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Das sind die Ostschweizer Sesselkleber in Bundesbern

Der St. Galler CVP-Nationalrat Jakob Büchler kehrt mit 65 Bundesbern den Rücken. Spitzenreiter freilich sind andere - altersmässig wie amtszeitmässig. Doch die Frage nach dem Karrierenende drängt nicht bei allen gleich.
08.01.2018 | 05:19
Regula Weik

Regula Weik

regula.weik@tagblatt.ch

Ein Pensionsalter für Politiker gibt es zwar nicht. Trotzdem müssen sie sich ab 65 die lästige Rücktrittsfrage gefallen lassen. Einst bejubelte Hoffnungsträger, gelten sie heute als Sesselkleber, die frische Kräfte blockieren. Ein Blick auf die St.Galler, Ausser- und Innerrhoder Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Bern zeigt: Bei mindestens drei Vertretern drängt sich die Frage nach einem vorzeitigen Rücktritt auf. Einer hat dieser Tage eine Antwort gegeben: CVP-Politiker Jakob Büchler zieht sich Mitte März aus Bern zurück, Olma-Direktor Nicolo Paganini rückt für ihn nach (Ausgaben vom 4. Januar). «30 Jahre sind genug», sagt Büchler. So lange war er erst im kantonalen, dann im nationalen Parlament aktiv. «Die Belastbarkeit nimmt mit dem Alter ab.» Da dürfe man sich nichts vormachen.

Zeitgleich mit Büchler startete der Freisinnige Walter Müller als Nationalrat. Der Werdenberger hat dem CVP-Kollegen eines voraus: Er ist vier Jahre älter; Müller wird im Frühling 70. Der Frage nach dem Karrierenende ist er überdrüssig. Raphael Frei, Präsident der St.Galler FDP, sagt: «Die Bevölkerung weiss, wie alt ein Politiker ist, wenn sie ihn wählt.» Und: «Müller ist grundsätzlich für die volle Legislatur gewählt.» Wird der Druck auf ihn nach Büchlers Rücktritt grösser? «Sicher nicht von Parteiseite», sagt Frei. «Wir üben keinen Druck auf einzelne Mandatsträger aus, wir führen aber natürlich Gespräche.» Sollte Müller vorzeitig Adieu sagen, steht der St.Galler Anwalt und Kantonsrat Walter Locher in den Startlöchern, mit Jahrgang 1955 auch kein Jungspund mehr. Dass ihn die Tätigkeit in Bern reizt, ist kein Geheimnis. Dass dies nicht alle goutieren, auch nicht.

Der eine sagt es direkt, der andere indirekt

Auch SVP-Nationalrat Thomas Müller ist seit kurzem 65. «Kein Thema», antwortet Walter Gartmann, Präsident der St. Galler SVP, auf die Frage nach einem vorzeitigen Rücktritt des Rorschachers. «Wenn einer einen guten Job macht, spielt das Alter keine Rolle.» Müller sei «noch voll im Saft». Gartmann hält nichts davon, dass die Partei Druck ausübt – «das ist auch eine Frage des Respekts gegenüber den Gewählten». Er ist überzeugt: Wenn Müller 2019 nochmals antreten wolle, werde er ein gutes Resultat machen. Anders als bei der FDP würde ein «fliegender Wechsel» bei der SVP einen Generationenwechsel bedeuten: Erster Ersatz ist der 25-jährige Bernecker Kantonsrat Mike Egger.

Am meisten Ausdauer beweisen in Bern allerdings zwei andere: Toni Brunner, erst 43, sitzt bereits sein halbes Leben für die SVP im Nationalrat. Der Toggenburger peilt 2019 die siebte Amtsdauer an. Dies hat er vorsorglich schon mal geklärt. Ständerat Paul Rechsteiner (65), ist mit Wahljahr 1986 der dienstälteste Bundesparlamentarier überhaupt. In der St.Galler SP, die sonst klare Worte nicht scheut, ist seine Sesselkleberei auffallend kein Thema. Der Gewerkschafter ist parteiintern unbestritten, erst recht, seit er im Ständerat sitzt. Er selber hat sich zu einer allfälligen weiteren Amtsdauer noch nicht geäussert – mit der Übernahme des Vizepräsidiums der Sozialkommission die Antwort indirekt aber vorweggenommen.

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