Nicht applaudieren, Lederhosn und ein spezieller Start ins Leben

  • Der österreichische Musiker Andreas Gabalier beim Auftakt seiner Unplugged-Tournee am 22. März in Mannheim.
    Der österreichische Musiker Andreas Gabalier beim Auftakt seiner Unplugged-Tournee am 22. März in Mannheim. (Keystone)
16.06.2017 | 12:35

GRUNDWISSEN FÜR GABALIER-ANFÄNGER ⋅ Wenn heute der Volks-Rock-’n’-Roller Andreas Gabalier im Kybunpark auftritt, wird die Post abgehen. 27'000 Menschen werden seine Lieder mitsingen. Unter den Besuchern werden viele eingefleischte Fans sein, aber wer den Alpen-Elvis noch nicht kennt, muss wenigstens etwas Grundwissen mitbringen.

Sind robust, bequem und sehen an jedem Männerbein fesch aus: Die Lederhosn. (Keystone)
1. Lederhosn: Leder ist robust und hält lange. als Ursprung gilt die Culotte, eine Kniebundhose, die am französischen Hof getragen und oft aus Seide oder Samt genäht wurde. Allmählich löste die Culotte die schweren Pluder- und Pumphosen der Bauern ab. Da die Hose der Bauern ganz anderen Belastungen standhalten musste, fertigten die einfachen Leute ihre Culottes aus strapazierfähigem Leder. Das war die Geburt der Lederhose. Für die Herstellung von Lederhosen wird vor allem gegerbtes Hirschleder, aber auch andere weiche Lederarten  - wie etwa Ziegenleder - verwendet. Ein echter Gabalier-Fan erscheint heute in Lederhosn im Kybunpark.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Dirndl zum Kassenschlager, weil es eine günstige Alternative zur traditionellen Tracht war. (Keystone)
2. Dirndl: Dasselbe gilt für weibliche Fans: Wer stilecht ans Konzert will, kommt im Dirndl. Der Name Dirndl wurde abgeleitet von Dirne. damit ist in der entsprechenden Mundart schlicht ein junges Mädchen gemeint oder noch etwas früher wurde eine Magd so genannt. Der Bedeutungswandel zur Prostituierten ist eine moderne Entwicklung. Ein Dirndl darf nicht mit einer regionalen Volkstracht verwechselt werden. Das Dirndl wurde zwar durch regionale Trachten geprägt, hat aber keinen bestimmten regionalen Bezug. Ein Dirndl war ursprünglich ein städtisches Modephänomen. Ein wichtiges Detail: Die Schleife des Dirndls auf der linken Seite gebunden signalisiert, dass die Trägerin noch zu haben ist.

3. Der Durchbruch: Andreas Gabalier erlangte 2011 internationale Bekanntheit, nachdem er bei «Willkommen bei Carmen Nebel» seinen Song «I sing a Liad für di» (Ich sing ein Lied für dich) zum Besten gab. Der Song wurde digital danach derart gut gekauft, dass er rückwirkend auch in Deutschland lizenziert wurde. In Österreich war der Song während 132 Wochen in den Charts gelistet; so lange wie sonst kein Lied jemals zuvor oder danach.



4. Im Auto geboren: Andreas Gabalier ist zwar in Graz, Steiermark, aufgewachsen, aber in Kärnten geboren. Am 21. November 1984 kam er in einem Auto an der Schnellstrasse B317, bei Friesach, auf die Welt. In seiner Biographie bezeichnet er sich als «Autobahn-Unglück». Noch heute ist er mit seiner Heimat stark verwurzelt. So sehr, dass er ihr mehrere Songs gewidmet hat wie beispielsweise: «Vergiss die Heimat nie», «Meine Heimat» oder «Steirerland». Ausserdem sind der grösste Teil seiner Lieder auf steirisch.
 


5. Freundschaft zu Xavier Naidoo: Auf seiner Facebook-Seite beschreibt Andreas Gabalier seine Freundschaft zu Xavier Naidoo, die in der Sendung «Sing meinen Song - das Tauschkonzert», entstanden ist: «Nicht nur der Song, ganz speziell auch dieser Mensch Xavier Naidoo bedeutet mir viel. Ein bodenständiges Aufeinandertreffen zwei musikalisch verschiedener, aber vom Charakter ähnlicher Typen……Männer! Dieser Song hätte man für zwei Musiker wie wir es sind, in der Rollenverteiler nicht besser treffen können! Die Verbindung zu Xavier ist auf Grund des «Amoi seg‘ ma uns wieder» in Südafrika stark und diese wird wohl auch immer bleiben. Ich würde mir wünschen, dass es auch in Zukunft wieder einmal ein gemeinsames Projekt geben wird.» Ob Gabalier auch die umstrittene Weltansicht Naidoos teilt, ist nicht bekannt. 



6. «Amoi seg' ma uns wieder» - zum Zweiten: Auch heute Abend wird Andreas Gabalier bei einem Song von den Fans absolute Stille verlangen. Und zwar bevor er den wohl emotionalsten seiner Songs spielt. «Amoi seg' ma uns wieder» (Einmal sehen wir uns wieder) ist für den österreichischen Sänger eine Art Gebet und deshalb verlangt er währenddessen und danach keinen Applaus. Das Lied schrieb der Österreicher für seinen Vater und für seine Schwester, die sich beide das Leben genommen haben. Also, Feuerzeug oder Handy aus der Tasche und in die Höhe damit, und dann still werden und die spezielle Ambiance auf sich wirken lassen.



7. Hulapalu: Gabaliers Song «Hulapalu» gehörte 2016 zu den von Streamingplattformen am meisten gespielten Songs.



8. Seine politische Einstellung: Auf politische Korrektheit gibt der Volks-Rock-’n’-Roller nichts, und ein SPÖ-Wähler ist er sicher auch nicht. Erst kürzlich grüsste er den österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen via Facebook höchst ironisch: Dekoriert mit einem Tischtuch als Kopftuch und einem Schnaps in der Hand, kommentierte er so eine Aussage des Politikers zum Umgang mit dem Islam. Der Applaus aus rechtspopulistischen Kreisen liess nicht lange auf sich warten. Derzeit liefert Gabalier sich aber auch einen Gerichtsstreit mit dem Wiener Konzerthausdirektor. Dieser hatte gesagt, er würde den Sänger nicht bei sich auftreten lassen, da man wisse, «wofür er steht», und dass man damit «ein Signal» aussende. Der muskelbepackte Hitproduzent will sich das nicht bieten lassen, über Anwälte verklagte er den Direktor und liess ausrichten, er wolle «sich nicht in die rechte Ecke drängen lassen». So oder so: Gabalier ist stets ein Thema. Auch das ist eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Über Andreas Gabalier kann man recht lange sprechen, ohne über seine Musik zu reden.



9. Bergbauern-Buam: Gabalier inszeniert sich gerne als bodenständiger Bergbauern-Bub.


10. Sicherheitsregeln für den Kybunpark: Die Organisatoren haben ihre Sicherheitsvorkehrungen für das Konzert für Freitagabend angepasst: «Verboten sind Hand­taschen und Rucksäcke über A4-Format», teilte die Veranstalterin mit. Die Massnahme soll die Arbeit der Ordnungskräfte erleichtern und den Einlass beschleunigen. Ebenfalls verboten sind unter anderem Kameras mit Wechselobjektiven sowie Selfiesticks. Handys, Schlüsselbunde, Portemonnaies sowie kleinere Kosmetiktäschchen seien weiterhin zugelassen. Es wird empfohlen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. (arc/chs)
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