Lehrermangel ist in St.Gallen ein Fremdwort

  • Am Montag geht es für die Kinder im Kanton St.Gallen wieder in die Schule.
    Am Montag geht es für die Kinder im Kanton St.Gallen wieder in die Schule. (SALVATORE DI NOLFI (KEYSTONE))
11.08.2017 | 22:33

SCHULANFANG ⋅ Am Montag beginnt das neue Schuljahr. Alle Stellen an den St.Galler Volksschulen sind besetzt, sogar in den Kindergärten und bei der Heilpädagogik.

Sina Bühler
Im Kanton Zürich fehlen auf den Schulbeginn immer noch Kindergärtnerinnen und Kindergärtner, bei den Heilpädagogischen Lehrkräften ist die Situation noch problematischer. Anders im Kanton St.Gallen. Hier sind bereits am 30. Juni nur noch zwei Stellen auf der Primarstufe frei gewesen, «beide mit sehr kleinen Pensen», sagt Alexander Kummer, Leiter des St.Galler Amtes für Volksschule: «Es ist davon auszugehen, dass diese inzwischen besetzt sind. Unsere Situation ist auf allen Stufen unverändert gut», sagt Kummer. «Vermutlich ist unser Schülerwachstum kleiner als beispielsweise in Zürich», sagt der Amtsleiter. Allerdings sei nicht die Anzahl Schüler massgebend für den Lehrerbedarf, sondern die Anzahl Klassen. Je nachdem wie gross die Klassen zuvor waren, könnte man bei einer Zunahme von Schülerinnen und Schülern die Klassen zuerst auffüllen. Ob es eine Klasse mehr oder weniger gibt, liegt in der Hand der Gemeinden. Nur die kantonale Bandbreite ist vorgegeben: das heisst 16 bis 24 Kinder im Kindergarten, 20 bis 24 in einer Primarschulklasse.

Mit ein Grund für die hohe Zahl an potenziellen Kindergartenlehrpersonen könnte auch die Ausbildung sein. An der Pädagogischen Hochschule in St.Gallen gibt es keine Ausbildung mehr, die ausschliesslich das Unterrichten auf der Kindergartenstufe ermöglicht. Wer mit dem Diplom Typ A abschliesst, kann bis zur dritten Klasse unterrichten.

Auch der Lohn ist derselbe, mit einem Abstrich: Ein Vollzeitpensum im Kindergarten entspricht 89 Prozent auf der Primarstufe, weil die Stundenzahl geringer ist. Diese Situation könnte deswegen insgesamt attraktiver sein als in anderen Kantonen, vermutet Kummer.

Eine mögliche Erklärung hat Kummer auch für die gut besetzten Stellen der Heilpädagoginnen und -pädagogen. Seit 2015 ist es nämlich möglich, das berufsbegleitende Masterstudium nicht nur an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich zu besuchen. Alle zwei Jahre kann auch die ganze Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule in Rorschach absolviert werden. Der zweite Lehrgang beginnt in ein paar Wochen.

Der Kanton Zürich musste schon vor mehreren Jahren verschiedene Massnahmen gegen den Mangel an Lehrerinnen und Lehrern in Kraft setzen. Beispielsweise eine Quereinsteigerausbildung, mit welcher über 30-jährige Berufsleute an der Pädagogischen Hochschule ein verkürztes und berufsbegleitendes Studium als Lehrkräfte absolvieren können. «Unsere Prognosen sehen auch in den nächsten Jahren keinen Mangel an Lehrpersonen voraus», sagt Kummer.

Neu mit Ethik- und Religionsunterricht

Der neue Lehrplan bringt eine Veränderung für die kirchlichen Lehrkräfte an der Volksschule. Dritt- bis Sechstklässler besuchen künftig das Fach Ethik, Religion, Gemeinschaft (ERG). Die Eltern können wählen, ob ihre Kinder den Unterricht bei der Schule oder bei einer Kirche besuchen. Die Lehrpersonen für ERG Kirche werden von den Landeskirchen gestellt, der Unterricht ist aber ökumenisch und steht allen Religionsangehörigen offen. Eine Umfrage zeigt, dass in Mels etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler den kirchlichen Unterricht wählte, die andere Hälfte den schulischen. In Buchs ist es ähnlich, bis auf eines von vier Schulhäusern. Dort hat sich nur ein Viertel für den ERG Kirche entschieden.

In Rapperswil-Jona haben 38 Prozent den ERG Kirche gewählt, in der Stadt St.Gallen 20 Prozent. Den bisherigen Religionsunterricht gibt es weiterhin, die Stundenzahl ist reduziert worden. Der Unterricht ist im Unterschied zum ERG-Besuch aber freiwillig.
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