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Wegen Kokainhandel und Diebstahl verurteilt: Ein Ex-Fremdenlegionär hofft auf letzte Chance als Kita-Betreuer

Ein Schweizer Drogenhändler und Einbrecher hofft vor dem Thurgauer Obergericht auf eine letzte Chance. Allerdings hat der ehemalige Söldner schon einmal eine letzte Chance gehabt.
11.04.2018 | 11:43
Thomas Wunderlin

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

Mit seinem schwarzen Anzug hat er sich den Juristen im Obergerichtssaal angepasst. Doch der 27-jährige Schweizer, der vom Bezirksgericht Frauenfeld im April 2017 wegen Kokainhandel, Diebstahl und Verkehrsdelikten verurteilt worden ist, hat weder ein Studium noch eine andere Ausbildung absolviert, mit deren Hilfe er seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte. Eine Kochlehre hatte er abgebrochen.

In der Fremdenlegion lernte er Raketenwerfer abzufeuern – keine Fähigkeit, die ihm noch etwas nützt, nachdem er den Dienst in der französischen Armee nach eineinviertel Jahren quittiert hatte. Doch nun hat er eine Lehre als Betreuer in einer Kindertagesstätte begonnen und hofft, das Thurgauer Obergericht reduziere das erstinstanzliche Urteil von 38 auf 24 Monate. Die Hälfte davon soll bedingt erlassen werden. Dann könnte der Kleindealer und Einbrecher die andere Hälfte in Halbgefangenschaft verbüssen und seine Lehre beenden. «Ich möchte die Chance ergreifen für meine Zukunft», sagt er. Das Obergericht wird sein Urteil schriftlich bekannt geben. Der heutige Kita-Lehrling hatte vier Stammkunden, denen er jeweils Kokain in Portionen von einem Gramm verkaufte. Laut Urteil des Bezirksgerichts handelte er 2012/2013 mit insgesamt 23,1 Gramm reinem Stoff. Im März 2013 wurde er in Frauenfeld erwischt, als er 30 Gramm Marihuana kaufen wollte. Drei Jahre später besorgte er sich 40 Gramm Kokain, wovon 14,4 Gramm rein waren. Nur einen Bruchteil davon hatte er schon verkauft, als ihm die Polizei das Pulver wegnahm. Ausserdem waren er und ein Kollege 2012 in eine Waffenhandlung eingebrochen, wo sie vier Pistolen und zwei Gewehre stahlen. Um hineinzugelangen, schlug er mit einem Stein ein bis zwei Stunden lang auf ein Fenster ein.
 

Kokainhandel per SMS eingeleitet

In der Verhandlung geht es vor allem darum, wie ernsthaft er sich Ende 2012 bemüht hatte, 200 Gramm Kokain zu kaufen. Nach seiner Darstellung hatte er sich nur zum Spass auf ein Angebot eingelassen, das ihm ein Kollege per SMS gemacht hatte.

Ein erstes Kita-Praktikum hatte der ehemalige Berufssoldat laut Staatsanwalt abgebrochen: «Das ist nicht seine Lebenswelt.» Der Staatsanwalt fordert, dass der Drogenhändler auch eine bedingte Vorstrafe vom Oktober 2012 von 12 Monaten absitzen muss. Das Bezirksgericht Frauenfeld hatte auf den Widerruf verzichtet, obwohl der Verurteilte schon im Dezember 2012 mit dem Drogenhandel angefangen hatte.

Die Vorstrafe stammte von einem Militärgericht, das den ehemaligen Söldner unter anderem wegen Tätlichkeiten, fremdem Militärdienst und Vergehen gegen das Waffengesetz schuldig sprach. «Von diesem hatte er eine letzte Chance erhalten», sagt der Staatsanwalt, «doch er kriegte die Kurve nicht.»

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