RORSCHACHERBERG

Unerwarteter Gipfelbesuch

Hanspeter Müller, Bewohner des Pflegeheims Pelago in Rorschacherberg, wurde ein Wunsch erfüllt. Ermöglicht haben es die Rorschacherin Franziska Ulmann und das Projekt «Geheime Wünsche».
12.10.2017 | 06:48
Arcangelo Balsamo

Arcangelo Balsamo

arcangelo.balsamo@tagblatt.ch

Als Franziska Ulmann im September erstmals Hanspeter Müller im Pflegeheim Pelago in Rorschacherberg besuchte, wusste dieser nicht, was ihn erwartete. Die 31-Jährige wollte dem 60-Jährigen einen geheimen Wunsch erfüllen. «Als sie mir das erzählte, war ich total überrascht. Ich wusste zuvor gar nicht, dass es so etwas gibt», sagt Müller. Auf die Idee, einem unbekannten Bewohner eines Pflegeheims einen Wunsch zu erfüllen, kam Ulmann, als sie im Internet auf das Projekt «Geheime Wünsche» stiess. «Ich war ­davon begeistert und habe mich direkt gemeldet», erzählt die Rorschacherin. Daraufhin wurde ihr Müller zugeteilt.

Anfänglich dachte sie, dass der Senior seine Heimat, das Glarnerland, besuchen wollte. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass dies kein geheimer Wunsch von ihm war. «Sicher nicht. Schliesslich kenne ich die Region auswendig. Ich gehe sowieso nur dort hin, wenn ich muss», so Müller, der aus Näfels stammt.

Zurück an alter Wirkungsstätte

Nach mehreren Gesprächen fanden die beiden heraus, dass Müller gerne an eine alte Wirkungsstätte zurückkehren wollte. «In meinen Zwanzigern war ich während einer Sommersaison Koch auf dem Muottas Muragl im Engadin. Dort verbrachte ich eine tolle Zeit. Zudem hatte ich gehört, dass sich seither vieles verändert hat. Das wollte ich mir ansehen», sagt der Senior. Gesagt, getan: Vor einer Woche waren Müller und Ulmann auf 2454 Metern Höhe im Bündnerland. Gemeinsam haben sie im Restaurant gegessen. Und auch die Küche durfte der Senior inspizieren. «Sie wurde komplett renoviert. Einzig die Fritteuse schien mir noch dieselbe zu sein», sagt er. Der Glarner, der schon seit vielen Jahren in Rorschach lebt, ist auch eine Woche danach noch völlig hin und weg und gerät ins Schwärmen: «Es war eine grosse Freude.» Mehrfach spricht er von einem «Bilderbuchtag». Auch in seiner Wohngruppe des Pelagos habe er allen erzählt, was für einen herrlichen Tag er erleben durfte. Ulmann spricht ebenfalls von einer tollen Erfahrung: «Es war schön und eine Bereicherung, jemandem einen Wunsch zu erfüllen, der ihn sich nicht mehr selbst verwirklichen kann.»

Zeit für Aufregung in den Tagen vor dem Ausflug hatte Müller keine: «Es ging alles so schnell. Erst dienstags erfuhr ich, dass wir am Donnerstag gehen.» Grund sei der Wetterbericht gewesen, sagt Ulmann. «Ausserdem habe ich herausgefunden, dass die Bergbahn nur bis Mitte Oktober verkehrt.» Eine besondere Herausforderung bei der Planung sei gewesen, dass Müller in einem elektrischen Rollstuhl sitzt und man diesen nicht zusammenklappen könne. «Ich musste deshalb überprüfen, ob wir in der Bergbahn Platz haben und ob wir im Restaurant in die Küche können.» Ausserdem musste sie abklären, wie sie nach Samedan, wo sich die Talstation der Bergbahn befindet, gelangen. «Das Problem war vor allem, dass wir eine schnelle Lösung brauchten», so die Wunscherfüllerin.

Geklappt hat es schliesslich dank des Pflegeheims: Ein Mitarbeiter des technischen Diensts des Pelagos übernahm die Rolle des Fahrers. Dies und das Engagement Ulmanns ermöglichten, dass Müllers Wunsch wahr wurde. «Die Freude, die mir damit gemacht wurde, wird mir noch lange erhalten bleiben», so das Fazit des 60-Jährigen.

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