VERLUSTE BEI ST.GALLER SPITÄLERN

Verwaltungsratspräsident Sutter: "Kosmetische Massnahmen reichen nicht mehr"

Die St.Galler Spitäler haben im vergangenen Jahr einen konsolidierten Gewinn von 4,7 Millionen Franken erwirtschaftet. Das sind rund 6,7 Millionen weniger als im Vorjahr. Die Vorgaben wurden damit deutlich unterschritten. Der Verwaltungsrat reagiert mit einem Strukturprojekt.
22.03.2018 | 14:35
Die vier Spitalverbunde, in denen die neun Spitäler zusammengefasst sind, informierten am Donnerstag in St.Gallen über ihr Jahresergebnis. Der Gesamtumsatz stieg um 23 Millionen auf 1,2 Milliarden Franken. Auch die Kosten sind gestiegen und zwar um 26 Millionen Franken. Insbesondere die Medikamenten- und Personalkosten nehmen tendenziell zu.

"Wir haben kein einfaches Jahr hinter uns", sagte Verwaltungsratspräsident Guido Sutter vor den Medien. 67'189 Patientinnen und Patienten, 440 weniger als 2016, wurden im vergangenen Jahr stationär behandelt. Auch die St.Galler Spitäler spürten den schweizweiten Trend, dass sich immer mehr Patienten ambulant statt stationär behandeln lassen. Sutter rechnet für das laufende Jahr mit Mindereinnahmen von 12 bis 14 Mio. Franken.
 

Preise nicht kostendeckend

2017 liege man deutlich neben den Planzahlen. Die Ebitda-Marge der Spitalverbunde sei von 5,5 auf 5,2 Prozent gesunken. Die St.Galler Regierung hatte diese in der Eigentümerstrategie mittel- bis langfristig auf 10 Prozent festgelegt.

Die Megatrends im Gesundheitsbereich bestimmten die zukünftigen Strukturen der Spitäler, so Sutter. Mit einem Tarmed-Taxpunktwert von 83 Rappen seien die Preise im Kanton St.Gallen nicht kostendeckend. Durchschnittlich läge der Tarmed-Tarif bei 90 Rappen. Die Taxpunktwerte werden auf kantonaler Ebene durch die kantonalen Tarifpartner bestimmt und durch die zuständigen Behörden genehmigt. Auch nehme die Zahl der Privatversicherten weiter ab.
 

Spitalverbund rechnet mit Verlust

Die zunehmend verschärften Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen drückten auf die Ergebnisse der St.Galler Spitäler. Für das laufende Jahr wird mit einem konsolidierten Verlust von 25,7 Mio. Franken gerechnet.

Vor diesem Hintergrund hat der Verwaltungsrat bereits im vergangenen Jahr einen Strategieprozess eingeleitet. Mit dem Ziel, die medizinische Versorgung im Kanton St.Gallen sicherzustellen, soll eine Leistungssteigerung erwirkt werden. "Kosmetische Massnahmen reichen nicht mehr", sagte Sutter, der Ende Mai als Verwaltungsratspräsident zurücktritt. (sda)
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