PROZESS

Die Fahrbahn war schuld

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat einen Sportwagenfahrer freigesprochen, der im Quartentunnel mit zwei Kollegen zusammengestossen war.
17.07.2017 | 06:44
Reinhold Meier

Reinhold Meier

ostschweiz@tagblatt.ch

Der 51-jährige Mann war mit zwei Freunden und ihren insgesamt drei Sportwagen in Richtung Sargans unterwegs gewesen, als er einen Car überholen wollte. Beim Beschleunigen brach das Heck seines Wagens auf der rutschigen Fahrbahn aus. In der Folge schleuderte er erst nach links, dann nach rechts gegen den Randstein und rammte schliesslich den Car. Der erste der beiden nachfolgenden Sportwagen konnte noch abbremsen, der zweite nicht mehr. Dieser schob den mittleren Wagen ins erste Unfallfahrzeug. Alle Fahrezeuge wurden stark beschädigt. Es gab einen Sachschaden von über 100000 Franken. Zudem musste der Tunnel gesperrt werden, was zu entsprechendem Rückstau führte.

Die Anklage forderte eine Busse über 400 Franken wegen nicht angepasstem Tempo, die Verteidigung Freispruch. Pikant: Die Fahrbahn im Tunnel war schon vorher als ungewöhnlich rutschig bekannt, Zeitungen hatten sogar bereits darüber berichtet. Auch das Bundesamt für Strassen hatte schon Messungen vorgenommen und die Gefahr erkannt. Die Fahrbahn sei jedoch in allen Abschnitten sicher, selbst auf den am stärksten betroffenen Abschnitten, heisst es im einschlägigen Gutachten. Gleichwohl wurde die Strasse in der Zwischenzeit gründlich saniert.

Wie auf Glatteis durch Tunnel

Ein Video belegte noch am Tatort die ausserordentliche Rutschigkeit der Strasse. Zum Zeitpunkt des Zusammenpralls schlitterten die Unfallfahrer wie auf Glatteis durch den Tunnel. Das Gericht sprach den Angeklagten denn auch frei. Das Astra habe nur punktuell und etwa alle 100 Meter gemessen, hiess es. Am konkreten Unfallort sei die Autobahn jedoch extrem glitschig gewesen, so glitschig, dass auch bei vorsichtigster Fahrweise der Unfall nicht zu vermeiden war. Den Fahrer treffe somit keine Schuld. Den Staat kostet der Freispruch rund 10000 Franken. Der Mann darf sein Billett behalten. Das Urteil ist rechtskräftig.

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