Eine Villa für Experimente

  • Plattform für grosse und kleine Künstler: Primar- und Oberstufenschüler zeigen derzeit im Kirchhoferhaus ihre Werke.
    Plattform für grosse und kleine Künstler: Primar- und Oberstufenschüler zeigen derzeit im Kirchhoferhaus ihre Werke. (Bild: Urs Bucher)
13.03.2017 | 07:16

KUNSTVERMITTLUNG ⋅ Seit einem Jahr ist das Kirchhoferhaus an der Museumsstrasse in St.Gallen wieder öffentlich zugänglich. Mehr als 4000 Besucher - vor allem Kinder - waren bisher da. Derzeit ist die Villa fast täglich geöffnet.

Roger Berhalter

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@tagblatt.ch

«Herzlich willkommen» steht in der Küche gross an der Wand. «Das ist das oberste Credo in diesem Haus», sagt Daniela Mittelholzer, Kunstvermittlerin des Kunstmuseums. Schon im 19. Jahrhundert empfing der Textilunternehmer Paul Kirchhofer in seiner Stadtvilla Gäste. Heute hält Daniela Mittelholzer im Kirchhoferhaus die Gastfreundschaft weiterhin hoch. Sie ist in der Jugendstilvilla an der Museumsstrasse sozusagen die Hausherrin, zusammen mit ihrer Kollegin Claudia Hürlimann.

Regelmässig organisieren die beiden Mitarbeiterinnen des Kunstmuseums Workshops für Schulklassen, animieren Kleine und Grosse dazu, im «Kunst- labor» mit Farbe zu experimentieren, oder sie führen im oberen Stock durch die spielerisch-interaktive Ausstellung.

Bis vor einem Jahr fanden die Workshops noch nebenan im Kunstmuseum statt. Jetzt steht dafür (fast) das ganze Kirchhoferhaus zur Verfügung. «Ein Haus in dieser Grösse, nur für die Kunstvermittlung, das ist einzigartig in der Schweiz», sagt Mittelholzer.

Jugendliche tapezieren das Treppenhaus

Nach einer Pinselsanierung (siehe Zweittext) ist das Kirchhoferhaus seit einem Jahr wieder öffentlich zugänglich. Bisher fanden mehr als 140 Veranstaltungen statt, mit mehr als 4000 Besuchern. «Wir sind zufrieden, wie es angelaufen ist», sagt Daniela Mittelholzer. Das Kirchhoferhaus sei ein «schönes Experimentierfeld» mit «unglaublich vielen Möglichkeiten». Gerade auch die Küche habe als Treffpunkt eine wichtige Funktion. Tatsächlich herrscht in der alten Villa schon fast eine gemütliche Atmosphäre.

Einerseits gibt es im Kirchhoferhaus den Courant normal: Das «Kunstlabor», jeden ersten Sonntag im Monat, und der «Kinderkunstklub», einmal im Monat am Mittwoch. Anderseits nehmen auch immer wieder spezielle Projekte und Ausstellungen die Villa in Beschlag. Im vergangenen Jahr waren einmal Arbeiten zu sehen, die im «Kinderkunstklub» entstanden waren. Ein andermal verbrachten Jugendliche aus dem Vorkurs der Schule für Gestaltung eine ganze Projektwoche im Gebäude und tapezierten das Treppenhaus mit grossformatigen Zeichnungen. Auch ihre Zertifikate nahmen diese Jugendlichen im Kirchhoferhaus in Empfang – ein Anlass mit fast 300 Leuten, der dieses Jahr erneut stattfindet.

Aber nicht alles ist im Kirchhoferhaus erlaubt. «Was hier passiert, muss sich mit der Geschichte des Hauses auseinandersetzen», sagt Mittelholzer. So wie das Jugendtheater U21, das im Februar die Räume der Villa bespielte: vom WC bis zum Innenhof zeigten die jungen Schauspieler jeweils zehnminütige Szenen, zwischen denen das Publikum rotieren konnte.

Im Moment ist die Villa sogar fast täglich geöffnet, im Rahmen der Ausstellung «Kunst macht Schule». Primar- und Oberstufenschüler haben sich mit je einem Werk aus dem Kunstmuseum beschäftigt und künstlerisch darauf reagiert. Im ersten Stock hängt nun ein echter Renoir über dem Cheminée, flankiert von Kinderzeichnungen.

Kunst macht Schule

Ausstellung bis 19. März,

Di–So, 10–17 Uhr; Mi, 10–20 Uhr

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