WIDNAU

Paletten als Konjunkturbarometer

Dem Wirtschaftsaufschwung in Deutschland sei es geschuldet: Bei der Lieferung von Euro- und anderen Paletten drohen zurzeit Wartefristen von einigen Wochen. Die Swisspack AG in Widnau kennt einige der Probleme.
11.01.2018 | 05:20
Kurt Latzer

Kurt Latzer

«Die Lochscheiben für Fleischwölfe sind für mich die besten Wirtschaftsbarometer», sagte einst der verstorbene Auer Messerschmied Otto Bänziger in einem Interview. Denn immer wenn die Konjunktur in einer Flaute dahindümpelte, hätten die Metzgereien mehr vom billigeren Hackfleisch verkauft. Folglich mussten die Metzger die Messer und Lochscheiben der Fleischwölfe öfter schleifen lassen.

Lieferengpässe und Wartefristen für Paletten

Zurzeit segelt die Wirtschaft hoch am Wind, die Konjunktur brummt. Beweis dafür ist die momentane Situation der Ver­packungs- und Transportmittelbranche. «Wegen der guten Wirtschaftslage werden die Paletten für den Transport von Waren knapp», war dieser Tage in deutschen Zeitungen zu lesen. Für sogenannte Euro- oder Chemiepaletten müsse man mit einer Lieferfrist von mehreren Wochen rechnen. Auch der Markt für Occasionspaletten sei leergefegt.

Die Firma Swisspack AG in Widnau ist eine der Rheintaler Firmen, die die aufschwung­bedingte Paletten-Not direkt zu spüren bekommt. Das Unternehmen ist Hauptimporteur für Inka-Pressspanpaletten. «Wir mussten uns diese Woche dazu entschliessen, die Auslieferung der gängigsten Inka-Paletten zu ratio­nieren», sagt Othmar Meli, Geschäftsführer der Swisspack AG. Mehr als 120 Stück der 60 mal 80 Zentimeter grossen Inka-Paletten auf einmal könne man nicht ausliefern. Keinen Engpass gebe es bei den Einweg- und den Kunststoffpaletten.

Keine rosigen Zeiten für die Handelsfirmen für Transportverpackungsmaterialien. «Uns bereiten nicht nur die Liefer­engpässe Sorge», sagt Manuel Seitz, Inhaber der Swisspack AG, der sich kürzlich aus dem operativen Geschäft der Firma zurückgezogen hat. Weil die meisten Waren aus dem EU-Raum stammen, leidet das Rheintaler Unternehmen unter dem hohen Eurokurs und den steigenden Preisen. Für einen Teil der Ware habe man innerhalb weniger Monate die Preise viermal erhöht. Auch die Kapazitäten in der Grau- und Wellkartonproduktion seien ausgeschöpft, was sich ebenfalls negativ auf die Preise auswirke.

«Mit der Aussage des Bundesrates, wir seien über dem Berg, bin ich ganz und gar nicht einverstanden», sagt Seitz, «uns fehlen die Unternehmen, die ausgelagert haben oder aufgeben mussten.» Als Beispiele nennt Manuel Seitz die Firmen Ego Kiefer, Scholl Glas und Glessmann. «Nach dem Euroschock haben wir von einem auf den anderen Tag etwa ein Drittel der Markt­anteile verloren», sagt Pierre Clénin, Geschäftsführer Epal Schweiz und Vorstand von Epal international. Epal (European Palett Association e. V.) ist ein nicht gewinnorientierter Unternehmensverband zur Förderung der Europool-Palette (Mehrwegpalette). In der Schweiz existieren laut Clénin sechs Epal-Produzenten. Auf dem internationalen Markt sind die Schweizer Paletten preislich nicht konkurrenz­fähig.

Schroth AG kennt keine Engpässe

Ganz anders sehe es bei den Reparaturen von Epal-Paletten aus. «In diesem Bereich sind wir dank modernster Technik führend», sagt Pierre Clénin.

Eine Firma, die sich auf die Reparatur von Epal-Paletten spezia­lisiert hat, ist die Firma Schroth in Altstätten. Am Stammsitz in Deutschland betreibt Schroth eine der modernsten und leistungsstärksten Produktionsanlagen für Euro-Paletten in Europa. «Im Rheintal reparieren wir ausschliesslich Euro-Paletten für die Schweiz. Die Auftragslage hierfür ist sehr gut», sagt Felix Dietrich, Geschäftsführer von Schroth, Altstätten. Kurz nach der Eröffnung des neuen Werks im Frühjahr 2017 in Altstätten habe man den Warenausstoss verdoppeln können. Dort steht eine der modernsten vollautomatischen Prüf- und Kontrollanlagen für Euro-Paletten. Mangelhafte oder defekte Paletten werden manuell repariert. Das gilt auch für Palettrahmen und -deckel. Lieferengpässe von neuen Euro-Paletten gebe es im Mutterhaus in Deutschland dank vorausschauender Planung nicht.

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