KONZERT

Gabalier, der "Boss" der Alpen

Der ausverkaufte Abend mit "Volks-Rock-'n'-Roller" Andreas Gabalier war für die 27'000 Zuschauer im Kybunpark beste Unterhaltung. Es zeigen sich erstaunliche Parallelen zu Bruce Springsteen, dem "Boss".
16.06.2017 | 16:02
Aktualisiert:  16.06.2017, 22:00
Michael Hasler
Andreas Gabalier ist nicht der grossartigste Sänger der Welt, aber das ist Bruce Springsteen auch nicht. Und beide wissen das sehr genau. Ihre Konzerte sind aber nicht nur deshalb vergleichbar. Denn nach der Starthalbestunde mit dem Steirer und seiner zwölfköpfigen Band schälen sich aus den wilden Assoziationen zwei Wörter heraus: Authentizität und Kraft.
 

Unwiderstehliche Wucht

Wie „The Boss“ ist auch Gabalier äusserlich einer, der mit seiner ärmelfreien Weste und seinen gestählten Oberarmen durchaus ein Kerl aus den 1980er-Jahren sein könnte. Doch hinter dieser imposanten Hülle spürt man trotz der relativen Abenteuerlosigkeit vieler seiner Songs eine so sensible wie ehrliche Seele. Das mag ein Erklärungsversuch des Phänomens Gabalier sein. Aussen hart – und innen ganz weich. Das Konzert im Kybunpark droht nur gerade in den ersten paar Minuten zu einer üblen Mélange aus Aprés-Ski-Hits und Mallorca-Ballermann zu verkommen. Gleich mehrmals animiert er das Publikum zum Mitsingen, Mitklatschen und was auch immer. Über einen Abend hinweg wäre das nervtötend – ja unaushaltbar.  Doch dann kommt der bewusste Bruch in der Festhüttendramaturgie, schaltet Gabalier einen Gang zurück und verlässt sich auf seine Musikalität und die unwiderstehliche Wucht seiner zwölfköpfigen Band.
 

Eine ansteckende Kraft

Gabalier tut das, was er Abend für Abend auf der Bühne abliefert, mit einer Kraft, der man sich auch als Nichtfan kaum entziehen kann. Wenn er mit seinem Publikum spricht, tut er das wie einer, der wirklich etwas zu sagen hat. Und obwohl sein Mikrofon an einem halben Hirschgeweih befestigt hat, er eine weiss-rot-karierte Sonnenbrille trägt und sich ein Schweizerkreuz auf den Bizeps malt, wirkt das bei ihm nie peinlich. Solche wie ihn, die kraft ihrer Ausstrahlung durch mehrere Generationen hindurch einen solchen Sog auswirken, gibt es genreübergreifend nur ganz wenige. Grönemeyer, der vor ihm den Kybunpark mit einem wunderbaren Konzert beschenkte, ist einer. Ein anderer, ihm im Grundimpetus deutlich ähnlicher, tatsächlich Bruce Springsteen. Wie das amerikanisch-italienische Urgestein des Rock spielt auch der Boss der Alpen seine Konzerte so, als wären sie das letzte, was er aus seinem Körper herauspresst.  Und wie Springsteen verlässt er sich dabei auf eine Band, die eine perfekte und wuchtige Klangwand durch die Stadien dieser Welt feuert, die in der Volksmusikwelt ihresgleichen sucht.
Bildergalerie: Gabalier bringt den Kybunpark zum Toben

Andreas Gabalier legt vor 27'000 Zuschauern im Kybunpark eine Riesenshow hin. Im Publikum gibt es nur einen Modetrend: Dirndl und Lederhosen.

Mischpult steigt aus

Auch nach einer guten Stunde ist die Stimmung im Stadion ausgelassen aber nie bierselig, viel weniger eine beliebige Party als vielmehr ein durch und durch ernsthaftes Konzert eines begabten Musikers. Als bei einer Bluesnummer plötzlich die Anlage wegens eines defekten Mischpults für einige Minuten aussteigt, bleibt Gabalier stoisch auf der Bühne stehen. Das Publikum feiert ihn ekstatisch, klatscht ihm zu und singt mit ihm – nun nur noch im Notstrommodus – über Minuten hinweg, eine A-Capella-Version seines Hits Hulapalu. Die Gekommenen rücken zusammen, feiern den Moment und schultern diesen Felsbrocken eines Mannes, der nicht zurückweicht, schon gar nicht vor einem kaputten Mischpult. Ein Boss. Nichts weniger.

Zum Nachlesen: Der Newsticker zum Gabalier-Konzertabend:

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