BIZARRER FALL

Rorschacher Katzenstreit: Es war keine Entführung

Das Kreisgericht Rorschach hat eine Frau vom Vorwurf freigesprochen, ihre eigene Katze entführt zu haben. Der Kläger konnte nicht belegen, dass ihm das Tier wirklich gehörte.
14.06.2017 | 10:30
Alexandra Pavlovic
Manchmal landen skurrile Fälle vor dem Richter. Nicht immer stehen dabei Menschen im Fokus, auch Tiere können zum Streitobjekt werden. Dies zeigt eine Angelegenheit, die Anfang Juni am Rorschacher Kreisgericht verhandelt wurde. Bei diesem Fall ging es um eine Katzenbesitzerin aus der Region. Sie hatte ihr Tier per Online-Inserat abgeben wollen und es schliesslich einem Interessenten aus Zürich überlassen. Nach einiger Zeit wollte die Frau den Kater jedoch wieder zurück. Gemäss den Vorwürfen des Mannes soll sie das Tier entführt haben. Der Zürcher zog die Frau vor Gericht - er wollte die Katze wieder zurück und bestand auf Entschädigungen von rund 10'000 Franken. Ferner glaubte er, dass es dem Kater bei ihm besser gehe.

Heute Mittwoch hat die zuständige Richterin ihren Entscheid bekannt gegeben. Wie sie auf Anfrage von Tagblatt Online sagt, bleibt der Kater bei seiner ehemaligen Besitzerin und kommt nicht zurück zum Mann. "Die Frau darf das Tier behalten", hält sie fest. Die Richterin stützt ihren Entscheid darauf, dass der Kläger keinen schriftlichen Beleg vorbringen konnte, dass er der rechtmässige Besitzer des Katers sei. "Es stand Aussage gegen Aussage. Dass das Tier dem Mann gehört, war ohne Vertrag eine reine Behauptung seinerseits", sagt die Richterin. Weiter führt sie aus, dass der Zürcher zudem die zurückgehaltenen Impfpapiere sowie den Heimtierausweis zurückgeben muss. Seine Schadensatzforderungen seien hinfällig. 
 

Unter Druck gesetzt und bedroht

Auslöser für die Suche nach einem neuen Besitzer für die Katze war der schlechte Gesundheitszustand der Frau aus der Region gewesen. Ihre Töchter beschlossen, per Online-Inserat ein neues Zuhause für die Katze zu suchen. Mehrere Interessenten meldeten sich - den Zuschlag erhielt schliesslich der Mann aus Zürich. An einem Samstag Anfang 2016 übergab die Frau dem Mann ihre Katze samt Impfpapieren und Heimtierausweis.

Einen Monat später jedoch meldete sie sich beim neuen Besitzer und verlangte ihren Kater zurück. Der Mann ging nicht darauf ein. Die Frau aber liess nicht locker und fing an, ihn unter Druck zu setzen. Daraufhin landete der Fall vor Gericht. Wie der Zürcher Anfang Juni vor dem Rorschacher Kreisgericht sagte, wurde er von der Frau bedroht. Als die Katze im Mai abrupt verschwand, war für ihn klar, dass das Tier entführt wurde. Zeugen hätten gar eine der Töchter dabei beobachtet, wie sie die Katze mitgenommen habe, sagte er.
 

Gericht soll Angelegenheit entscheiden

Die Schwestern aber bestritten die Tat. Zum besagten Zeitpunkt sei eine der Frauen in den Ferien gewesen, die andere bei der Arbeit. Die Geschichte lief laut ihnen anders ab. Ihre Mutter habe mit Hilfe der Polizei die Katze zurückholen wollen. Doch die Beamten seien dem Wunsch der Mutter nicht nachgekommen. Da es der ehemaligen Besitzerin aber erlaubt war vorbeizugehen und sich nach dem Kater zu erkundigen, tat sie das auch.

Die Frau klingelte zunächst an der Haustüre des Mannes. Da dieser jedoch nicht zu Hause war, habe sie vor der Tür gewartet, als plötzlich der Kater auftauchte. Seither ist das Tier wieder zurück bei ihr - jedoch ohne Papiere. Diese wollte der Mann nicht herausrücken, da er gemäss seiner Aussage der rechtmässige Halter sei. Der Anwalt der ehemaligen Besitzerin sah das anders. Das Gericht sollte entscheiden, wer in der Sache Recht behält.
 

"Habe so etwas noch nicht erlebt"

Die Richterin zeigte bei der Anhörung im Juni wenig Verständnis für den Kläger und ermahnte ihn damals, dass er mit seiner Begehrlichkeit die Justiz von wichtigeren Fällen abhalte. "Es ist schon etwas speziell, sich mit solchen Geschichten befassen zu müssen", sagt die Richterin auf Nachfrage. Sie habe so etwas zuvor noch nicht erlebt. "Das Leben schreibt manchmal schon komische Geschichten." Trotz allem brächten solche Fälle Spannung in den Alltag eines jeden Richters.
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