WALD

Auf den Spuren von Emma Kunz

Athene Galiciadis, Stipendiatin der Schlesingerstiftung, spricht im Atelierhaus Birli über ihr Buchprojekt. Dieses handelt von der Heilpraktikerin Emma Kunz. Eine Frau, mit der sich Galiciadis verbunden sieht.
12.04.2018 | 05:20
Hanspeter Spörri

Hanspeter Spörri

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Emma Kunz (1892 – 1963) ist eine der Inspirationsquellen von Athene Galiciadis. Die Zürcher Künstlerin mit Jahrgang 1978, die zur Zeit im Atelierhaus der Schlesingerstiftung im Weiler Birli der Gemeinde Wald arbeitet, beschäftigte sich immer wieder mit Kunz, die sich selbst als Forscherin sah und nach Erkenntnissen über die Gesetzmässigkeiten des Lebens und der Natur strebte. Weil sie auch als Heilerin tätig war, zog sie 1951 der liberalen Gesetzgebung wegen ins Appenzellerland, um in Waldstatt ungehindert Patientinnen und Patienten behandeln zu können. Internationale Berühmtheit erlangte Emma Kunz erst nach ihrem Tod. Die symmetrischen Zeichnungen auf Millimeterpapier, die sie mit Hilfe des Pendels schuf, wurden und werden wegen ihrer rätselhaften Schönheit und Ausstrahlung in zahlreichen Museen gezeigt. Das ist erstaunlich, denn Kunz verstand sich gar nicht als Künstlerin – die Zeichnungen dienten ihr lediglich als Mittel zum Erkenntnisgewinn über Zeit und Raum, über den menschlichen Geist und das Leben.

Das rätselhafte Wesen der Zeit, in welche die menschliche Existenz eingebunden ist, beschäftigt auch Athene Galiciadis. Kunst ist für sie ein Weg der Auseinandersetzung mit Welt- und Menschenbildern, eine Art Übersetzungshilfe für unterschiedliche Ausdrucksweisen. Das Buch, das sie nun mit computertechnischer Unterstützung ihres Künstlerfreunds Vinzenz Meyner vorbereitet, wird im Sommer in der Edition Patrick Frey erscheinen. Die Arbeit dazu ist noch im Gang, und genau deshalb interessiert sich «Le Foyer – in Process» dafür. Das ist eine «mobile Geschprächsplattform», die laut eigenem Bekunden an «Orte des gegenwärtigen Kunstgeschehens» reist, um «mit Künstler/innen und ihren Gästen über Arbeitsprozesse und ihre aktuelle Recherchen zu sprechen». Im Brennpunkt stehe dabei das, was im Entstehen begriffen sei, das Unfertige. Das öffentliche Gespräch im Atelierhaus Birli findet am kommenden Samstag um 15 Uhr statt.

Galiciadis wurde in Altstätten geboren, wo ihre aus Ungarn geflüchteten Eltern im Asylheim untergekommen waren. Sie besuchte das Lyceo Artistico, ein Kunstgymnasium in Zürich, studierte dann an der Zürcher Hochschule der Künste und an der Ecal in Lausanne. Sie habe immer nur Künstlerin werden wollen, sagt sie: «Und ich hatte Glück. Ich kann von der Kunst leben, obwohl es schwieriger geworden ist, viele Kunstgalerien schliessen mussten. Meine existiert immer noch.»

Das Irrationale als Aspekt des Rationalen

Auf ihren Spaziergängen – während eines Jahres nun im Appenzellerland – sammelt sie Muster und Formen aus Architektur und Natur, derer sie sich später in ihren Arbeiten als eine Art Werkzeug bedienen wird. Und immer wieder beschäftigt Galiciadis der Zusammenhang von Wissenschaft und Spiritualität, von Vernunft und Religion. Auch da fühlt sie sich Emma Kunz eng verbunden, die das sogenannt Irrationale als Aspekt des Rationalen verstand. Auch in der Wissenschaft sei man auf Modelle, Theorien, Bilder angewiesen. Die Wirklichkeit sei die grösste Herausforderung, weil man immer nur Teile von ihr überblicke und wahrnehme.

Hinweis

Das öffentliche Gespräch zwischen der Künstlerin Athene Galiciadis und «Le Foyer – in ­Process», im Atelierhaus Birli findet am kommenden Samstag um 15 Uhr statt.

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