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Fall Hefenhofen: Tierschützer erhebt Strafanzeige gegen Kantonstierarzt

Erwin Kessler, Präsident des Vereins gegen Tierfabriken, erhebt Strafanzeige gegen den Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig. Als Begründung gibt er die "Tragikomödie" im Fall Hefenhofen an. Der Landwirt hatte auf seinem Hof Tiere vernachlässigt, weshalb am Montag ein Tierhalteverbot gegen ihn ausgesprochen wurde.
09.08.2017 | 10:13
Aktualisiert:  09.08.2017, 11:00
Die Strafanzeige ging vorab per Mail an die Staatsanwaltschaft Frauenfeld und an die Medien. Kessler kündigt im E-Mail an, dass die Strafanzeige bald auch als Einschreiben bei den Behörden eingehen soll. Gegenüber der Nachrichtenagentur SDA bestätigte die Staatsanwaltschaft den Eingang der Anzeige.

Konkret wirft Kessler dem Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig Amtsmissbrauch zugunsten von Ulrich K. vor. Dieser stand in den vergangenen Tagen landesweit in den Schlagzeilen, weil auf seinem Hof Pferde vernachlässigt wurden und sogar verhungert sein sollen.

Es gehe um "zahlreiche grausame Todesfälle" von Tieren, die vermeidbar gewesen wären, wenn Witzig nicht "derart krass geschlampt und amtspflichtwidrig und amtsmissbräuchlich gehandelt hätte", schreibt Kessler in seiner Anzeige, die "pointiert formuliert" sei, wie er selber festhält.

Soweit Kesslers Recherchen reichten, sei die erste Strafanzeige gegen den betreffenden Hof bereits vor 30 Jahren eingegangen, damals noch gegen den Vater von Ulrich K. Auch der Nachfolger sei den Thurgauer Behörden "seit vielen Jahren als notorischer, uneinsichtiger, unverbesserlicher und mehrfach vorbestrafter Tierquäler bekannt". In diesem Zusammenhang kritisiert Kessler, dass nach der Verurteilung K.s im Jahr 2009 zu lange kein Tierhalteverbot ausgesprochen worden sei, obwohl dies der Gerichtspräsident nahegelegt hatte. Witzig habe den Tierquäler stattdessen weiter gewähren lassen. Das Tierhalteverbot sei erst Jahre später gekommen. "Dies allerdings nicht mit sofortiger Wirkung, sondern im ordentlichen Verfahren" und zudem "so dilettantisch", dass es das Bundesgericht aufhob. Auch deswegen sei Witzig "ganz direkt und persönlich" verantwortlich für das Tierleid auf dem Hof. Zudem habe er mit den Ankündigungen der Kontrollen auf dem Hof den Tierquäler "wissentlich und bewusst" geschützt. (jw)
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