• In die Jahre gekommen: Das St.Galler Stadttheater soll ein Facelifting verpasst bekommen.
    In die Jahre gekommen: Das St.Galler Stadttheater soll ein Facelifting verpasst bekommen. (Ralph Ribi)
20.03.2017 | 11:17

Stadttheater St.Gallen: Salamitaktik ade


GROSSE SANIERUNGSPLÄNE ⋅ Der bald 50 Jahre alte Betonbau des Theaters St.Gallen muss saniert werden. Die Regierung rechnet mit Kosten von 47,6 Millionen Franken. Während der zweijährigen Umbauzeit ist zwischen Kunstmuseum und Historischem Museum ein Provisorium mit 500 Plätzen geplant.

"Das Gebäude ist ins Alter gekommen", sagte der St.Galler Bauchef, Marc Mächler (FDP), bei der Medienorientierung am Montag. Am 15. März 1968 sei der Betonbau eröffnet und seither nie von Grund auf renoviert worden. Man könne nun nicht mehr "mit einer Salamitaktik weiterfahren", so Mächler, es brauche eine umfassende Sanierung.

Das Haus werde mit 282 Vorstellungen pro Jahr intensiv genützt, während den Spielzeiten sei es ein Siebentage-Betrieb, mit insgesamt 700 Personen, die im Gebäude arbeiteten, erklärte Werner Signer, Direktor der Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen.
Keine Ersatzteile mehr erhältlich
Wie dringend notwendig die Sanierung sei, habe sich erst wieder letzten Donnerstag gezeigt, als die Hebebühne ausgefallen sei. Für die veraltete Steuerung gebe es keine Ersatzteile mehr. Zu sehen seien Abplatzungen und Risse an der Betonfassade, dazu habe es Asbest in den Fugungen der Verglasung, schilderte Kantonsbaumeister Werner Binotto den Zustand des Gebäudes. Wegen der Glasfassade des Foyers heize man zum Fenster hinaus. Rostige Heizleitungen seien entdeckt worden. Die Bodenheizung im Foyer musste vor drei Jahren abgestellt werden, weil sie nicht mehr dicht war.

Weiter findet sich im Gebäude eine der ältesten Lüftungsanlagen, "die schweizweit noch in Betrieb ist", so Binotto. Neben den allgemein beengten Verhältnissen liessen sich auch zahlreiche arbeitsrechtliche Vorschriften nicht einhalten: So gibt es kein Tageslicht in den Werkstätten oder keine geschlechtergetrennten WC-Anlagen. Für Besucherinnen und Besucher in Rollstühlen ist die Studiobühne nicht erreichbar.

Hinter der Bühne fehlen elektrische Winden. Requisiten an Seilen werden in St.Gallen noch durch Muskelkraft bewegt. Im Probesaal kann das Ballett keine Hebefiguren üben, weil sich die Tänzerinnen und Tänzer an der niedrigen Decke den Kopf anstossen würden. Es handle sich "fast um einen denkmalgeschützten Theaterbetrieb", scherzte Binotto.

Spielbetrieb ins Provisorium
Die geplanten Arbeiten könnten nicht bei laufendem Theaterbetrieb durchgeführt werden, stellte Signer fest. Das Personal muss weiter beschäftigt werden, das Publikum will man bei der Stange halten. Es gehe darum, die funktionierende Theatergeschichte in St.Gallen nicht aufs Spiel zu setzen, betonte der Theaterdirektor. Deshalb ist als Ersatz für den Theatersaal mit seinen 780 Plätzen ein Provisorium mit noch 500 Sitzplätzen geplant. Geschätzte Kosten: 4,5 Millionen Franken. In den letzten Monaten wurden verschiedenste Standorte geprüft. Dazu gehörte etwa die Nutzung einer Olmahalle oder der Platz vor der Tonhalle. All diese Varianten hätten sich entweder als ungeeignet oder als zu teuer erwiesen.

Nun soll für zwei Jahre ein Bau auf dem Areal zwischen dem Kunstmuseum und dem Historischen und Völkerkundemuseum hingestellt werden. Einer der Vorteile: Wegen der Nähe können die Werkstätten im Theater genutzt werden. Ein solches Projekt im Stadtpark sei "eine diffizile Sache", sagte Binotto. Unter anderem gehe es dabei um Bäume. Die "Jubiläumslinde" auf dem Areal wäre zwar nicht betroffen, dafür je nach Gestaltung des Baus ein zweijähriger Spitzahorn sowie eine zehnjährige Esche.

Die Kosten für die Vorlage liegen mit 47,6 Millionen Franken inklusive Provisorium leicht unter dem Betrag, der im Aufgaben− und Finanzplan dafür vorgesehen war (49 Millionen Franken).

Ohne Abstimmung möglich
Der Kantonsrat soll das Geschäft in der kommenden Junisession in erster Lesung beraten. In der Septembersession wäre die zweite Lesung vorgesehen. Geht alles glatt, könnte im Herbst 2019 mit dem Umbau begonnen werden.

Eine Volksabstimmung sei nicht notwendig, hiess es an der Medienorientierung. Den werterhaltenden Kosten von 38,1 Millionen Franken stünden die für ein obligatorisches Finanzreferendum massgebenden Ausgaben von 9,5 Millionen Franken gegenüber. Der Betrag liegt damit unter der Grenze von 15 Mio. Franken. Möglich ist allerdings das fakultative Referendum. (sda)

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Kommentare
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geschrieben am 20.03.2017 11:43 | von Ostler

und nach nächsten 20 Jahren nächste Sanierung zu 100 Millionen Franken.

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geschrieben am 20.03.2017 12:34 | von knight

Einfach nur krank, dekadent, ignorant und anmassend, wie hier mit fremdem Geld um sich geschmissen wird. Eine Frechheit sondergleichen und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Steuerzahlers. Hinterfragt diese horrenden Summen eigentlich niemand mehr?

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geschrieben am 20.03.2017 13:34 | von Ostler

konnten Sie sich erinnern an Sanierung der Tonnhalle. Wurden Millionene gebraucht. Und danach stellte sich heraus, dass ganze Akustik kaputt gegangen ist. Und ein Paar Jahre später muste mann wiederum Akustik wieder herstellen. Ich bin eifriger Besucher von Konzerten und Theter was ich aus Krakau und später aus Wien mit sich gebracht habe. St. Galler Theater besuche ich seit 30 Jahren auch sehr oft. Und der macht auf mich Eindruck des Gebaudes aus Mitte der siebzigen Jahren. Doch hat man schon dazudamals gewust, dass Asbest tödlich ist. Mindestens wuste man es in Deutschland, Österreich. Wusste man es in St. Gallen nicht? Wo wars dazu damals Bauaufsicht?. Und übtrigens ein Gebaude sollte ohne Sanierung mindestens 50 Jahre heben. Nicht nur 20.

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geschrieben am 21.03.2017 00:46 | von Asutt

Das Theater wurde 1968 eröffnet und ist somit bald 50 Jahre alt !

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geschrieben am 20.03.2017 16:38 | von Mode

Alles klar. Ihr dürft das für 28 Mio in der Hälfte der Zeit machen. willkommen in der Realität. Bitte nicht an der Elbphilharmonie orientieren

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geschrieben am 21.03.2017 15:54 | von waggi

Unsere Politiker haben auch schon die Lösung gefunden wie man eine Volksabstimmung umgehen kann. Vom Gesamtkredit werden 38,1 Millionen für werterhaltende Massnahmen geplant. Somit verbleibt ein Rest von 9,5 Millionen für wertvermehrende Massnahmen. Da nun eine Volksabstimmung erst nötig ist wenn der wertvermehrende Anteil über 15 Millionen liegt, hat man sich, mit der Anteildefinition für die einzelnen Massnahmen, der lästigen Meinung des Volkes entledigt. Damit nun aber das Volk nicht leer ausgeht, gibt es auch hier eine Lösung. Als Steuerzahler darf es das ganze Vorhaben bezahlen.
Nebst dieser Variante habe ich auch einen Vorschlag. Falls der Kantonsrat, ohne die Meinung des Volkes das Vorhaben beschliesst, müssen die Kantonsrät(e)(-innen), ganz nach der Redewendung "wer befiehlt - zahlt", auch die Finanzierung übernehmen.
Oder wie wäre es, wenn die Damen und Herren im Kantonsrat (alle anderen Politiker betrifft es ebenso), sich wieder einmal erinnern von wem sie gewählt wurden.

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