STRATEGIE

Die Gossauer CVP steht unter Druck

Einen neuen Kandidaten bringen oder auf Daniel Lehmann setzen? Die CVP Gossau-Arnegg muss diese Frage für den zweiten Wahlgang im Stadtpräsidiumsrennen bald beantworten; der Gegenkandidat ist schon bereit.
07.12.2017 | 05:20
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang in der Wahl ins Gossauer Stadtpräsidium dürfte schon bald klar sein. Vorgelegt hat schon einmal Wolfgang Giella, Kandidat der überparteilichen Findungsgruppe. In einem Communiqué liessen Parteivertreter von SVP, FDP, Flig und SP mitteilen, dass Giella am 28. Januar «erwartungsgemäss» antritt. Seine Unterlagen würden heute Donnerstag bei der Stadtkanzlei eingereicht. Bei der CVP hingegen, die nach dem überraschend schlechten Abschneiden ihres Kandidaten Daniel Lehmann in einer schwierigen Situation steckt, sind gemäss Parteileitung noch keine Entscheide gefällt worden. Bereits kurz nach dem Wahlsonntag am 26. November liess sie per Mitteilung verlauten, dass aufgrund der «anspruchsvollen» Ausgangslage noch einige Tage nötig sind, um auf einen Entscheid zu kommen. Doch auch gestern konnte CVP-Parteipräsident Elmar Hardegger auf Anfrage nichts weiteres verraten. Man sei sowohl mit Daniel Lehmann als auch mit anderen Kandidaten noch im Gespräch. Es dürfte nun allerdings nur noch wenige Tage dauern, bis die Partei informieren kann.

Kommt die CVP mit einem Gemeindepräsidenten?

Durch das Zögern der CVP wird die Spannung in Gossau natürlich umso grösser. Bei Daniel Lehmann gibt es Anzeichen dafür, dass er gewillt ist, nochmals anzutreten. Die immer mehr werdenden Verhandlungstage hingegen lassen die Vermutung zu, dass die Partei doch noch mit einem anderen Kandidaten ins Rennen steigen will. Die Parteispitze hält allerdings dicht; bislang ist auch Beobachtern des politischen Betriebs kein einziger Name bekannt, man könne nur werweissen.

Gute Köpfe gibt es in der CVP alleweil. Allerdings muss die Ortspartei ziemlich sicher den Fokus öffnen und auch Vertreter anderer Sektionen anfragen. Obwohl die CVP in der Region St. Gallen doch einige Wahlniederlagen hinnehmen musste, hat sie zum Beispiel immer noch einige versierte Gemeindepräsidenten. Vielleicht hat sich zum Beispiel Dominik Gemperli eine grosse Chance verbaut, als er im vergangenen Jahr von Andwil nach Goldach wechselte. Der Name Boris Tschirky wird auch oft genannt, wobei der Gemeindepräsident von Gaiserwald kurz nach seiner Niederlage in der Stadt St. Gallen kaum sofort wieder in einen Wahlkampf will. Bernhard Keller macht seinen Job in Muolen mit viel Hingabe und Motivation. Im Februar wurde er Geschäftsführer des Vorstands der St. Galler Gemeindepräsidenten; er dürfte für seine politische Zukunft Ambitionen haben. Allerdings hat er bereits mitgeteilt, dass er für diese Wahl nicht zur Verfügung stehe. Ferner hat die CVP rund um die Stadt St. Gallen auch in Häggenschwil, Eggersriet und Wittenbach einen Gemeindepräsidenten. Interesse könnten die Gossauer CVPler vor allem an Roger Hochreutener hegen. Er war bereits Gemeindepräsident von Lichtensteig und Tübach. In Eggersriet brachte er die Gemeindefinanzen ins Lot, senkte die Steuern und wollte eigentlich wieder gehen. Allerdings wurde der dossierfeste Politiker bei den Eggersrietern so beliebt, dass viele ihn baten, er solle sich doch nochmals zur Wahl stellen.

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