APPENZELL

"Es braucht keine Bettenstation": Spitalgegner planen Rückweisungsantrag

Die Gruppe "AVZ mit Perspektive" schlägt den Bau eines Ambulanten Versorgungszentrums ohne Bettenstation vor. Dazu will sie an der Landsgemeinde einen entsprechenden Antrag stellen.
17.04.2018 | 12:48
Aktualisiert:  17.04.2018, 18:00
Jesko Calderara
Die Kreditvorlage über 41 Millionen Franken für ein Ambulantes Versorgungszentrum Plus (AVZ+) soll an der Landsgemeinde zurückgewiesen werden. Diesen Antrag wird eine Gruppierung aus Fachleuten des Gesundheitswesens und Politikern stellen. Dieser gehören unter anderem die Grossräte Martin Breitenmoser, Jakob Signer, Monika Rüegg Bless und Karl Schönenberger an. Auch Ärzte wie Renzo Saxer und Kurt Ebneter engagieren sich gegen das geplante Spitalprojekt.
 

"Angemessene, schlanke Notfallversorgung"

Am Dienstag stellte die Arbeitsgruppe "AVZ mit Perspektive" an einer Pressekonferenz ihre Vorschläge vor. Mit der Rückweisung ist demnach ein Auftrag an die Standeskommission verbunden, ein Alternativprojekt auszuarbeiten. Das Komitee schlägt den Neubau eines Ambulanten Versorgungszentrums mit einer angemessenen, schlanken Notfallversorgung vor. Diese hätte die Aufgabe, Erstbeurteilungen und Erstversorgungen vorzunehmen. Zudem könnten in einem solchen AVZ Räumlichkeiten für Hausärzte- und Spezialärztepraxen, Labor und Röntgen geschaffen werden. Auch ein Rettungsstützpunkt wäre Teil dieser medizinischen Grundversorgung.
 

Zwei Jahre bis zu einer neuen Vorlage

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe wollen zudem das AVZ mit einem Angebot für die Übergangspflege erweitern. Dieses ist für betagte Patienten vorgesehen, bis sie nach einer Operation wieder selbstständig zu Hause leben können. "In Innerrhoden fehlen Betten für die Übergangspflege", sagte Saxer. Zumal der durchschnittliche Spitalaufenthalt laufend abnehme. Gemäss den Initianten hat ein Ambulantes Versorgungszentrum verschiedene Vorteile. Es wäre im Bau und Betrieb kostengünstiger als ein Spital mit stationärem Teil, sagte Signer. Die Arbeitsgruppe rechnet damit, dass es nach einer Rückweisung des Geschäfts ungefähr zwei Jahre dauern würde, bis eine neue Vorlage auf dem Tisch liegt. Eine Zusatzschlaufe sei für den Kanton aber besser als ein Fehlentscheid, sagte Schönenberger.
 

"Es braucht keine Bettenstation"

Unbestritten ist für die Gegner von "AVZ+" der Handlungsbedarf beim bestehenden Spitalgebäude. Eine Bettenstation brauche es jedoch nicht, betonte Ebneter. Nach Meinung der Arbeitsgruppe sprechen verschiedene Entwicklungen im Gesundheitswesen dagegen. Immer mehr Operationen könnten ambulant durchgeführt werden, sagte Saxer. Er verwies in diesem Zusammenhang auf einen Entscheid des Bundes. Demnach wird die Liste der stationären Eingriffe ab 2019 um sechs Operationen gekürzt. Signer und Schönenberger äusserten finanzpolitische Bedenken gegen das Vorhaben "AVZ+". Sie zweifeln die vorliegende Planerfolgsrechnung an. Signer warnte vor zusätzlichen Belastungen für den Steuerzahler.
 
Weitere Artikel