Ostschweizer Medienleute ausgezeichnet

  • Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis.
    Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis. (Fridolin Walcher)
  • Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis.
    Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis. (Fridolin Walcher)
  • Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis.
    Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis. (Fridolin Walcher)
  • Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis.
    Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis. (Fridolin Walcher)
  • Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis.
    Fridolin Walcher erhielt für seine Bildreportage «Pumpspeichern am Muttsee» einen Preis. (Fridolin Walcher)
14.06.2017 | 22:16

ST.GALLEN ⋅ Genaue Beobachtungen und kritische Blicke auf Vorgänge und Schicksale, die sich hinter den täglichen Schlagzeilen verbergen: Dafür haben gestern vier Journalisten und ein Fotograf den Ostschweizer Medienpreis erhalten.

Adrian Vögele
Nicht alles muss gross sein, um Gewicht zu haben. Das gilt auch für journalistische Arbeiten. Beispielsweise für das «Salzkorn», die Glosse, die auf jeder Frontseite dieser Zeitung erscheint. Zum Kreis der Autoren gehört der 72-jährige St. Galler Journalist Peter Stahlberger, der unter anderem bei NZZ und «Tages-Anzeiger» tätig war. Für eines seiner «Salzkörner» erhielt nun Stahlberger gestern den Ostschweizer Medienpreis in der Kategorie «Tagestext». Es erschien im vergangenen November und befasste sich mit einem in den Medien allgegenwärtigen Thema: Wahlkampf. «54 Wörter braucht Stahlberger, um zu zeigen, dass in Wahlversprechen und Wahlslogans vor allem eines steckt: heisse Luft», schreibt die Jury. Er greife das «Mantra derer, die gewählt werden wollen», gekonnt auf – indem er auf ganze Sätze verzichte und stattdessen Wahlkampf-Schlagworte aneinanderreihe: «Kompetent. Lösungsorientiert. Erfahren. Sozial. Gerecht. Ökologisch ...» Bis zum Schluss: «Wahlweisheiten. Wahlweise. Wiederverwendbar.»

Stahlbergers Montage, so die Jury, entwickle Rhythmus, wie ein Rap. «Er verdichtet sein Material, bis am Ende nur noch Essenz bleibt.» Die Auszeichnung sei auch eine Würdigung der Kolumne als Ganzes, «die sich seit mehr als 35 Jahren behauptet, gegen alle Strömungen des Zeitgeistes». Stahlberger selber äusserte an der Preisverleihung im gut, aber nicht voll besetzten Pfalzkeller den Wunsch, das «Salzkorn» möge der Zeitung noch lange erhalten bleiben. «Es ist ein Markenzeichen und ein Identitätsmerkmal, das in unserer schnelllebigen Zeit besonderen Wert hat.»
 

Ein Jahr mit einem Neuling im Nationalrat

Apropos Wahlen: Was passiert, wenn die Slogans beim Volk gewirkt haben, die SVP gewinnt und man als deren Kandidat den Sprung ins Parlament geschafft hat? Damit befasste sich die Aargauer Journalistin Aline Wanner: Die 28-Jährige begleitete den Ausserrhoder SVP-Nationalrat David Zuberbühler während seines ersten Jahres in Bundesbern. Daraus entstand ein grosser Text für die Wochenzeitung «Die Zeit» mit dem Titel «Zubi läuft mit», der nun mit dem Medienpreis in der Kategorie Reportage ausgezeichnet wurde. Die Jury lobt die Autorin für ihre präzisen Schilderungen. «Sie macht sich nicht lustig über David Zuberbühler; ihr Text ist alles andere als das bekannte SVP-Bashing. Sie schaut genau hin, hört genau zu.» Damit zeige sie im Kleinen, wie Schweizer Politik auch funktioniere – «eben dank Mitläufern wie Zubi».

Ein Ausserrhoder Thema beleuchtete auch der Aargauer Fernsehjournalist Remigius Bütler: Er porträtierte für «Schweiz Aktuell» die 92-jährige Lina Bischofberger, eine selbstständige Stickerin. Die Jury zeichnet den TV-Beitrag unter anderem deshalb aus, weil es Bütler gelungen sei, mit Lina Bischofbergers Lebensweg einen Teil des wirtschaftlichen Wandels in Ausserrhoden zu zeigen. Auch die Schwierigkeit des Loslassens von einer langjährigen Arbeit bekomme der Zuschauer unmittelbar zu spüren. Und er erhalte eine wertvolle Anregung für die aktuellen Debatten über das Rentenalter.

Unmittelbarkeit ist auch eine Stärke des prämierten Radiobeitrags. Die 24-jährige Rheintaler Journalistin Vanessa Kobelt widmete sich dem Thema Stalking. Beeindruckend sei die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der die Protagonisten über ihre bedrückenden Erlebnisse berichten, so die Jury. Auch Klangelemente und bildhafte Beschreibungen seien geschickt eingesetzt. Kobelt produzierte den Beitrag für «Radio L», inzwischen arbeitet sie bei «Radio FM 1».
 

Bildreportage zeigt «Narben im Berg»

In der Kategorie Fotografie geht der Preis in den Kanton Glarus: Der 65-jährige Fridolin Walcher erhält ihn für eine Bildserie über den Bau des Kraftwerks Limmern. Walcher, ein Gegner des Kraftwerks, sagt: «Da ich den Bau nicht verhindern konnte, wollte ich ihn wenigstens genau verfolgen.» Die Bilder, erschienen in der Zeitschrift «Hochparterre», zeigen laut der Jury die technische Meisterschaft des Menschen ebenso wie die schmerzhaften «Narben des Bergs».
Der St. Galler Regierungspräsident Fredy Fässler würdigte die prämierten Arbeiten in seiner Ansprache als Beispiele für einen Qualitätsjournalismus, der in Zeiten von Fake News immer wichtiger werde. «Dazu gehört, dass man das Büro immer wieder verlässt und hinausgeht, um die Dinge so zu erleben, wie sie tatsächlich sind.»

Zum letzten Mal in dieser Form

Die Ostschweizer Medienpreise, die gestern Abend verliehen wurden, waren die letzten – nicht grundsätzlich, aber in dieser Form. Der Preis sei «aus der Zeit gefallen», sagt Iso Rechsteiner, Präsident des Stiftungsrats. Die Ostschweizer Medienlandschaft habe sich verändert; Konzentrationen hätten vor dem östlichen Landesteil nicht Halt ge­macht. Der Ostschweizer Medienpreis war vor 17 Jahren erstmals verliehen worden – bei den ak­tuellen Umwälzungen der Medienlandschaft eine halbe Ewigkeit. Dies sei ein weiterer Grund, weshalb die heutige Form «in die ­Jahre» gekommen sei, sagt Rechsteiner. Online sei heute in aller Munde, nicht aber in einer der fünf Preiskategorien. Die Jury bewertet heute Fotografien, Tagestexte, Reportagen, Fernseh- und Radiobeiträge. «Diese fünf Preiskategorien sind nicht in Stein ­gemeisselt», sagt Rechsteiner.

Der Preis werde nicht gänzlich aufgegeben – «das wäre ein schlechtes Signal; denn es würde heissen, in der Ostschweiz gibt es kein auszeichnungswürdiges Medienschaffen mehr», sagt der Präsident des Stiftungsrats. Er kann sich vielmehr vorstellen, dass der Preis neu konzipiert wird – «nur noch ein Preis ohne feste Kategorien und ein Förderpreis». Der Stiftungsrat sei auch im Gespräch mit den Verantwortlichen des Radio- und Fernsehpreises der Ostschweiz. Doch, so Rechsteiner, entschieden sei noch gar nichts. (red.)

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