Abreissen, lochen und neu bauen?

  • Das Haus Union dominiert das Stadtbild am Oberen Graben beim Schibenertor.
    Das Haus Union dominiert das Stadtbild am Oberen Graben beim Schibenertor. (Michel Canonica)
15.03.2017 | 07:06

ST.GALLEN ⋅ Seit das Rechtsverfahren läuft, ist es ruhiger geworden um die Parkgarage Schibenertor. Überlegungen dazu laufen im Hintergrund allerdings weiter. Geprüft wird angeblich auch ein Abbruch des Union-Gebäudes.

David Gadze
Seit über 60 Jahren prägt das Union-Gebäude am Rand der Altstadt das Erscheinungsbild des Knotens Schibenertor. Doch die Investoren des dort geplanten Parkhauses spielen offenbar mit dem Gedanken, die Anfang der 1950er-Jahre erstellte Liegenschaft abzureissen, sollten sie die von der städtischen Baubewilligungskommission abgewiesene Baubewilligung in zweiter Instanz doch erhalten. Die ursprüngliche Idee war, die Tiefgarage direkt aus dem Strassenraum am Oberen Graben zu erstellen. Doch die Tiefbaufirma, welche die Kosten für das Bauvorhaben ermittelt hat, ist zum Schluss gekommen, dass es billiger ist, das Gebäude abzubrechen, das Parkhaus dort zu bauen und anschliessend einen Neubau hinzustellen. Das bestätigt eine gut informierte Quelle. Ein Argument für dieses Vorgehen könnte auch sein, dass das Gebäude letztmals Anfang der 1990er-Jahre einer Sanierung unterzogen wurde. Damals musste die Fassade geflickt werden.

Mehr Fragen als Antworten
«Derzeit werden in einer breiten Auslegeordnung verschiedene Varianten zur Nutzung des Union-Gebäudes geprüft», schreibt die Medienabteilung der Eigentümerin Helvetia-Versicherungen, die auch einer der Investoren des Parkhauses ist. Eine davon sei die Sanierung. Die Helvetia-Versicherungen bestätigen jedoch auf Anfrage, dass man sich auch mit der Idee des Abbruchs befasse. Die Antwort wirft jedoch mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Zunächst verweisen die Helvetia-Versicherungen an Kantonsbaumeister Werner Binotto, der angeblich die Federführung für das Projekt haben soll, was dieser allerdings verneint. Danach heisst es, die Idee sei auf Initiative der Stadt geprüft worden. Wer dafür zuständig sein soll, lassen die Helvetia-Versicherungen unbeantwortet. Andreas Nagel, Leiter der städtischen Kommunikationsabteilung, und Matthias Fuchs, Sekretär der städtischen Direktion Bau und Planung, versichern, nichts von solchen Plänen zu wissen.

Union-Gebäude ist nicht denkmalgeschützt
Das Union-Gebäude stehe nicht unter Denkmalschutz, sagt der städtische Denkmalpfleger Niklaus Ledergeber. Denn in der Altstadt seien ausschliesslich alle vor 1920 erstellten Gebäude geschützt. Ein Inventar für die zwischen 1920 und 1970 gebauten Liegenschaften in der Altstadt hat der Stadtrat vor einigen Jahren sistiert. Deswegen müsse bei entsprechenden Bauvorhaben jedes Gebäude aus dieser Zeit als Einzelfall beurteilt werden.

Für das Union-Gebäude müsse bei einem Abbruchgesuch auf jeden Fall eine Abklärung der Schutzwürdigkeit vorgenommen werden, sagt Ledergerber. «Das Gebäude hat Qualitäten, die das erfordern.» Es handle sich um ein frühes Bauwerk des St.Galler Architekten Ernest Brantschen. Das Haus werde in verschiedenen Architekturführern als typischer Bau aus den 1950er-Jahren erwähnt. Solche seien in St.Gallen nur wenige vorhanden.
Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Welches der Begriffe ist ein Vorname: Laus, Klaus, Haus?
 

Meistgelesen

Am Donnerstag wurde in der Kathedrale Abschied vom St.Galler Stadtrat Nino Cozzio genommen.
St.Gallen: 21.09.2017, 16:32

St.Gallen nimmt Abschied von seinem Stadtrat Nino Cozzio

Eine selten grosse Trauergemeinde hat in der Kathedrale Abschied genommen von Nino Cozzio.
Drehte nach dem Spiel gegen Lugano durch: Sion-Präsident Christian Constantin.
Sport: 21.09.2017, 22:24

FC-Sion-Präsident Christian Constantin wird gegen Fussballexperte Rolf Fringer handgreiflich

Sions Präsident Christian Constantin hat sich nach dem 2:1-Erfolg seiner Mannschaft in Lugano ...
Das Kultur- und Eventzentrum in der Kirche St.Leonhard lässt auf sich warten.
St.Gallen: 21.09.2017, 21:57

St.Leonhardskirche ist ein unrühmliches Beispiel

Vor bald zehn Jahren brannte in St.Gallen die Kirche St. Leonhard.
Keith Richards von den Rolling Stones an der Gitarre im Zürcher Letzigrund.
Kultur: 21.09.2017, 07:43

Rolling Stones: Die Magie ist verflogen

Am Mittwochabend sind die Rolling Stones im Letzigrund-Stadion in Zürich aufgetreten.
Reto Scherrer ist zum dritten Mal Vater geworden.
Kanton Thurgau: 21.09.2017, 11:04

Zwei Babys an einem Tag

Radio- und Fernsehmoderator Reto Scherrer 42 und seine Ehefrau Melanie 34 wurden zum dritten Mal ...
Thomas Ahlburg übernimmt 2018 die Unternehmsleitung der Stadler-Gruppe von Peter Spuhler.
Wirtschaft: 21.09.2017, 20:06

Das will der neue Stadler-Chef

Thomas Ahlburg ist ab 2018 operativer Chef von Stadler.
Keine Chilbi-Post für Oberuzwils Bevölkerung: Ihre Exemplare landeten im Abfall.
Region Wil: 22.09.2017, 05:18

Die Post schreddert 2500 Werbebroschüren für die Bichwiler Chilbi

2500 Haushalte in der Gemeinde Oberuzwil hätten mit einer über 20-seitigen Werbebroschüre für ...
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat US-Präsident Donald Trump nach dessen jüngsten Drohungen gegen sein Land gewarnt, er werde dafür "teuer bezahlen". (Archivbild)
International: 22.09.2017, 06:23

Kim Jong Un zu Trump: "Geisteskranker, dementer Greis"

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un will US-Präsident Donald Trump für dessen Drohungen ...
Kanton Thurgau: 21.09.2017, 18:07

«Sie hatte keine Chance, die Person zu erkennen»

Vor zwei Jahren überfuhr eine Frau in Neunforn am frühen Morgen einen Betrunkenen, der auf der ...
Links im Bild: So war die Skulptur früher positioniert. Nun stehen die beiden Figuren etwas verloren nebeneinander auf dem Buchser Bahnhofsplatz. Die Stadt will den Lapsus so bald wie möglich korrigieren. (Bilder: Hansruedi Rohrer (links), Hans Rohner (rechts))
WO lokal: 21.09.2017, 15:57

Skulptur falsch aufgestellt: Stadt Buchs hat wenig Sinn für Kunst

Viele Jahre stand vor dem Buchser Bahnhofplatz eine Skulptur.
Zur klassischen Ansicht wechseln