Mehr Licht, weniger Unfälle

  • Die Experten Werner Lendenmann (links) und Urs Etter messen die Beleuchtung eines Fussgängerstreifens in Gossau.
    Die Experten Werner Lendenmann (links) und Urs Etter messen die Beleuchtung eines Fussgängerstreifens in Gossau. (Bild: Hanspeter Schiess)
05.10.2017 | 05:18

KANTON ST.GALLEN ⋅ Viele Fussgängerstreifen im Kanton St.Gallen sind ungenügend beleuchtet. Eine Messkampagne wird nun zeigen, wo die Schwachstellen liegen. Sie soll auch die Gemeinden für das Thema sensibilisieren.

Nina Rudnicki

Nina Rudnicki

ostschweiz@tagblatt.ch

«Die Unfälle auf Fussgängerstreifen nehmen zu», sagt Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik bei der Kantonspolizei St.Gallen. «Nur in seltenen Fällen ist allerdings der Fussgänger schuld.» Im vergangenen Jahr gab es auf Kantonsgebiet 119 Unfälle auf Fussgängerstreifen, davon 87 mit Personenschaden. Die Fussgänger sind grösstenteils auf der zweiten Hälfte der Fahrbahn verunglückt. «Sehen und gesehen werden ist eines der wichtigsten Mittel, um solche Unfälle zu verhindern», sagt Lendenmann. Daher werden aktuell 1500 Fussgängerstreifen auf Kantonsstrassen in ganz St.Gallen auf Beleuchtungsmängel überprüft. In den drei Gebieten Rheintal und Werdenberg, See-Gaster und Toggenburg sowie St.Gallen und Fürstenland werden bis zum kommenden Frühjahr Beleuchtungs- und Lichtmessungsexperten unterwegs sein, um die Situation bei den Fussgängerstreifen zu analysieren. Das Tiefbauamt schätzt die Kosten für die Überprüfung auf 150000 Franken.

Feuchtigkeit verfälscht Messwerte

Einer dieser Fussgängerstreifen liegt am Stadtrand von Gossau. Auf den ersten Blick wirkt er gut beleuchtet. Nichts versperrt die Sicht, es gibt kein Gestrüpp oder Bäume, die Schatten auf die Strasse werfen. Auch die Strassenlaternen sind nicht gedimmt. Dennoch wird der Fussgängerstreifen bezüglich Beleuchtung und Sicherheit nur knapp genügend abschneiden, wie Urs Etter, Abteilungsleiter Öffentliche Beleuchtung der St.Galler Stadtwerke, demonstriert. Die Arbeit des Beleuchtungsexperten beginnt, sobald es dunkel ist. Ausserdem darf es nicht regnen oder schneien, da Feuchtigkeit die Messwerte verfälscht. Gearbeitet wird im Zweierteam: Eine Person achtet auf den Verkehr, die andere Person übernimmt die Messung. Mit einem Messgerät in der Hand geht Urs Etter über den Fussgängerstreifen. Nach etwa jedem zweiten Schritt bleibt er stehen und misst das Licht. Dreimal überquert er den Fussgängerstreifen, bis er die Messwerte von 24 Punkten zusammen hat. Er überprüft, wie viel Licht von oben und wie viel Licht von der Fahrbahn her auf den Fussgängerstreifen fällt. Danach speichert er alles in einem speziellen Programm per Tablet ab. 15 Minuten dauert die Aktion pro Fussgängerstreifen.

In allen Gebieten ähnliche Mängel

Das Ergebnis des Streifens in Gossau ist ernüchternd: Da er nicht direkt unter einer Strassenlampe liegt, sondern einige Meter entfernt, bekommt er nicht genügend Licht. Zudem gibt es auf einer Strassenseite eine Bushaltestelle. Hält der Bus dort nachts, blendet er sowohl Fussgänger als auch Autofahrer, so dass leicht ein Verkehrsteilnehmer übersehen werden kann. «Dieser Fussgängerstreifen ist nicht der schlimmste im Kanton. Aber er weist erhebliche Mängel auf», sagt Florian Scherrer, Projektverantwortlicher Sicherheit an Fussgängerstreifen. Er rechnet damit, dass über die Hälfte der 1500 Fussgängerstreifen entweder bauliche oder beleuchtungstechnische Mängel haben. «Die Situation ist in allen drei von uns definierten Kantonsgebieten in etwa gleich», sagt er.

Wenn die Messungen im Frühling abgeschlossen sind, werden die Gemeinden über die Resultate informiert. Es wird dann darum gehen, entsprechende Massnahmen umzusetzen. Eine Möglichkeit ist beispielsweise, andere Leuchtmittel einzusetzen. Zudem sollen die Gemeinden für das Thema sensibilisiert werden. Denn zu den Fussgängerstreifen auf Kantonsstrassen, die jetzt überprüft werden, kommen unzählige Fussgängerstreifen etwa auf Nebenstrassen hinzu, für welche die Gemeinden zuständig sind. Scherrer sagt: «Der Kanton geht als Vorreiter mit der Absicht voran, dass möglichst viele Gemeinden folgen.»

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