• Das Amt hätte Inge Schmid (SVP) sehr gefreut Es wäre eine neue Herausforderung gewesen, wie die 56-Jährige sagt.
    Das Amt hätte Inge Schmid (SVP) sehr gefreut Es wäre eine neue Herausforderung gewesen, wie die 56-Jährige sagt. (Ralph Ribi)
20.03.2017 | 05:39

«Mehrheit der Wähler wollte keine Frau in der Regierung»


HERISAU ⋅ Im zweiten Wahlgang für den Ausserrhoder Regierungsrat hat sich Dölf Biasotto gegen Inge Schmid (SVP) und Peter Gut durchgesetzt. Für SVP-Politikerin Schmid sind die Gründe schwierig zu finden.

Inge Schmid wirkte gefasst, als sie als Letzte der drei Kandidierenden für den freiwerdenden Regierungsratssitz im Wahlstübli des Ausserrhoder Regierungsgebäudes erschien.

Die Gemeindepräsidentin von Bühler belegte mit fast 800 Stimmen Rückstand auf den zweitplatzierten Peter Gut abgeschlagen den dritten Platz. «Das Amt hätte mich sehr gefreut, es wäre eine neue Herausforderung gewesen», sagt die 56-Jährige. «Aber es hat nicht sein sollen.» Sie mache den Job als Gemeindepräsidentin und denjenigen als Präsidentin der Ausserrhoder Gemeindepräsidentenkonferenz sehr gerne. «Es war schon hinsichtlich der Regierungsratskandidatur ein Abwägen, ob ich das aufgeben will oder nicht», so die SVP-Politikerin.

Zum zweiten Wahlgang angetreten ist sie, weil der Rückstand auf den zweitplatzierten Peter Gut beim ersten Wahlgang lediglich rund 300 Stimmen betragen hatte. Das schien ihr aufholbar. Im Vorfeld des zweiten Wahlgangs zeigte sich Inge Schmid denn auch überzeugt, Boden dazugewonnen zu haben. Einer breiteren Öffentlichkeit ist Schmid durch die Änderung ihres Wahlslogans aufgefallen. Beim ersten Wahlgang hatte sie noch als «Unser Mann für Ausserrhoden» von den Plakaten gelächelt und mit dieser Kampagne national Beachtung in den Medien erreicht. Für den zweiten Wahlgang entschied sie sich für den Slogan «Damenwahl ins Männerquartett».

Ob parteipolitische Überlegungen für ihre Nichtwahl ausschlaggebend waren, will Inge Schmid nicht ausschliessen, die Gründe seien schwierig zu finden. Eines scheint ihr klar zu sein: «Die Mehrheit der Wähler wollte keine Frau in der Regierung.» Sie müssten nun ­parteiintern eine Analyse des gesamten Wahlprozederes machen, so Schmid. Ein drittes Mal für eine Regierungsratswahl anzutreten schliesst sie ganz klar aus. Die Partei wird sich also im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahl im Frühjahr 2019 etwas einfallen lassen müssen. SVP-Kantonalpräsident Anick Volger zeigt sich enttäuscht vom Wahlresultat. Er blickt aber schon wieder voraus: «Für uns steht im Vordergrund, den Sitz von Köbi Frei, dessen Amtsdauer dann abgelaufen sein wird, zu halten.»

Der Zweitplatzierte der Wahl, Peter Gut, ist froh, dass die aufwendige Zeit des Wahlkampfs vorbei ist. Er habe ­damit gerechnet, dass Dölf Biasotto ge­winne, sagt der 59-Jährige am Wahltag. «Überrascht hat mich, dass sich der Unterschied zu Inge Schmid deutlich zu meinen Gunsten vergrössert hat.» Den Grund dafür kenne er nicht. «Möglicherweise haben Wähler von Inge Schmid zu mir gewechselt.» Rund 1600 Stimmen beträgt der Abstand zum Wahlsieger. Wir haben uns mit dem Wahlkampf Mühe gegeben bis zum Schluss.» Über 50 000 Franken hat sein Wahlkampf gekostet. Während gemäss einer Faustregel Kandidaten einen Drittel selber bezahlen, war es beim Parteiunabhängigen Peter Gut knapp die Hälfte, den Rest finanzierte er über Spenden. «Dass ich als Parteiunabhängiger ein so gutes Resultat erreicht habe, zeigt, dass Unabhängigkeit für viele Leute im Kanton eine ­Alternative ist», so Peter Gut. Er bereut nicht, zur Wahl angetreten zu sein. «Ich hatte schöne Erlebnisse und habe Unterstützung von Leuten erfahren, mit denen er nie gerechnet hätte.» Im Wahlkampf habe er aber auch die unangenehmen Seiten erlebt. «Es war als Lebensschule hochinteressant.» Zu den Gesamterneuerungswahlen noch einmal anzutreten schliesst er aufgrund seines Alters aus. «Jetzt wäre es noch gegangen, in zwei Jahren ist es zu spät.»

 

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

 

Kommentare
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geschrieben am 20.03.2017 09:54 | von frieda

Wenn die AR-WählerInnen prinzipiell keine Frau in der Regierung wollten, hätten sie wohl kaum vor Jahren die jetzt zurücktretende Marianne Koller gewählt. Viel naheliegender ist, dass die WählerInnen keine zweite SVP-Vertretung in der Regierung wollten.

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So sehe ich das auch.
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geschrieben am 20.03.2017 11:50 | von snowy146

Das Klischee, dass die Appenzeller von gestern sind und Fraun nicht in der Regierung wollen ist bemühend.

Es ging primär um den Ersatz eines FDP Kandidaten - Punkt.

Und das die meisten nicht noch mehr SVP wollen, ist wohl naheliegender.

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Kommentar zu: «Mehrheit der Wähler wollte keine Frau in der Regierung»
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geschrieben am 20.03.2017 14:53 | von frieda

...aber besonders bemühend ist die Anwendung dieses Frauen-Klischees durch eine Ausserrhoderer Regierungsratskandidatin, wenn sie nicht gewählt wurde...

antworten
Kommentar zu: «Mehrheit der Wähler wollte keine Frau in der Regierung»
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geschrieben am 20.03.2017 15:28 | von Giovanni56

Ganz kurz gesagt: Die Frau hat leider die falsche Partei gewählt.

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