INDOORSPIELPLATZ APPENZELLERPARK

Kind springt auf Hüpfburg bis an Decke und verletzt sich

Im Indoorspielplatz Appenzellerpark sprang ein Knabe so hoch, dass sich eine Deckenplatte löste. Das Kind wurde verletzt. Die Mutter erstattete Anzeige.
08.02.2018 | 05:19
Astrid Zysset

Astrid Zysset

ostschweiz@tagblatt.ch

«Er hatte grosses Glück», sagt A. H. aus Flawil erleichtert. Der Unfall hätte schlimmer ausgehen können. Eine grosse Narbe quer über der Stirn des zehnjährigen Lorans* zeugt davon, dass er «alle Engel bei sich hatte», wie sich die Mutter ausdrückt.

Am Samstag, 20. Januar, ging Loran mit seiner Familie und einem Freund in den Appenzellerpark nach Herisau. Spielen und toben wollten sie dort. Und: auf die Hüpfburg. «Mein Sohn liebt es, Trampolin zu springen», sagt A. H. Ein solches gibt es im Appenzellerpark zwar auch, doch die Knaben wollten den sogenannten «Wabbelberg», eine Art Hüpfburg mit einem Gupf in der Mitte ausprobieren. Doch da passierte es: Loran kletterte auf den höchsten Punkt, sprang und stiess an den Deckenplatten an. Eine löste sich aus der Verankerung und fiel zusammen mit dem Jungen auf die Matten. Das Resultat: Eine Rissquetschwunde am Kopf. Lorans Freund holte die Eltern zur Hilfe. Diese versuchten, den stark blutenden Knaben ruhigzustellen – und die anderen Kinder vom weiteren Hüpfen abzuhalten. Die Situation sei chaotisch gewesen, erinnert sich H. «Und ich wusste nicht, wie schlimm mein Kind verletzt war. Es weinte. Mein Mann zog das T-Shirt aus und wischte dem Kleinen das Blut aus den Augen.»
 

Die Narbe schmerzt noch immer

Loran wurde ins Kinderspital St. Gallen überführt. Dort wurde die Wunde genäht. Innere Verletzungen wurden keine festgestellt. Heute scheint alles verheilt. Fast zumindest. «Die Narbe schmerzt noch sehr stark. Darum kann er derzeit keinen Helm tragen», sagt die Mutter. Fahrrad fahren fällt für den Knaben bis auf weiteres aus – ebenso konnte er nicht in die Skiferien fahren.

A. H. hat nun Anzeige wegen Körperverletzung gegen den Betreiber des Appenzellerparks eingereicht. Die Ausserrhoder Kantonspolizei bestätigt auf Anfrage, dass sie Ermittlungen aufgenommen habe. Zur Diskussion stehe der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung.

Fast zwei Wochen nach dem Unfall ist die Mutter nach wie vor enttäuscht. Sie habe weder eine Entschuldigung erhalten noch ein Angebot, dass sich der Betreiber an den Kosten beteiligen würde. Die Rechnungen für den Krankentransport und die ärztliche Versorgung seien an sie gegangen. Und: Es sei für sie «unverständlich», wie man solch lose Platten oberhalb einer Hüpfburg befestigen könne.

Betreiber des Appenzellerparks ist Peter Kern. «Es ist immer schlimm, wenn ein Kind zu Schaden kommt», sagt er. Ein Unfall habe sich im Appenzellerpark bis anhin noch nie ereignet. Für alle Spielgeräte lägen Sicherheitsbescheinigungen vor. Und man habe sogar mehr Aspekte beachtet, als vom Hersteller des Wabbelbergs vorgeschrieben waren. «Es ist mir nach wie vor unerklärlich, wie ein Knabe so hoch springen kann. Eine Hüpfburg ist kein Trampolin, die Rückfederung somit nicht gegeben.» Kern spricht davon, dass der Junge ein «ausgewiesener Sprungexperte» gewesen sein muss, da er – wie auch der Hersteller – noch nie jemanden auf dem «Wabbelberg» dermassen hoch habe springen sehen.
 

Deckenplatte wurden nun angeschraubt

Den Unfall haben die Betreiber auf Video. Dieses wurde der Polizei übergeben. Doch warum haben sich Kern oder seine Mitarbeitenden nie bei der Mutter gemeldet? «Wir hatten kurz nach dem Unfall angerufen und uns nach dem Befinden des Jungen erkundigt.» Die Erleichterung, dass nichts Schlimmeres passiert war, sei gross gewesen.

Aber: «Das Gespräch war sehr emotional», erinnert sich Kern. Darum habe er entschieden zu warten, bevor er sich wieder melde. «Am Montagnachmittag stand es auf meiner Pendenzenliste.» Am Mittag war dann aber bereits die Polizei im Hause. «Dem Vorwurf der Beeinflussung wollte ich mich nicht aussetzen. Darum habe ich aus verfahrenstechnischen Gründen keinen Kontakt mehr aufgenommen.»

Man wolle aber ein positives Zeichen setzen. Kern: «Dass wir die Kosten des Spitals übernehmen, falls diese nicht von der Versicherung bezahlt werden, ist klar – auch wenn wir der Ansicht sind, dass wir nicht für den Unfall verantwortlich sind und die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Der Junge sprang mehrfach so hoch. Da hätte vorher interveniert werden müssen.» Die Deckenplatte wurde am Abend nach dem Unfall fix befestigt. Sie wurde so verschraubt, dass sie sich nicht mehr lösen kann. Kern: «Jetzt kann nichts mehr passieren.»

*Name der Redaktion bekannt

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