• In der Ostschweiz gibt es einige Privatschulen.
    In der Ostschweiz gibt es einige Privatschulen. (Urs Jaudas)
18.03.2017 | 14:05

Zwei mal drei macht überall sechs


PRIVATSCHULEN ⋅ In der Ostschweiz besuchen vergleichsweise wenig Schüler eine Privatschule. Dabei gibt es in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden einige - mit unterschiedlichen Profilen, aber denselben Vorgaben.

Katharina Brenner

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

Lehrer an Ostschweizer Privatschulen können nicht zwei mal drei macht vier unterrichten. Sie müssen sich am Lehrplan der Volksschule orientieren. Und die Kriterien, um eine Privatschule zu eröffnen, sind streng. Im Kanton St. Gallen gibt es 29 Privatschulen, im Thurgau 16 und in Appenzell Ausserrhoden 3. In Appenzell Innerrhoden gibt es keine; das Schulgesetz würde dies aber zulassen. Im Kanton St. Gallen und im Thurgau besuchen rund zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Privatschule, in Appenzell Ausserrhoden ist der Anteil noch geringer.

Es gebe vergleichsweise wenig Privatschulen in diesen Kantonen, da sie eher ländlich geprägt seien, sagt Markus Fischer, Generalsekretär des Verbands Schweizerischer Privatschulen. Spitzenreiter ist Genf. Dort besuchen rund 18 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Privatschule. Der Grund dafür seien die vielen internationalen Organisationen und Unternehmen im Raum Genf, sagt Fischer. «In diesem Umfeld bevorzugen viele Eltern für ihre Kinder eine angelsächsische Ausbildung.» Das Schulsystem bleibt für diese Kinder dann dasselbe – egal in welchem Land Mami oder Papi gerade eine Kaderfunktion besetzen. Als Hauptgründe, weshalb Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken, nennt Fischer ein internationales Umfeld, Mehrsprachigkeit und Informatik, aber auch alternative päd­agogische Modelle, ein religiöses Profil, schlechte Erfahrungen mit Lehrern und Mitschülern an öffentlichen Schulen oder besondere Bedürfnisse der Kinder. Diese Zusammenfassung deckt sich mit dem Angebot der Ostschweizer Privatschulen. Im Kanton St. Gallen stehen vier Privatschulen unter religiöser Leitung, zahlreiche sind reformpädagogisch ausgerichtet, andere international.

«Die Anzahl der Privatschulen im Kanton St. Gallen nimmt tendenziell zu», sagt Alexander Kummer, Leiter des Amts für Volksschule im Kanton St. Gallen. Während es einige Jahre ruhig gewesen sei, stelle er in den letzten Jahren eine Zunahme an Gesuchen fest. «Aber nicht jedes Gesuch, welches beim Bildungsdepartement eintrifft, hat automatisch die Eröffnung einer neuen Privatschule zur Folge.» In der Vergangenheit seien Gesuche abgelehnt worden, weil die Finanzierung für einen dauernden, der öffentlichen Schule gleichwertigen Unterricht nicht gesichert war, die Räumlichkeiten nicht den Vorgaben entsprachen oder genügend Schüler fehlten. Ob aktuell Gesuche hängig sind – dazu möchte sich Kummer nicht äussern.

Im Thurgau hätte es in letzter Zeit keine Anfragen für die Eröffnung einer Privatschule gegeben, sagt Martin Kressibucher vom Amt für Volksschule. In den fünf Jahren, die er im Amt sei, habe der Kanton keine Pläne für Privatschulen abgelehnt. In Ausserrhoden habe es in den vergangenen Jahren zwei unverbindliche Gespräche mit Interessenten gegeben, sagt Alexandra Schubert, die im Amt für Volksschule und Sport in Herisau die Privatschulen betreut. Ein Konzept hätte dezentrales Lernen ohne Schulgebäude vorgesehen. Es wäre letztlich um häuslichen Unterricht und nicht um eine Privatschule gegangen, sagt Schubert. Das Verhältnis zu den bestehenden Privatschulen im Kanton sei sehr gut. Es gebe einen Austausch und die öffentlichen Schulen würden von Konzepten der Privatschulen lernen, etwa beim Lernen in Niveaugruppen.

Elternbeiträge möglichst niedrig halten

Momentan ist ein Gesuch für eine neue Privatschule hängig im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Der Verein läbe, lärne, lache möchte eine Privatschule eröffnen, er hat Gesuche in den Kantonen Ausserrhoden und St. Gallen eingereicht (die «Ostschweiz am Sonntag» berichtete). «Wir sind mitten im Bewilligungsverfahren», sagt Andrea Eggenberger, Vorstandsmitglied des Vereins. Es gebe noch Punkte, die in Diskussion sind. Ziel des Vereins sei es aber, diesen Sommer mit dem Unterricht zu starten. Alexandra Schubert sagt, dies sei der Wunsch der Gruppe; zuerst müssten aber alle Auflagen erfüllt werden. Angesprochen auf die Hauptunterschiede zu öffentlichen Schulen sagt Andrea Eggenberger vom Verein läbe, lärne, lache: «Es ist eine freie Schule mit demokratischen Strukturen, junge und ältere Schüler werden gemeinsam lernen.» Der Verein möchte Unterricht vom Kindergarten bis zur Oberstufe anbieten. Die Informationsveranstaltungen hätten rund 70 Eltern und Interessierte besucht. Der Verein zähle etwa 100 Mitglieder, die ihn ideell und finanziell unterstützen. «Momentan, in der Vorbereitungsphase, erhält der Verein Unterstützung von einer Stiftung», sagt Eggenberger. Sie seien mit weiteren Stiftungen in Kontakt, um das Schulgeld später niedrig zu halten. Ohne diese Hilfe sei durchschnittlich mit knapp 1000 Franken Schulgeld pro Kind und Monat zu rechnen.

Denn auch das ist ein Aspekt von Privatschulen: Die Eltern zahlen Schulgeld. Die Höhe dieser Beiträge unterscheidet sich stark von Schule zu Schule, teilweise aber auch innerhalb einer Schule. Gemäss Elisabeth Anderegg, Schulleiterin der Rudolf-Steiner-Schule St. Gallen Wil, zahlen Eltern dort abhängig vom Einkommen zwischen 850 und 2000 Franken pro Monat und Kind. Besuchen ­mehrere Geschwister die Schule, gibt es Vergünstigungen.

Die Kantone entscheiden zwar, ob eine Privatschule bewilligt wird, sie unterstützen diese aber nicht finanziell. Eine gesicherte Finanzierung ist deshalb entscheidend für den Erfolg eines Gesuchs. Allerdings gibt es Privatschulen, die Geld von staatlicher Seite erhalten. Ein Beispiel dafür ist die Mädchensekundarschule St. Katharina in Wil. Die Kathi Wil wurde 1912 gegründet und gilt als älteste Privatschule im Kanton St. Gallen. Obwohl es sich um eine Privatschule handelt, zahlen die Schülerinnen aber kein Schulgeld. Möglich wird dies durch einen Vertrag, den die Kathi Wil mit der Schulgemeinde Wil geschlossen hat.

Nur in bestimmten Fällen eine Konkurrenz

Ob und in welchem Umfang öffentliche Schulträger im Kanton St. Gallen Privatschulen unterstützen, entscheiden sie selbst. Dasselbe gilt im Thurgau. Hier macht der Kanton aber bei der Nationalen Elitesportschule (NET) in Kreuzlingen eine Ausnahme. Der Kanton unterstütze Eltern, deren Kinder Topsportler und an der NET sind, sagt Martin Kressibucher vom Thurgauer Amt für Volksschule. Wie Alexandra Schubert aus Ausserrhoden sagt auch Kressibucher, dass die Privatschulen keine Konkurrenz für die öffentlichen Schulen seien. Und Alexander Kummer vom Amt für Volksschule in St. Gallen sieht sie «durchaus als Bereicherung in der Bildungslandschaft». Eine Einschränkung macht er aber: Wenn Privatschulen «nur ein ­bestimmtes Segment der Schülerschaft beschulen». Als Beispiele nennt Kummer einen bestimmen Oberstufentypus, Begabtenförderung oder geschlechter- getrennten Unterricht.

Kommentare
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geschrieben am 18.03.2017 12:02 | von amul

Der grosse Run auf die Privatschulen wird dann einsetzen, wenn LP21 grossflächig eingeführt ist, wenn Eltern realisieren, dass sie nun den Lehrer-Job aufgedrückt bekommen haben : Grundlagen ergoogeln weil die Schulbücher miserabel sind- ausdrucken - erklären - Aufgaben herunterladen - schauen dass diese gemacht werden - korrigieren - üben,üben,üben - Theorie nochmals erklären.... Der Schullehrer ist ja nur noch Administrativ-Coach und erklärt den Eltern, was als nächstes zu lernen sei. Eigentlich sollten die Kinder ja "selbstgesteuert- selbstorganisiert" Lernen, dass das nicht funktioniert ahnen wir schon lange. Schulen,die LP21 schon eingeführt haben in ZH und D, zeigen genau diese Folgen. Die, welche die finanziellen Mittel haben schicken ihre Kinder in Privatschulen, andere machen vermehrt auf Home-teaching. Baden-Würthenberg gibt nun nach dem Pisa-Absturz gegensteuert gegen die Endlos-OECD-Reformitis, wir müssen nun mit LP21 erst noch alle Fehler nachäffen.

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geschrieben am 18.03.2017 12:36 | von frieda

LP21 in Deutschland? Wie das?

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geschrieben am 18.03.2017 18:47 | von Pumpelche

In Deutschland spürt der Arbeitsmarkt die Auswirkungen dieser pädagogischen Ideologie. Der deutsche Arbeitsmarkt ist nicht froh, wie das Ganze läuft, resp. lief. Aber eben.. wie der sozioprofessionelle, ist auch der pädagogische Moloch zu gross, zu verästelt und zu einflussreich, als dass sich etwas ändern könnte.

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geschrieben am 19.03.2017 09:49 | von frieda

Sogar wenn's so wäre (was bisher nur eine Behauptung ist): Was hat das mit LP21 zu tun? Seit wann gilt der in Deutschland? Und wenn: Wo in Deutschland? Meck-Pomm? Bayern? Sachsen? Saarland? NRW? Bremen? Baden-Württemberg? Oder den restlichen 9 Bundesländern? Deutschland ist beim Bildungswesen so föderalistisch wie dei Schweiz. Und wenn "der Arbeitsmarkt" heute schon "nicht glücklich" ist (nebenbei: Wer ist das? Arbeitgeber? Arbeitnehmer? Agentur für Arbeit?), wie kann das am LP21 der Schweiz liegen? Oder wenn doch: Wie ging/geht das? Welche "päd. Ideologie" meinen Sie, die dann ja in allen 18 Bundesländern seit Jahren gelten müsste?

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geschrieben am 19.03.2017 12:08 | von frieda

sorry, Tippfehler in der letzten Zeile meines vorherigen Beitrags: 16 Bundesländer (nicht 18)

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geschrieben am 18.03.2017 14:33 | von amul

LP21 ist ein Abklatsch von der OECD-Reformerei, es durften einfach noch ca 200(?) Pädagogen während 8 (?) Jahren etwas "Swissness" reinbauen, da waren es zuerst 4000(?), dann noch 2500(?) Kompetenzen..

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geschrieben am 19.03.2017 14:04 | von frieda

Zwischen den vielen Fragezeichen hat dann noch eine Behauptung Platz, aber anscheinend sonst nichts mehr.

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