ST.GALLEN

Hier leben im Kanton St.Gallen die meisten Sozialhilfebezüger

Die Sozialhilfequote ist im Kanton St.Gallen in Städten überdurchschnittlich hoch, wie eine Auswertung des Amts für Statistik zeigt. Zudem stieg der Anteil der Flüchtlinge, die Sozialhilfe beziehen, in den vergangenen Jahren enorm an.
29.03.2018 | 10:11

Gut vier von fünf der anerkannten Flüchtlinge im Kanton St.Gallen haben 2016 Sozialhilfe bezogen. Das geht aus einem am Donnerstag publizierten Analysebericht der Fachstelle für Statistik hervor. Konkret wurden 1450 Personen mit finanzieller Sozialhilfe unterstützt. Gegenüber 2013 stieg die Sozialhilfequote bei Flüchtlingen um gut 16 Prozent, heisst es in einer Mitteilung. Der Anstieg bedeute, dass es den anerkannten und vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen bisher nicht gelang, sich eine wirtschaftliche Lebensgrundlage aufzubauen.

Bei den Asylsuchenden ist die Sozialhilfequote noch höher: 88,3 Prozent der Flüchtlinge, die auf den Asylentscheid warten oder weniger als sieben Jahre in der Schweiz sind, bezogen 2016 im Kanton St.Gallen finanzielle Unterstützung. Jedoch ist dieser Gruppe Asylsuchender nur bedingt erlaubt, zu arbeiten. Für sie gilt ein Arbeitsverbot während der ersten drei Monate nachdem sie das Asylgesuch eingereicht haben. Anschliessend müssen die Asylsuchenden eine Arbeitsbewilligung beantragen. Diese erhalten sie aber nur, wenn bestimmte Lohn- und Arbeitsbedingungen erfüllt sind und kein Schweizer besser für die Stelle geeignet ist (Inländervorrang).
 

Hohe Sozialhilfequote in Städten, niedrige in Dörfern

Insgesamt bezog im Kanton St.Gallen 2,2 Prozent der Bevölkerung Sozialhilfe von den Gemeinden. Das entspricht 11'119 Personen. Damit bleibt die Quote im vierten Jahr in Folge unverändert. Am höchsten ist der Anteil der Sozialhilfeempfänger in jenen Gemeinden mit wachsender Bevölkerung. Überdurchschnittlich hoch ist die Quote dabei insbesondere in den Städten mit Zentrumsfunktion.
 
Hier die Gemeinden mit den höchsten und der tiefsten Sozialquote im Überblick:

  • St.Gallen: 4,4 Prozent
  • Rorschach: 4,3 Prozent
  • Wil: 4,2 Prozent
 
  • Eggersriet und Zuzwil: 0,3 Prozent
  • Mörschwil, Tübach und Untereggen:  0,2 Prozent
  • Berg, Gams, Muolen und Niederhelfenschwil: 0,4 Prozent

 

Jeder fünfte Alleinerziehende lebt aussschliesslich von Sozialhilfe

Grundsätzlich sind Haushalte mit einem Elternteil stärker gefährdet, Sozialhilfe beziehen zu müssen. Mit 17,5 Prozent tragen sie gemäss Mitteilung ein sechsfach höheres Sozialhilferisiko. Grund dafür ist, dass nur ein Erwachsener zum Einkommen beiträgt. Dabei arbeitet jeder dritte Alleinerziehende mit Sozialhilfe, was im Vergleich mit allen anderen Fällen überdurchschnittlich ist.
 
Aufgrund der hohen Erwerbsbeteiligung und weil die betroffenen Alleinerziehenden teilweise Alimente erhalten, kommt die Sozialhilfe bei vier von fünf Einelternfamilien nur ergänzend zum Tragen. Das heisst, nur jeder fünfte Alleinerziehende deckte 2016 seinen gesamten Lebensbedarf ausschliesslich über die Sozialhilfe. (pd/mha)

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