BIENENSTERBEN

Tausende Bienenvölker gestorben

Viele Bienen haben den Winter nicht überlebt. Während sich der Ausfall an Bienenvölkern im St.Galler Rheintal in verkraftbaren Grenzen hält, rechnet man in Vorarlberg mit 5000 leeren Bienenstöcken.
20.03.2017 | 19:59
Kurt Latzer

Kurt Latzer

ostschweiz@tagblatt.ch

«Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben», soll Albert Einstein einst gesagt haben. Bewiesen allerdings ist das nicht. Sicher hingegen ist, dass Vorarlberger Imker in der Misere stecken. Tausende Bienenvölker haben den Winter nicht überlebt. Der Obmann des Vorarlberger Imkerverbandes, Egon Gmeiner, liess kürzlich verlauten, er fürchte um die Hälfte aller Völker im Land. «2015 verloren wir 3000 Völker, aktuell rechne ich mit 5000», wurde er in Medienberichten zitiert. Die Situation sei rätselhaft. Während die einen Bienen bei gleicher Behandlung nicht überlebten, seien andere kerngesund.

Varroa-Milben und Wetter tragen Hauptschuld

Schuld an der Misere sind verschiedene Faktoren, vermutet der Vorarlberger Oberimker: Pestizide, die Varroa-Milbe, Nahrungsmangel und das Klima. Im St.Galler Rheintal sind die Ausfälle bei den Bienenvölkern unterschiedlich. «Es gibt Imker, die haben von 14 Völkern 12 verloren, andere ein bis zwei Völker», sagt Michael Sonderegger, Präsident des Bienenzüchtervereins Oberrheintal. Ähnliche Verluste habe es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben.

«So einen massiven Zusammenbruch wie in Vorarlberg haben wir nicht», sagt Sonderegger. Einen Grund für die Verluste kennen die Imker. Es ist die Varroa-Milbe, die sich unter den Bienenvölkern teilweise rasch verbreitet. «Je nach Flugtätigkeit», sagt Hans Oppliger, Leiter Fachstelle für Bienenhaltung bei der landwirtschaftlichen Schule Rheinhof in Salez. Es gebe verschiedene Mechanismen. «Die Varroa-Milben verbreiten sich in der Brut der Bienen. Ist der Winter zu warm, legen die Bienen keinen Brutstopp ein. Dann haben die Milben den ganzen Winter über einen gedeckten Tisch. Dies führt zu einer sehr hohen Startpopulation der Milben im Frühling.»

Auch das Wetter habe einen massgeblichen Einfluss auf die Verbreitung der Varroa-Milben. Genau in der Zeit, als die Bienenvölker im vergangenen Jahr am grössten waren, im Mai und Juni, herrschte schlechtes Wetter und die Bienen hätten immer im Stock bleiben müssen. «Wird es ihnen dort zu eng, schwärmen sie aus und bilden neue, oft wilde Kolonien in Dachböden oder hohlen Baumstrünken», sagt Oppliger. Weil diese Insekten im Gegensatz zu denen der Imker im Herbst nicht gegen Varroa-Milben behandelt werden, kann es zu einer sogenannten Reinvasion in die Stöcke der Imker kommen. Genauere Zahlen, wie viele Bienenvölker im St. Galler Rheintal und anderen Regionen den Winter nicht überlebt haben, gebe es noch nicht. «Bis jetzt haben wir keine Betriebszählungen durchgeführt. Die beginnen erst jetzt», sagt der Bienenfachmann.

Im Rheintal kein Blüten- und kein Waldhonig

Nicht nur die toten Bienen treffen die Imker hart, sondern auch die schlechten Honigernten. Michael Sonderegger: «Letzes Jahr hat es im Rheintal praktisch keinen Blüten- und keinen Waldhonig gegeben. Die Jahre vorher waren auch nicht rosig.» Ist gegen die Varroa-Milben kein Kraut gewachsen? «Im August und September muss man die Bienenstöcke mit Ameisensäure oder Thymol behandeln, im November und Dezember mit Oxalsäure», sagt Oppliger. Dabei handelt es sich nicht um Chemie, sondern um natürliche Substanzen. Thymol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der ätherischen Öle und ein Bestandteil des Thymianöls. Oxalsäure kommt natürlich in Pflanzen vor, wie etwa im Rhabarber. Der Strauchbasilikum «Magic Blue» ist eine der stark blühenden Pflanzen, die von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen sehr gerne besucht werden.

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