St.Gallen bleibt auf seinem Theaterboden

  • Das Theater St.Gallen ist sanierungsbedürftig.
    Das Theater St.Gallen ist sanierungsbedürftig. (Michel Canonica)
14.06.2017 | 06:44

KOMMENTAR ⋅ Die SVP ist mit ihrem Ansinnen gescheitert, die Sanierung des Theaters St.Gallen im Kantonsrat zu verhindern. "St.Gallen bleibt auf dem Boden und macht kein Affentheater um sein veraltetes Theater", schreibt Ostschweiz-Redaktor Marcel Elsener in seinem Kommentar.

Die Debatte um die Theatersanierung im Kantonsrat brachte drei Erkenntnisse: Erstens ist die Vorlage deutlicher mehrheitsfähig als erwartet. Ob die SVP eine Volksabstimmung durchsetzen kann, erscheint nach den gestrigen Abstimmungsresultaten fraglich: Höchstens 36 Stimmen auf ihrer Seite sind noch nicht die erforderlichen 40.

Zweitens ist mit der fürs Publikum wenig sichtbaren und auf viele «Nice to have»-Elemente verzichtenden Erneuerung niemand richtig zufrieden. Doch kommt sie vor allem den Theaterangestellten zugute, die derzeit in unwürdigen Verhältnissen arbeiten und sicher nicht zu viel verdienen. Dass ausgerechnet die SVP auf die Theaterkultur pocht, und nach einem Neubau mit Drehbühne und sonstigen Extras ruft, will man der Partei, die sonst wenig für Kultur übrig hat und erst kürzlich die Kulturausgaben plafonierte, einfach nicht abnehmen.

Drittens ist die Vorlage verhältnismässig und ohne Alternative. Denn so teuer die 49-Millionen-Sanierung für das Theater mit seinen 720 Sitzplätzen erscheint – St.Gallen bewegt sich in realistischen, wenn nicht gar bescheidenen Dimensionen. Basel baute jüngst sein 900-Plätze-Theater für 74 Millionen um, Bern erneuerte seine 650 Plätze für 45 Millionen. Luzern plante für sein 750-Plätze-Theater einen 208-Millionen-Neubau – und wurde vom Volk zurückgepfiffen. St.Gallen bleibt wohl wissend auf dem Boden und macht kein Affentheater um sein veraltetes Theater. Gleichwohl schafft es mit rund 600 Fest- und Teilzeitangestellten gutes, grösstenteils selbst produziertes Programm für die Ostschweiz und mitunter darüber hinaus. Das Publikum verdankt es mit einer der besten Auslastungen im Land.

Schliesslich doch noch ein Wunsch: Zwar leuchtet die Notwendigkeit eines Provisoriums in nächster Nähe ein. Trotzdem erscheint die Idee von einem Wandertheater, das während des Umbaus durch den Kanton zieht, sehr verlockend. Dafür, liebe SVP, könnten die zusätzlichen «Stuhl»-Millionen doch auch ausgegeben werden.

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Kommentare
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geschrieben am 14.06.2017 07:02 | von Eduard Ith

Wo man die Journis politisch einordnen muss, ist einmal mehr auch aus diesem Kommentar ersichtlich. Auch ersichtlich ist, dass die Regierung mit einem Finanzdreher erfolgreich versucht hat, die Vorlage am obligatorischen Referendum vorbei zu schleusen.
Dass zeigt aber in aller Deutlichkeit, wieviel Vertrauen die st. galler Exekutive in den Souverän hat. Expo lässt grüssen.

Was im Kommentar von Marcel Elsener gar nicht Thema ist, woher das Geld für diese Sanierung kommt. Darum es hier erwähnt: vom kräftig Steuern zahlenden Mittelstand! Und wer nutzt das Theater hauptsächlich als Besucher? Die Cupli schlürfende Schickeria, die den Staat mit Steuerhinterziehung jahrelang belogen und betrogen hat und dafür mit einer Steueramnestie "belohnt" wird.

Nein Herr Elsener, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, denn ein Referendum kann sehr wohl auch aus der Mitte des Souveräns erfolgen!

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geschrieben am 15.06.2017 15:08 | von christine weiss

Wo man manche Internet-Beiträge schreibende Leser politisch einordnen muss, ist einmal mehr auch aus diesem Kommentar ersichtlich... Natürlich kommt das Geld für die Sanierung aus Steuern. Oder wollen Sie vorschlagen, man solle dafür einen Banküberfall machen oder das Geld im Staatskeller selbst drucken? Überigens hindert niemand den "kräftig Steuern zahlenden Mittelstand" daran, ins Theater zu gehen. Sie jedenfalls scheinen dort nie zu sein, sonst käme der - sagen wir mal: seltsame - Spruch mit der Cüpli-schlürfenden Schickeria nicht. Die Mehrheit der BesucherInnen stammen aus dem Mittelstand. Übrigens stammen auch Landwirtschaftssubventionen aus Steuergeldern.

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geschrieben am 15.06.2017 15:38 | von Eduard Ith

Geschätzte Frau Weiss,
da ich keiner Partei angehöre, wäre ja doch interessant, zu wissen, wo Sie mich politisch einordnen. Bezüglich ihrer bissigen Replik zum Thema Steuern und der Cupli - schlürfenden Schickeria sei Ihnen kurz dargelegt, warum dieser Spruch von mir herangezogen wurde.

In den vergangenen fünf Jahren, also von 2010 bis 2015 hat der st. galler "Geldadel" 1,3 Milliarden Franken an Vermögen bei den Steuereingaben nachdeklariert. Nicht etwa, weil das schlechte Gewissen bei diesen Personen erwacht wäre, sondern auf Grund der Steuer-Amnestie, welche der rechtsbürgerliche Kantonsrat beschlossen hatte. Für mich, aus der Sicht der Rechtsethik höchst bedenklich!
Anbei: Das brachte dem Fiskus über 83 Mio. Franken an Einnahmen. Wäre die Strafsteuer fällig gewesen, käme nochmals so viel dazu.

Richtig, auch die Landwirtschaftssubventionen stammen aus Steuergeldern und dieses Thema ist für mich ebenso ein rotes Tuch.

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geschrieben am 16.06.2017 08:32 | von christine weiss

...und haben Sie nun den Eindruck, die Nachdeklaration der zuvor nicht angegebenen Vermögens- oder Einkommenswerte habe irdengetwas mit der Theatersanierung zu tun? Soll heissen: Wäre diese Werte weiter verheimlicht, als der Staat weiterhin beschiessen worden, hötte das Theater keinen Sanierungsbedarf oder die Sanierung werde günstiger? Ins Theater geht nicht nur das, was Sie als "Geldadel" bezeichnen (ich vermute sogar eher, genau dieser geht eher selten in SG ins Theater). Allein mit dieser Klientel wäre das Theater auch kaum zu füllen. Und natürlich wird die Sanierung aus Steuergeldern finanziert - alles, was der Staat bezahlt wird aus Steuergeldern finanziert, von der Schule über die Strasse und die Schwimmbäder oder das Spital bis eben zum Theater. Ich glaube übrigens, dass Parlament und Regierung zuviel Angst vor der SVP und ihrem Anti-Theater-Getöse haben. (Man muss kein Parteimitglied sein, um politische Sympathien zu haben und auszudrücken.)

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