ABRAXAS/VRSG

Schnittstellenfrei unterwegs

Die Abraxas Informatik AG und die Verwaltungsrechenzentrum AG St.Gallen haben ihren Zusammenschluss lang vorbereitet. Das neue Unternehmen bietet IT-Lösungen – vom Bürger über Gemeinde und Kanton bis zum Bund.
16.06.2017 | 05:18
Regula Weik, Christoph Zweili

Regula Weik, Christoph Zweili

ostschweiz@tagblatt.ch

«Wir wollen durchgehende, schnittstellenfreie Software-Lösungen für die öffentliche Hand anbieten – wie es kein anderes Unternehmen kann. Und dies über alle drei Staatsebenen, Gemeinde, Kanton, Bund», sagt Peter Baumberger, Geschäftsführer Verwaltungsrechenzentrum AG St.Gallen (VRSG). Das Unternehmen ist heute vor allem auf Gemeinde- und Kantonsebene tätig, die Abraxas Informatik AG auf Kantons- und Bundesebene. «Eine ideale Ergänzung», sagt deren CEO Reto Gutmann. Die beiden sind sich einig: Die Digitalisierung stelle die öffentliche Hand vor gewaltige Herausforderungen. Umgekehrt werde auch die IT-Programmierung immer komplexer. «Da liegt es nahe, dass wir unsere Unternehmen mit ähnlichen Portfolios zusammenlegen», sagt Baumberger. Davon profitierten direkt auch die Bürgerinnen und Bürger, etwa bei einem Umzug; alle notwendigen Daten werden von der alten digital der neuen Wohngemeinde zugeleitet. «Der Service für die Bürger verbessert sich damit deutlich», sagt Baumberger.

«Start-up-Feeling für IT-Cracks»

Die neue Firma wird im April 2018 operativ tätig werden. Dannzumal ein Unternehmen mit 840 IT- und Fachspezialisten. «Entlassungen stehen nicht im Fokus», betonen die beiden CEOs. «Wir brauchen alle», sagt Baumberger. «Doch die Mitarbeitenden müssen offen sein für Veränderungen.» Der VRSG-CEO geht dabei mit gutem Beispiel voran: Baumberger wird künftig noch Vize-CEO sein und den Integrationsprozess leiten. An der Spitze des neuen Unternehmens steht der heutige Abraxas-Chef Gutmann.

Baumberger spricht von einem «Start-up-Feeling». Er ist überzeugt, dass das neue Unternehmen für «junge IT-Cracks» ein attraktiver Arbeitgeber sein wird. Hauptsitz wird St.Gallen sein; doch es werden weiterhin mehrere Standorte gehalten. «Unser Ziel ist, möglichst nahe beim Kunden zu sein», sagt Gutmann. Bis es so weit ist, werden die beiden Unternehmen als Tochtergesellschaften in der neuen Abraxas-VRSG Holding AG zusammengeführt. «Das verspricht Kontinuität während des Firmenumbaus, ein wichtiges Signal an unsere Kunden», sagt Gutmann.

Das letzte Wort haben die Aktionäre. Jene der Abraxas, die Kantone St.Gallen und Zürich, haben dem Vorhaben bereits zugestimmt; ebenso die grösste Aktionärin der VRSG, die Stadt St.Gallen. Die übrigen Anteile der VRSG halten 130 Städte, Gemeinden und Kantone. Baumberger ist zuversichtlich, dass das notwendige Zweidrittel-Quorum für die Fusion erreicht wird. «Wir sind uns aber bewusst: Die Aktionäre müssen noch entscheiden», sagt Baumberger.

Konkurrent der VRSG auf dem Platz St.Gallen ist Abacus. Das Wittenbacher Software-Unternehmen liegt mit 69 St.Galler Gemeinden im Streit – alle Kunden der VRSG. Abacus wirft ihnen vor, ihre Software-Aufträge seit über 30 Jahren immer freihändig an die VRSG vergeben zu haben. Auf die Frage, was die geplante Fusion für Abacus bedeutet, antwortet CEO Claudio Hintermann: «Der Interessenkonflikt wird sich auf eine noch höhere Ebene verschieben. Es besteht die Gefahr, dass die jetzt schon bedenkliche Menge von millionenschweren freihändigen Vergaben noch steigen wird.» Hintermann hat eine dezidierte Meinung: «Der Gesetzgeber müsste untersagen, dass staatlich kontrollierte Firmen freihändige Aufträge von ihren eigenen Aktionären bekommen.» Spricht hier die Angst vor der neuen, starken Konkurrenz? Hintermann verneint: «Wir werden unsere Stärken auch künftig ausspielen und zwar in jenen 17 Kantonen, wo fair ausgeschrieben wird und der Wettbewerb funktioniert.» Abacus sei gesamtschweizerisch mit über 400 Gemeinden der «Marktführer für Lösungen im Bereich der Finanz- und Lohnsoftware».

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