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Nach 59 Jahren droht Goldacher Cliquenfasnacht das Aus

Am 59. Cliquenabend zirkulierten die Gruppen zwischen Lokalen von Goldach und Untereggen. Ob es auch künftig in den beiden Gemeinden noch was zum Lachen gibt, ist ungewiss, denn das Fasnachtskomitee hat seinen Rücktritt angekündigt.
12.02.2018 | 09:10
Ramona Riedener

«Chum lach mit», heisst es seit 59 Jahren am Fasnachtssamstag in Goldach. Dieser Cliquenabend galt einst als das Highlight für alle Fasnächtler. Man stöberte im Estrich nach originellen Kostümen, griff zu Nadel und Faden, stürmte den Kostümverleih oder die Fasnachtsabteilung im Fachgeschäft und ging als Schnitzelbänkler, Gugger oder f antasievolle Maske an die Dorffasnacht.

Bis zu zwölf Beizen haben früher am fastnächtlichen Treiben mitgemischt. Und wer nicht rechtzeitig seinen Platz reservierte, blieb auf dem Trockenen. Wenn frühmorgens nach einer langen, feucht fröhlichen Nacht langsam der Tag erwachte, wechselte der eingefleischte Fasnächtler vom «Kreuz» über die Strasse in die «Linde» zu Katerfrühstück.

Musik und literarische Stimmungskanonen

Im fasnächtlich dekorierten Pfarreiheimsaal sind am Samstagabend alle Plätze besetzt. Es ist die dritte, teils vierte Generation Goldacher, die sich als Clowns, Matrosen, Kapitäne, Piraten oder Vampire ihr Stelldichein geben. Die Fasnachtsveteranen starten mit Vollgas in den Abend, zusammen mit den laut- und farbenstarken Dorfchüblern. Den neusten Klatsch vom Dorf erzählen die vier Strassenputzer alias Äffzeh. Amüsantes, Brisantes und weniger Elegantes hat es gegeben im vergangenen Jahr. Geschichten über den Zentrumszoo Biber, Schöfli und Rehli, den Gemeindepräsi-Transfermarkt und über Ober- und Untergoldach.

Gymnastik für die Lachmuskeln gibt es auch mit Susle & Wunderli, dem Duo Daniel Niederer und Markus Gächter, die auch in der St. Galler Fasnachtszene mitmischen. Barfuss, im Edelweisshemd am Hackbrett und Handorgel machten sie «äfachi musig» und das Publikum versteht sofort und macht mit. Aus dem Nähkästchen oder besser aus dem Bundeshaus, dem Gemeindehaus und den Nachbargemeinden plaudert Walter Zahner alias Allerlei. Vom Mühlegut zum Mühleschlecht, von zwölf zu null kleinen Muslimen erzählten d’Buure. Scharfe Geschütze fahren sie aus gegen Trump und Co, bevor die Elefanten-Sounders nochmals mit weisen Sprüchen und fetzigen Melodien das Stimmungsbarometer hochdrücken.

Während die Senioren ab 70 Jahren im Mühlegut das fasnächtliche Treiben mitverfolgen, ist der Sporttreff Kellen knallvoll mit der Generation der 30- bis 55-Jährigen. Dort haben sich auch Gemeindepräsident Dominik Gemperli und Gemeinderat Urs Bücheler unter das Volk gemischt. Sonst aber glänzt der Grossteil der Dorfprominenz mit Abwesenheit.

Zum letzten Mal «Chum lacht mit»?

Die mangelnde Unterstützung und fehlende Solidarität, sowie das schwindende Interesse der Bevölkerung veranlasst das Fasnachtskomitee, an der nächsten HV zurückzutreten. Dennoch lässt sich Walter Zahner, Präsident der Fasnachtsgesellschaft, am Cliquenabend die gute Laune nicht verderben. Zweifellos hatten die aktiven Cliquen ebenso wie die verkleideten und unbekleideten Zuschauer riesen Spass. Doch klar ist, sollten sich keine neuen Kommissionsmitglieder melden, war das der letzte Aufruf zu «Chum lach mit».

 

Ramona Riedener

ramona.riedener@tagblatt.ch

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