RORSCHACH

Der Mensch im Mittelpunkt

Boccia, Kochen, Volkstanz: Der VGB-insieme bietet Freizeitkurse für Menschen mit Beeinträchtigung an. Am Samstag feiert er sein 40-jähriges Bestehen. Ein besonderer Anlass – vor allem für die Mitglieder.
19.06.2017 | 05:17
Linda Müntener

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

«Kein Mensch ist perfekt, aber jeder ist auf seine Weise einzigartig.» Dieser Satz steht am Ende des Jahresberichts des VGB-insieme-Rorschach. Er bringt auf den Punkt, wofür sich der Verein seit 40 Jahren einsetzt. Insieme bedeutet «gemeinsam». Gemeinsam solidarisch für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Am kommenden Samstag lädt der VGB die Bevölkerung zum 40-Jahre-Fest ein.

Seit 30 Jahren wirkt Renata Rovedo im Vorstand mit. Sie ist das Herz des Vereins, die treibende Kraft. Ihr Bruder hat das Down Syndrom. Seit ihrer Kindheit weiss Renata Rovedo, welche Bedürfnisse und Anliegen Menschen mit Beeinträchtigung haben. «Vor 30 Jahren gab es zwar schon Stellenangebote für Menschen mit Beeinträchtigung, aber kaum Freizeitbeschäftigungen», sagt sie. Solche bietet der VGB an. Ob Boccia, Fussball, Volkstanz oder Singen – das Programm ist vielfältig. «Der Renner sind unsere Kochkurse», sagt Kassierin Monika Eschenmoser. 17 Kursteilnehmer haben sich im vergangenen Jahr bei Kursleiter Werner Fuchs in der HPV-Küche weitergebildet. Ohne finanzielle Unterstützung wäre dies nicht möglich gewesen. Für die Kurse erhält der Verein Subventionen vom Bundesamt für Sozialversicherungen. «Mit diesen Geldern können wir aber lediglich die Kursleiter entlöhnen», sagt Eschenmoser. Aktivmitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 25 Franken und einmalige, solidarische Beträge für die einzelnen Kurse. Der Verein finanziert sich vor allem aus den Einnahmen des alljährlichen Martinimarkts. Diese seien in den vergangenen Jahren zurück gegangen, sagen die beiden Vorstandsfrauen. Dennoch: «Bettlerbriefe» versende der VGB keine. «Viele unterstützen uns gerade deshalb finanziell», sagt Renata Rovedo.

Suche nach freiwilligen Helfern ist schwierig

Wie viele andere Vereine ist der VGB auf den Einsatz freiwilliger Helferinnen und Helfer angewiesen. «Die meisten unserer Helfer finden wir über persönliche Kontakte. Oft unterstützen uns auch Eltern von Kindern mit einer Beeinträchtigung bei Anlässen», sagt Rovedo. Die Suche nach ehrenamtlichen Helfern ist schwierig. «Eine Interessierte hat mich kürzlich als erstes gefragt, was man denn bei uns verdiene», sagt Rovedo. Arbeiten ohne Lohn komme für die Mehrheit der Gesellschaft heutzutage nicht mehr in Frage. «Das ist schade.» Denn die Freiwilligenarbeit gebe einem viel zurück. Dinge, die man nicht mit Geld bezahlen könne. «Die Freiwilligenarbeit erfüllt mich», sagt Renata Rovedo. Wie die Mitglieder aus dem Karatekurs neues Selbstvertrauen schöpfen, wie sie stolz ihr selber gekochtes Essen servieren, wie sie in den Sportlektionen alles geben – das motiviert die Vorstandsfrau.

Die Mitglieder zeigen ihr Können

Am Jubiläumsanlass vom kommenden Samstag stehen die Mitglieder im Mittelpunkt. Los geht’s um 16 Uhr. Die Freizeitgruppen präsentieren auf der Bühne im Rorschacher «Stadthof» eine Showeinlage. Auch ein Ballonkünstler tritt auf. Einige Mitglieder verkaufen selbst gebastelte VGB-Schlüsselanhänger. Zudem veranstaltet der Verein ein Torwandschiessen. Serviert werden Apéro und Pasta, die Kochgruppe des VGB ist fürs Dessertbuffet zuständig. Musikalisch wird der Anlass von Soul-Sänger Malcom Green und den Swiss Singers Addi und Moritz begleitet. Der Eintritt ist frei. Der Verein will mit dem Fest nicht nur sein 40-jähriges Bestehen feiern. Denn obwohl die Kurse auch für Menschen ohne Beeinträchtigung offen sind, ist deren Interesse gering. So wollen sich der VGB und seine Mitglieder zum Geburtstag auch der Öffentlichkeit präsentieren. Gemeinsam.

Hinweis

40 Jahre VGB-insieme-Rorschach, 24. Juni, 16 Uhr, Stadthof, www.vgb-rorschach.ch

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