Thurgauerin auf Champs-Elysées: "Man sah nur noch Blaulichter"

  • Grosseinsatz der Polizei auf den Pariser Champs-Elysées nach den Todesschüssen auf einen Beamten.
    Grosseinsatz der Polizei auf den Pariser Champs-Elysées nach den Todesschüssen auf einen Beamten. (IAN LANGSDON (EPA))
21.04.2017 | 11:03

ATTENTAT IN PARIS ⋅ Die 19-jährige Géraldine Bohne aus Weinfelden war am Donnerstag auf den Champs-Elysées, als ein Attentäter einen Polizisten erschoss. Die Praktikantin der "Thurgauer Zeitung" berichtet von der Angst, die sie plötzlich ergriff, bangen Stunden in ihrer Pariser Ferienwohnung und dem ersten Gang zurück auf die Strasse nach der Bluttat.

Daniel Walt
Wie gross ist der Schrecken nach dem, was Sie am Donnerstagabend in Paris erlebt haben?
Es war echt krass. Mein Freund und ich hatten uns für die Ferien in Paris eine Wohnung direkt an den Champs-Elysées genommen. Der Polizist ist genau bei jener Metrostation erschossen worden, an der wir täglich ein- und aussteigen. Heute Morgen brauchte es einige Überwindung, um wieder aus dem Haus zu gehen.
 
Wie haben Sie die Bluttat erlebt?
Mein Freund wollte an den Champs-Elysées fotografieren. Die Schüsse haben wir nicht gehört, aber plötzlich raste ein Polizeiwagen mit vielen Einsatzkräften darin an uns vorbei. Rasch kamen dann immer mehr Polizeiautos. Man sah nur noch Blaulichter.
 
Géraldine Bohne. (pd)
Hatten Sie zu diesem Zeitpunkt Angst?
Nein, eher ein mulmiges Gefühl. Sie kam dann aber in jenem Moment, als wir verängstigte Menschen in Richtung einer Metrostation rennen sahen. Da wussten wir, dass irgendetwas passiert sein musste.
 
Wie ist der weitere Abend für Sie verlaufen?
Wir sind sofort zurück in die Wohnung gegangen und haben die Berichterstattung am TV verfolgt. Wir hörten den ganzen Abend auch die Helikopter, die über den Champs-Elysées kreisten. Es war ein seltsames Gefühl, am Fernseher zu verfolgen, was in unserer unmittelbaren Umgebung passierte.
 
Hatten Sie sich im Vorfeld Ihres Paris-Besuchs mit einem möglichen Anschlag beschäftigt?

Ja. Ich beruhigte mich mit dem Gedanken daran, dass Paris sehr gross ist und es ein wahnsinniger Zufall wäre, wenn man bei einer Attacke gerade in der Nähe wäre. Jetzt ist es trotzdem passiert. Froh sind wir einfach, dass wir rund 150 Meter vom Tatort entfernt waren und die Schüsse auf die Polizisten nicht direkt miterleben mussten.
  Haben Sie in der Nacht überhaupt Schlaf gefunden?
Wir haben sehr lange TV geschaut – auch, um abschätzen zu können, ob wir uns am Freitag überhaupt wieder auf die Strasse trauen dürfen. In der Folge habe ich sehr unruhig geschlafen und auch vom Ganzen geträumt.
 
Wie geht der Paris-Aufenthalt für Sie nun weiter?
Wir sind am Freitagmorgen ins Disneyland gefahren. Wir fühlen uns hier im Moment sicherer als an öffentlichen Plätzen in Paris – hier ist man etwas abseits, und es gibt grosse Sicherheitsvorkehrungen. Eigentlich wollten wir bis zu unserer Abreise am Samstag noch den Arc de Triomphe besichtigen. Das werden wir nun aber vermutlich bleiben lassen.

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