ALTSTÄTTEN

Anwohner wehren sich mit einer Hecke gegen einen Neubau

An der Alten Stossstrasse möchte die Brunnen Immo AG ein Mehrfamilienhaus bauen. Anwohner wehren sich gegen das Projekt und gegen den Plan, den Schutz für eine Hecke aufzuheben.
13.01.2018 | 05:19
Gert Bruderer

Gert Bruderer

Das Grundstück, auf dem das Mehrfamilienhaus in naher Zukunft stehen soll, liegt gegenüber dem Restaurant Schützenhaus. Hier befindet sich heute, auf einem Hügel, ein altes Einfamilienhaus.

Die Brunnen Immo AG, die von Fredy Stieger und seiner Frau, der früheren Stadträtin Trudi Stieger, betrieben wird, hat das Grundstück im Jahr 2014 mit dem Ziel gekauft, es neu zu bebauen. Zunächst waren ein Mehr- und ein Einfamilienhaus vorgesehen, in den beiden letztes Jahr eingereichten Baugesuchen war das Einfamilienhaus nicht mehr enthalten.
 

Bauherrschaft will Boden von der Stadt

Um bei der Planung mehr Spielraum zu haben, bestand schon früh der Wunsch der Bauherrschaft, ein bisschen mehr Bo­- den westlich des Grundstücks dazuzukaufen. Die Zufahrt zum Mehrfamilienhaus könnte sodann von dort so gebaut werden, dass sie gesetzeskonform wäre. Der schmale angrenzende Landstreifen, den die Brunnen Immo AG begehrt, liegt an der Schützenstrasse und gehört der Stadt.

Mit diesem städtischen Grundstück ist allerdings ein Hindernis verbunden. Es ist Teil der Schutzverordnung, das Gehölz auf der Parzelle also geschützt.

Die Stadt ist damit einverstanden, dass ein kleiner Teil dieses Gehölzes verschwindet, sofern ein Realersatz geleistet wird, wie es geplant ist. Anwohner bemängeln nun aber, der vorgesehene Ersatz sei ungenügend. Wobei ihr Vorwurf sich nicht an die Bauherrschaft richtet, sondern an die Stadt.
 

Beauftragter Experte empfiehlt den Schutz

Die Stadt lässt seit letztem Frühjahr die Schutzverordnung überarbeiten. Als damit begonnen wurde, schrieb die Stadt, rund 50 Naturobjekte würden «in den nächsten Monaten» besichtigt und neu beurteilt. Anstatt den Schlussbericht abzuwarten, hat der Stadtrat nun die Änderung der Schutzverordnung für das Grundstück der Stadt an der Schützenstrasse aufgelegt. Das ist insofern bemerkenswert, als ausgerechnet der mit der Schutzverordnungsüberprüfung betraute Naturexperte eine gegenteilige Empfehlung abgegeben hat. Der Experte bezeichnete die bestehende Hecke als ökologisch wertvoll, wertete eine neue Lage an der Alten Stossstrasse als Verschlechterung und sprach sich dafür aus, die Hecke im Natur­inventar zu belassen.
 

Stadt sagt Ja zur Schutzaufhebung

Damit die Erschliessung des Baugrundstücks die gesetzlichen Vorgaben erfüllen kann und die Sichtbereiche gross genug sind, soll auf Antrag der Brunnen Immo AG die Privatstrasse, die durch den Landstreifen der Stadt führt, in Richtung Süden verschoben werden. Dies ist nur möglich, wenn das Schutzobjekt auf diesem Grundstück verkürzt wird, was im Moment wegen der Schutzverordnung nicht möglich ist. Grundsätzlich sei eine Änderung an einem Schutzobjekt bei Realersatz aber möglich, schreibt dazu die Stadt.

Der Stadtrat hat dem Antrag der Brunnen Immo AG «unter Abwägung der ökologischen Aspekte und einer Erhöhung der Sicherheit bei der Zu- und insbesondere der Ausfahrt» auf die Schützenstrasse zugestimmt. Für die Entfernung der bestehenden Hecke auf einer Länge von rund zehn Metern müsse die Brunnen Immo AG auf ihrem Grundstück einen 12,80 Meter langen Ersatz schaffen. Dieser Realersatz sei mit dem kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei abgestimmt worden, teilt Stadtpräsident Ruedi Mattle auf Anfrage mit.

Dass das Baugesuch der Brunnen Immo AG und die Schutzentlassung zur gleichen Zeit öffentlich aufliegen (vom 19. Dezember bis 17. Januar) begründet die Stadt so: Altstättens überarbeitete Schutzverordnung werde frühestens Ende 2018 rechtskräftig. Damit eine allfällige Bewilligung des Baugesuchs nicht bis zum Abschluss der Überarbeitung der Schutzverordnung warten müsse, habe der Stadtrat entschieden, Baugesuch und Schutzentlassung gleichzeitig öffentlich aufzulegen.
 

Projekt wird als überrissen bezeichnet

Das Bauprojekt selbst wird von den Einsprechern als überdimensioniert kritisiert. Im Quartier stünden kleinmassstäbliche Häuser, vor allem Einfamilienhäuser. Das von der Brunnen Immo AG geplante Mehrfamilienhaus sei um ein Vielfaches grösser als das bestehende Gebäude und stelle einen massiven Eingriff ins Gelände sowie ins Orts- und Landschaftsbild dar. Projektgegner haben in Leserbriefen bereits geklagt, hier zeichne sich nach der Bebauung des exponierten Felsenhügels die nächste Bausünde ab – und dies abermals unter Mithilfe der Stadt.

Umstritten ist auch die Zufahrt, für die (wie für das Haus) verschiedene Varianten beste­hen. Der Wunsch, das Grundstück an seinem nördlichen Rand von der Schützenstrasse her zu erschliessen, stört zwei der Anwohner besonders. Sie sagen, der hier bestehenden Zufahrt sei vor einigen Jahren nur deshalb grosszügig zugestimmt worden, weil damit Rücksicht auf die Pflegebedürftigkeit und Notfallversorgung der früheren Bewohner genommen worden sei. Eine generelle Zufahrt für ein Mehrfami­- lienhaus könne indes kein Thema sein. Die Bauherrschaft beruft sich ihrerseits darauf, dass im Grundbuch keine Einschränkung vermerkt sei. Die Bauherrschaft bekam selbstverständlich Gelegenheit, sich zu ihrem Projekt und der Auseinandersetzung zu äussern. Sie verknüpfte dies al­lerdings mit Bedingungen, die von der Redaktion abgelehnt wurden.

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