. Denn unkastrierte Tiere seien anfälliger auf Krankheiten wie Leukose oder «Katzen-Aids».

Wilde Katze bedrohen Vögel und Amphibien
Die Zahl frei lebender, herrenloser Katzen zu reduzieren, ist laut Bolt nicht nur aus Katzenliebe nötig: «Sie sind ein Problem für unsere Fauna.» Sie fangen nicht nur Mäuse, sondern sind eine Bedrohung für Amphibien, Blindschleichen oder Eidechsen. «Auch die Vögel werden durch verwilderte Katzen gravierend dezimiert.»

Katzen früh melden

«Es ist absolut nötig, freilebende Katzenwelpen sofort zu melden», sagt Erika Bolt vom Tierschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung. Denn nur dann können sie «sozialisiert» werden. «Dies ist nur in den ersten zehn Wochen möglich.» Danach löse bei den Tieren alles Angst aus, weil Menschen nicht zu ihrem «Weltbild» gehören. «Werden sie genug früh eingefangen, dauert es meistens nur zehn Tage, um die Tiere an Menschen zu gewöhnen», sagt Bolt.

Jedoch sei nicht jeder in der Stadt herumstreunende Kater herrenlos. Deshalb empfiehlt Erika Bolt, auffällige Tiere über kurze Zeit zu beobachten. Es gibt verschiedene Hinweise, auf die geachtet werden könne: «Wilde Katzen und Kater sind oft abgemagert. Vor allem sind sie sehr scheu. Sie verspringen sofort, wenn ihnen Menschen zu nahe kommen.»

Fallen herrenlose, unkastrierte Katzen auf, müssen sie schnellstmöglich gemeldet werden. Informationen nimmt Erika Bolt unter der Nummer 071 244 42 38 entgegen oder per Mail an info@tierlidienst.ch. (ren)
www.tierlidienst.ch

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