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Das Appenzellerland auf der Suche nach mehr Tagestouristen

Eine Studie belegt, dass die touristische Wertschöpfung in Appenzell Ausserrhoden über die vergangenen zehn Jahre abgenommen hat. Insbesondere die Übernachtungen gingen zurück. Ein besonderes Augenmerk soll jetzt dem Tagestourismus gelten.
16.04.2018 | 05:17
Bruno Eisenhut

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut@appenzellerzeitung.ch

Hotel Walzenhausen, Hotel Park oder Pension Nord (beide Heiden). Diese Adressen haben etwas gemeinsam: Ihre Türen sind bis auf weiteres geschlossen. Und sie tragen somit zur negativen Entwicklung der Hotel-Logiernächte in Appenzell Ausserrhoden bei. Waren es im Jahr 2008 noch rund 160'000 Übernachtungen pro Jahr, sind es im Jahr 2016 noch rund 123'000 gewesen. Ein Minus von rund 23 Prozent.

Eine Studie der HTW Chur zur Wertschöpfung des Ausserrhoder Tourismus brachte diese Zahlen hervor. Für Monika Bodenmann, Präsidentin des Tourismus-Verwaltungsrats lediglich eine Bestätigung ihrer Vermutung. «Ich bin darüber nicht überrascht», sagt sie. Um die Übernachtungen wieder steigern zu können, sei man auf neue Ideen und auf gut funktionierende Hotelbetriebe angewiesen. Laut Studie ist der Rückgang der Logiernächte hauptsächlich in den Jahren 2009 bis 2012 erfolgt. Seither seien die Übernachtungen mehr oder weniger stabil, heisst es in der Studie.
 

Verlust bei Logiernächten schmerzt

Die im Reka-Feriendorf Urnäsch generierten Logiernächte sowie Übernachtungen in neuartigen Übernachtungsformen wie beispielsweise «airbnb» (Vermietung von Zimmer, Wohnungen und Häuser durch Privatpersonen) sind in der HTW Chur nicht abgebildet. Die Verfasser gehen davon aus, dass Ferienwohnungen und Bed-and-Breakfast-Betriebe mit rund 20'000 Logiernächten pro Jahr nicht unwesentlich für die touristische Wertschöpfung verantwortlich sind. Der Verlust der Logiernächte schmerzt insofern, da laut Studie ein Hotelgast täglich zwischen 146 und 167 Franken ausgibt. Dies führte zu einer tieferen direkten und indirekten touristischen Wertschöpfung in Appenzell Ausserrhoden.
 

Unabhängig von der Studie: Strategie wird hinterfragt

Gegenüber der Situation in der Hotellerie ist die Entwicklung bei den Tagesgästen positiv. Gemäss Schätzungen hat sich dieser Bereich gegenüber 2008 um rund vier Prozent gesteigert. Insgesamt dürften im Jahr 2016 gut 1,5 Millionen Tagesgäste Appenzell Ausserrhoden besucht haben, während es 2008 noch 1,45 Millionen Tagesgäste waren. Entsprechend hat auch die Bedeutung der Tagesgäste für die touristische Wertschöpfung zu-genommen. Gemäss den Erhebungen wurden im Jahr 2016 etwa zwei Drittel der direkten Wertschöpfung von den Tagesgästen ausgelöst, während ein Drittel der direkten Wertschöpfung von den Übernachtungsgästen ausging.

Diese Entwicklung ist auch Verwaltungsratspräsidentin Monika Bodenmann nicht entgangen. Die Hotel-Logiernächte lasse man auf keinen Fall aus den Augen, aber «wir konzentrieren uns in Zukunft natürlich auch auf den Tagestourismus.»

Die Erkenntnisse aus der Studie werde der Verwaltungsrat auch miteinfliessen lassen, wenn er sich in Bälde über die eingeschlagene Strategie Gedanken macht. Unabhängig vom Studienergebnis sei geplant gewesen, die aktuelle Strategie in regelmässigen Abständen kritisch zu hinterfragen und auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Vor einigen Jahren legte der Verwaltungsrat die strategischen Geschäftsfelder «Wandern», «Lebensart (Brauchtum)», «Gesundheit» sowie «Seminare & Events» als solche fest. Kürzlich sprach sich auch der Kantonsrat erneut für diese Strategie aus indem er die Leistungsvereinbarung mit der Appenzellerland Tourismus AG von 2018 bis 2021 mit jährlich 390'000 Franken für kollektive Aufgaben zu Gunsten der Tourismusdestination verlängerte. Auch die kantonale Finanzhilfe 2018 bis 2020 für die strategischen Geschäftsfelder «Lebensart» (630'000 Franken) und «Wandern» (750'000 Franken) wurde gutgeheissen.
 

Alternative Erlebnisse gesucht

Ob den rückgehenden Übernachtungen und dem aufkommenden Tagestourismus sieht Monika Bodenmann eine Chance für Ausserrhoden. Die geschätzten 20'000 Logiernächte in Übernachtungen in Ferienwohnungen und Bed-and-Breakfast-Betrieben dürfe man nicht als Konkurrenz zu den Hotelleriebetrieben sehen, so die Verwaltungsratspräsidentin. Viel mehr müsse man diese Anbieter mit ins Boot holen. Bodenmann prognostiziert nämlich, dass sich dieses Angebot noch weiter ausbauen lässt. In Appenzell Ausserrhoden lasse sich ein Trend nach Ferien dieser Art ablesen. Abenteuer, die nicht der 0815-Norm entsprechen, würden von den Gästen vermehrt gesucht, sagt Monika Bodenmann.

Ihre Aussage untermauert sie mit dem Beispiel des Null-Sterne-Hotels von vergangenem Sommer. Die innert Kürze ausgebuchte Reservationsliste zeige deutlich, dass Gäste bereit sind, 280 Franken für eine besondere Übernachtung zu bezahlen - unter freiem Himmel notabene. Erforderlich ist demnach ein Angebot von alternativen Erlebnissen. «Weg von der Norm», laute die Devise, so Verwaltungsratspräsidentin Monika Bodenmann. Sie schiebt nach: «Auch im 2018 werde die kantonale Tourismusorganisation ATAG ein neues, innovatives Übernachtungsangebot präsentieren.» Mit solchen Angeboten könnte die Bedeutung des Tourismus im Kanton wieder zunehmen. Seit 2008 hat diese für Appenzell Ausserrhoden leicht abgenommen. Gesamthaft beträgt der Anteil der touristischen Wertschöpfung an der Gesamtwertschöpfung im Kanton laut Studie heute 2,4 bis 3,7 Prozent, während er im Jahr 2008 3,2 bis 4,6 Prozent betrug. Die touristische Wertschöpfung hat damit gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2008 um etwa 15 Prozent abgenommen. Monetär beträgt die Wertschöpfung der Ausserrhoder Tourismusbranche zwischen 38 und 58 Millionen Franken.

 

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