Taxibetrieb im Clinch mit der Stadt

  • René Koch und Stephanie Mohr pochen auf gleich lange Spiesse. Und sie regen einen Taxistand beim Bushof Hamel an.
    René Koch und Stephanie Mohr pochen auf gleich lange Spiesse. Und sie regen einen Taxistand beim Bushof Hamel an. (Bild: Max Eichenberger)
12.10.2017 | 06:48

ARBON ⋅ Das Geschäft ist hart. Der Futterneid strapaziert die Nerven. Die Stadt begünstige ein Unternehmen mit dem Auftrag für subventionierte Fahrten, klagt René Koch. Er hat jetzt erneut das Nachsehen und ist verbittert.

Max Eichenberger

Max Eichenberger

redaktionot@tagblatt.ch

Da ist einer gar nicht gut auf die Stadt Arbon zu sprechen. Auslöser für den Ärger von René Koch: der Taxiunternehmer fühlt sich ungerecht behandelt und ausgegrenzt. Er hätte gerne mitkonkurriert bei der Vergabe des von der Stadt subventionierten Rufsammeltaxi-Auftrags. Doch: Eine Ausschreibung habe nicht stattgefunden. Bei der Erneuerung des Vertrags habe die Stadt stattdessen blind den Vertrag mit dem bisherigen Auftragnehmer bis Ende 2018 verlängert. Dies, obschon die Arboner Taxi GmbH damals «lediglich einen Fahrer auf der Lohnliste gehabt und ein Fremdfahrzeug eingesetzt hatte.» So sei es gar nicht möglich, einen 24-Stunden-Betrieb zu gewährleisten. Zudem sei Kundschaft mit dem Taxi einer anderen Firma gefahren worden.

Am Anfang stand eine gute Idee: das Fünflibertaxi

Dieses Vorgehen widerspreche nicht nur dem Wettbewerbsrecht, sondern auch den Subventionierungsgrundsätzen. Die Stadt dulde das wissentlich oder unwissentlich. Das Fünflibertaxi, das am Wochenende Fahrten vom Bahnhof zur Wohnadresse oder umgekehrt ausführt, gibt es seit 2009. Im Dezember 2016 hat die Stadt mit der Arboner Taxi GmbH den Auftrag verlängert; sie «erbte» den Auftrag vom Taxiunternehmen Künzler, das zwischenzeitlich den Betrieb eingestellt hat. Das Modell: Der Fahrgast bezahlt einen fixen Betrag von fünf Franken. Den Differenzbetrag entrichtet die Stadt dann auf der Basis der Abrechnungen an das Taxiunternehmen. Die Arboner Taxi GmbH hat ihren privilegierten Standplatz beim Bahnhof. Mit den SBB besteht ein entsprechender Vertrag. Die anderen Taxibetreiber können ihre Taxis gegenüber auf einer ehemaligen Busspur bereitstellen. «Wenn dann Leute von der Bahn kommen, das Fünflibertaxi aber nicht zur Verfügung steht, weil es anderswohin unterwegs ist, und dann zu mir kommen, kann ich sie nicht für fünf Franken nach Frasnacht fahren.» Das verstehe niemand – und könne auch nicht Sinn der Sache sein, meint Koch.

Balg sieht weder Gesprächs- noch Handlungsbedarf

Er, so Koch, habe daher schon vor längerer Zeit gegenüber der Stadt angeregt, eine Art Taxi-Pool zu bilden, damit alle Taxibetriebe diese subventionierten Fahrten anbieten können – auf einer partnerschaftlichen Ebene, wo mit gleichen Ellen gemessen wird. So sei auch gewährleistet, was im Interesse aller wäre: dass immer ein Fünflibertaxi verfügbar ist.

Separate Abrechnungen zu machen statt mit einem Partner, könne die Stadt sicher nicht überfordern. Da müssten aber wohl auch die Player der Branche selber über ihren Schatten springen, in der Futterneid herrscht und man sich alles andere als grün ist.

Die Stadt ihrerseits solle Hand bieten, auf Konzeptvorschläge zumindest einzutreten. «Stadtpräsident Andreas Balg signalisiert bisher nur, er sehe weder Gesprächs- noch Handlungsbedarf», empfindet Koch dies als Affront. «Da geht nichts über den Tisch des Stadtrates. Der Stadtpräsident übergibt das Konzept einfach dem Abfallkübel.» Er sei halt ein schwieriger Typ, äusserte sich der ferienabwesende Andreas Balg seinerseits kürzlich im TVO über Koch.

Für René Koch ist klar: die wettbewerbsverzerrende Subventionierung bei beschränkten Kapazitäten des begünstigten Anbieters müsse aufhören, plädiert er für eine kundenfreundliche Neuordnung des Taxiwesens in Arbon – wie dies andere Gemeinden wie Romanshorn in einem Taxireglement auch zustande gebracht hätten.

Warum nicht ein Taxistand beim neuen Bushof Hamel?

Dazu gehöre ein Taxistand, der diesen Namen verdiene und der Bevölkerung einen Service biete. «Prädestiniert dafür wäre der gross dimensionierte Bushof beim Hamel. Dort macht er nicht nur Sinn, sondern hätte es auch ausreichend Platz», findet Koch, und zeigt auf die grosse freie Asphaltfläche.

«Den Deckel gelupft» hat es René Koch, als die Stadt Arbon kürzlich einen ebenfalls subventionierten Taxidienst anstelle der weggefallenen Postautoverbindung in die Altstadt der Arboner Taxi GmbH zugeschanzt hatte – «ohne dass auch dieser Auftrag ausgeschrieben worden ist».

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Was ist das Gegenteil von dick??
 

Meistgelesen

Wo bis vor kurzem drei bediente Kassen standen, wurde in der Migros Neumarkt ein dritter Eingang geschaffen.
St.Gallen: 18.10.2017, 06:36

Migros ersetzt weitere Kassen im St.Galler Neumarkt durch Selbstbedienung

Die Migros Neumarkt hat im Bleicheli einen neuen Eingang geschaffen.
Süsse Schoggikunst im Chocolarium.
Wirtschaft: 18.10.2017, 05:21

Süsse Verlockung: Ansturm aufs Flawiler Chocolarium

Mit seinem interaktiven Chocolarium zieht der Flawiler Schokoladehersteller weit mehr Besucher ...
Paarungszeit und Balzverhalten setzen bei den Reptilien in freier Wildbahn durch Vibrationen des Bodens ein.
Schauplatz Ostschweiz: 18.10.2017, 05:21

Walter-Zoo: Handgranaten-Lärm macht Krokodile scharf

In der Nähe des Walter-Zoos übt das Militär. Den Tieren macht das offenbar nichts aus.
Aus Lärmschutzgründen solle man Tempo-30-Zonen nicht einführen dürfen. Das fordert eine parlamentarische Initiative des SVP-Nationalrats Gregor Rutz.
Schweiz: 17.10.2017, 21:04

Bürgerliche bremsen Tempo 30 aus

Die Städte führen vermehrt auf Hauptverkehrsachsen Tempo 30 ein.
Marc F. Suter im Mai 2016 an einem Medienanlass auf der Bundesterrasse.
Schweiz: 18.10.2017, 06:00

Ex-FDP-Nationalrat Marc F. Suter gestorben

Der ehemalige Berner FDP-Nationalrat Marc F. Suter ist mit 64 Jahren verstorben.
In diesem Haus an der Neugasse in Bazenheid kam es zum Streit.
Unfälle & Verbrechen: 17.10.2017, 09:11

Tödlicher Streit unter Brüdern: Der mutmassliche Täter galt als jähzornig

Am frühen Montagnachmittag hat sich in Bazenheid ein Familiendrama ereignet.
In diesem Haus an der Neugasse in Bazenheid kam es zum Streit.
Kanton St.Gallen: 18.10.2017, 09:17

Bruder getötet: Täter ist in der Klinik

Der 28-jährige Schweizer, der am Montagnachmittag in Bazenheid seinen Bruder mit einem Messer ...
Am Mittwoch kommen die neuen Zehnernote in Umlauf.
Schweiz: 18.10.2017, 08:26

Quiz: Wie gut kennen Sie die Schweizer Banknoten?

Nur Bares ist Wahres: Heute kommt die neue Schweizer Zehnernote in Umlauf.
Ist eine Person vermisst, sind die ersten Stunden der Suche laut der Polizei die wichtigsten.
Kanton St.Gallen: 17.10.2017, 08:39

Spurlos verschwunden: Das Leiden der Angehörigen

Ende Oktober sind es 15 Monate, dass ein Mann aus der Ostschweiz verschwand.
Die Hostie ist für Katholiken der Leib Christi und kein Snack: Liveübertragung des Festgottesdienstes in Sachseln an den Gedenktagen für den Heiligen Niklaus von Flüe vom September.
Schweiz: 18.10.2017, 10:00

Eine Hostie ist kein Snack: Rüffel für SRF

Der SRG-Ombudsmann Roger Blum hat eine Beanstandung gegen einen Beitrag der SRF-Sendung "Schweiz ...
Zur klassischen Ansicht wechseln