• Ein Blick in die Dauerausstellung «Faszination Archäologie - Schätze aus St. Galler Boden» im Historischen und Völkerkundemuseum.
    Ein Blick in die Dauerausstellung «Faszination Archäologie - Schätze aus St. Galler Boden» im Historischen und Völkerkundemuseum. (Bild: Urs Bucher)
18.03.2017 | 09:30

Archäologie bleibt eine Lotterie


ST.GALLEN ⋅ Der Kanton nimmt seine archäologische Ausstellung nicht in den ordentlichen Staatshaushalt auf. Das Historische Museum muss sich immer wieder um Betriebsgelder bewerben. Das löst Kritik aus.

Roger Berhalter

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

«Archäologie ist eine Staatsaufgabe», sagt Daniel Studer, Direktor der Historischen und Völkerkundemuseums. Er wiederholt den Satz im Interview mehrfach, denn seiner Meinung nach ist die Archäologie eine wichtige Aufgabe des Kantons, so wie beispielsweise die Polizei auch. Der Staat sollte die Archäologie deshalb über seinen ordentlichen Haushalt finanzieren – und nicht wie bis jetzt über den Lotteriefonds.

Archäologie ist keine Staatsaufgabe, findet hingegen der St. Galler Kantonsrat. Statt die Ausgaben für die Kultur um knapp 950000 Franken zu erhöhen, wie es die Regierung beantragt hatte, zog der Rat die Sparschraube an und plafonierte die Kulturausgaben bis zum Jahr 2020 (Ausgabe vom 22.2.). Die neue archäologische Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum wird somit nicht in den Staatshaushalt aufgenommen, sondern weiterhin über den Lotteriefonds finanziert.

Langfristige Planung, kurzfristige Finanzierung

Für das Museum ändert sich damit aber wenig. Pro Jahr erhält es vom Kanton weiterhin 250000 Franken, um die 400 Quadratmeter grosse Archäologie-Ausstellung zu betreiben. In einer Vereinbarung mit dem Kanton ist definiert, welche Leistungen das Museum im Gegenzug erbringen muss. Allerdings muss das Museum die Gelder immer wieder aufs Neue beantragen.

Diese Art der Finanzierung stört Daniel Studer: «Für uns bedeutet das eine Planungsunsicherheit. Lotteriefonds-Gelder kann man leicht kürzen oder streichen.» Wäre die archäologische Ausstellung hingegen Teil des ordentlichen Haushalts des Kantons, wäre laut Studer eine gewisse Kontinuität sichergestellt. Und auf Kontinuität sei er angewiesen, denn ein Museum plane langfristig. «Wir sind längst an der Planung der Ausstellungen von 2019 und 2020. Da gilt es auch die Finanzierung rechtzeitig zu klären», sagt Studer. In seinen Vier-Jahres-Plänen rechne er die Beiträge aus dem Lotteriefonds jeweils fix ein. Würde der Kantonsrat diese Beiträge aber plötzlich kürzen, «dann hätten wir ein gröberes Problem».

Von einer Planungsunsicherheit spricht auch Martin Klöti, Regierungsrat und St. Galler Kulturminister. Gegenüber dem Kulturmagazin «Saiten» sagt er, es sei «grundsätzlich fragwürdig, Daueraufgaben in der Kultur, in der Denkmalpflege, aber auch im Sozialen über den Lotteriefonds zu finanzieren statt über den ordentlichen Staatshaushalt». Bei der archäologischen Ausstellung im Historischen Museum sieht Klöti einen Widerspruch, wenn man nun die nötigen Betriebsbeiträge streiche: «Erst gerade vor zwei Jahren hat man die Räume renoviert, eine neue Ausstellung konzipiert und diese feierlich eröffnet.»

Projekt um Projekt um Projekt

Zumindest für dieses Jahr ist die Finanzierung der Ausstellung aus dem Lotteriefonds aber sichergestellt. Auch abgesehen von der Ausstellung ändert sich für die Kantonsarchäologie wenig. Die meisten Ausgrabungen im Kanton werden nämlich seit jeher über den Lotteriefonds bezahlt. Wenn ein grösseres Projekt ansteht, bewirbt sich die Kantonsarchäologie um einen entsprechenden Beitrag. Ein aktuelles Beispiel: Die Kantonsarchäologie erhält 123000 Franken aus dem Lotteriefonds, um die Fundstücke im Lapidarium der Stiftsbibliothek neu zu sortieren. Auch bei den römischen Siedlungen in Kempraten und den Pfahlbauten bei Rapperswil ist die Kantonsarchäologie derzeit dank Lotteriefondsgeldern aktiv.

Projektbezogen zu arbeiten, gehört für Kantonsarchäologin Regula Steinhauser also zum Alltag. Doch sieht sie neben der Planungsunsicherheit noch einen weiteren Nachteil: «Über diese Projekte kommen wir immer wieder an gute Mitarbeiter heran, doch wir können sie nicht halten. So geht viel Wissen verloren.»

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