SPEICHER

Ein Favorit ist nicht auszumachen

Die drei Kandidaten für das Gemeindepräsidium stellten sich den Fragen der Bevölkerung. Unterschiedliche Meinungen vertraten sie jedoch kaum.
09.02.2018 | 05:19
Astrid Zysset

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

Klare unterschiedliche Positionen sind bei den Kandidaten nicht auszumachen. Lediglich feine Nuancen. Am Mittwoch fand im Buchensaal ein Podium zur Wahl zum neuen Gemeindepräsidenten statt. Die drei Kandidaten Roland Fischer, Ruedi Herzig und Paul König stellten sich den Fragen des Moderators Christof Chapuis und des Publikums. In einem Programmteil konnten sie mit Kärtchen ihre Zustimmung oder Ablehnung zum Ausdruck bringen. So stellte sich heraus, dass Herzig gegen die Anschaffung neuer Jets für die Armee ist sowie die Legalisierung von Cannabis ablehnt. Die anderen stimmten jeweils gegenteilig. Fischer sprach sich dafür gegen den Ausbau der Möglichkeit aus, die Verwaltung online kontaktieren zu können. Einigkeit bei allen Dreien herrschte darüber, dass eine Steuersenkung in Speicher derzeit keine Option ist.

Ansonsten waren abweichende Ansichten kaum zu erkennen. Das Ärztehaus, das im Zentrum entstehen soll, befinden alle für notwendig. Fischer sprach gar von einem «sensationellen Projekt». In puncto Standortmarketing sei in den letzten Jahren genügend getan worden, der Zuzug neuer Detailhändler wie die Migros werde begrüsst, und Speicher verfüge über eine gute Ausgangslage für die Bedürfnisse der älteren Generation. «Wir müssen aber diskutieren, was es in Zukunft im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung noch braucht», so König. Bezüglich Bauprojekt Unterdorf waren sich König und Fischer einig, dass die Kommunikation seitens der Projektverantwortlichen unzureichend ist. «Unbefriedigend» sei der Umstand, dass die letzte Information vom März 2017 stamme, so Fischer. «Das Thema brennt doch der Bevölkerung unter den Nägeln!» Herzig selbst äusserte sich nicht zur Thematik, da seine Frau in einer Kommission arbeitet, die mit dem Projekt Unterdorf in Zusammenhang steht. Stellung beziehen konnte Herzig auch nicht zum aktuellen Postauto-Finanzskandal. Was denn seine Rolle diesbezüglich sei, wollte einer der anwesenden Bürger wissen. «Ich hatte befürchtet, dass diese Frage kommt», so der Leiter der Betriebsstelle St. Gallen der Postauto Region Ostschweiz. «Ich kann in meiner jetzigen Funktion nicht steuern, wohin das Geld geht.» Er habe mit den Schlagzeilen der letzten Tage nichts zu tun. Fischer musste sich den Vorwurf gefallen lassen, er habe bei den Wahlen vor drei Jahren, als eine Vakanz im Gemeinderat vorherrschte, gesagt, dass er eher Interesse an der Legislative hat und darum den Kantonsrat vorzieht. Fischer dementierte. «Aus zeitlichen Gründen hatte ich mich für den Kantonsrat entschieden», sagte er. Und heute sei er froh darum, da er gut vernetzt ist. Auch König geriet unter Beschuss: Wie er denn wissen könne, was in Speicher laufe, wenn er in Aadorf wohnt. König betonte, dass er viele Kontakte in der Gemeinde pflege und dabei werde über das «politische Bild» gesprochen. «Und eine unabhängige Aussensicht tut da ganz gut», doppelte König nach. Da könne anders diskutiert werden.

Wer tritt ab und zu ins Fettnäpfchen?

Diese Aussenseiterrolle bedinge allerdings auch, dass er ab und zu in ein Fettnäpfchen treten werde, wenn er gewählt würde. «Zumindest, bis ich die Strukturen innerhalb der Gemeinde kenne.» Herzig dazu: «Auch in meinem jetzigen Job bin ich schon ins eine oder andere Fettnäpfchen getreten. Daraus lernt man.» Nur, wenn man mehrfach ins Gleiche tritt, sei das «blöd». Eine klare Vision, wie sich Speicher entwickeln soll, hatte keiner der drei Kandidaten. Ein moderates Wachstum werde angestrebt. König möchte im Rahmen einer Zukunftswerkstatt die Bevölkerung befragen, wie sie die Entwicklung sieht. Herzig möchte Ideen aufnehmen, sodass Speicher «so gut bleibt wie heute – oder sogar noch besser wird.» Und Fischer will sich dafür stark machen, dass die Gemeinde nicht zum Schlafdorf verkommt. Darum soll im Zentrum auch ein Treffpunkt entstehen.

Hinweis

Die Ersatzwahl für den aus Altersgründen zurücktretenden Peter Langenauer findet am 8. April statt.

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