• "Tu was du kannst, mit dem was du hast, dort wo du bist": Dieser Spruch Roosevelts hat die beiden Schauspieler geleitet.
    "Tu was du kannst, mit dem was du hast, dort wo du bist": Dieser Spruch Roosevelts hat die beiden Schauspieler geleitet. (Hanspeter Schiess)
15.03.2017 | 07:30

Schauspieler wohnten eine Woche im Schaufenster


ST.GALLEN ⋅ Zwei Schauspieler haben knapp eine Woche in einem Ladenlokal in der St.Galler Altstadt verbracht. Ohne Lebensmittel, Dusche und Handy – aber mit viel Zeit für sich selbst. Dabei kam es zu interessanten Begegnungen.

Eva Ammann
Es liegen Chips-Packungen, Bananen und ein Puzzle auf dem Boden im Ladenlokal an der St.Galler Gallusstrasse. Auf dem Schaufenstersims sitzt ein junger Mann in einem grauen Ganzkörperpyjama und liest ein Buch,  ein zweiter Mann meditiert am Boden. Auf dem Schaufenster steht in weissen Lettern: «Was brauchen wir? We have nix.» Ein Bildschirm zeigt 4 Stunden und 41 Minuten an. So lange müssen die beiden Schauspieler Kay Kysela und Simon Roffler noch aushalten. Dann haben sie es geschafft: 120 Stunden, in einem 24 Quadratmeter grossen Raum.


Grundbedürfnisse aufs Minimum reduzieren
Angefangen habe alles mit dem Druck, ständig erreichbar und überall dabei sein zu müssen, sagt Kay Kysela, Schauspieler am Theater St.Gallen. Das wollte er zusammen mit seinem Schauspielkollegen Simon Roffler, Schauspieler aus Bern, ändern. Sie haben sich entschieden, für ihre Masterarbeit eine 120-Stunden-Performance durchzuführen. Letzte Woche war es so weit.

Hauptziel des Projekts sei einerseits, 120 Stunden ständig sichtbar zu sein und dadurch das Interagieren und die Begegnung mit Passanten zu fördern, sagt Simon Roffler. Sogenannte Face-to-Face-Begegnungen also. «Als Schauspieler ist man generell immer die Person in Aktion. Jetzt wollten wir mal passiv sein und die Zuschauer entscheiden und teilnehmen lassen», sagt der 29-Jährige. Darum hätten sie sich entschlossen, die Grundbedürfnisse aufs Minimum zu reduzieren. Zwei Matratzen, ein WC und je ein Pyjamaanzug. Alles andere würden sie von den Passanten durch den angebrachten Schlitz bei der Türe erhalten.
Kay Kysela, Schauspieler (PD)
Und so war es dann auch. Sie seien von den vielen Begegnungen und Unterstützungen überrumpelt gewesen, sagt Kysela. Einige Leute hätten während mehrerer Stunden mit ihnen gesprochen. Andere hätten ihnen  warmes Essen gebracht.

Innere Entleerung als persönliches Ziel
In den 120 Stunden konnten sich die Schauspielstudenten intensiv mit der Zeit im Raum und im Moment auseinandersetzen und diese bewusster wahrnehmen. «In Time and Space» lautet daher auch der Titel des Projekts. «Es geht eben nicht immer nur ums Zeitmanagement. Viel wichtiger ist, dass man im Moment lebt.»

Die beiden Schauspieler haben sich während der fünf Tage zusätzlich ein individuelles Ziel gesetzt: die innere Entleerung. Kysela hat dies durch das Niederschreiben seiner Gedanken im Moment ausprobiert. Geleitet hat ihn dabei ein Zitat von Theodore Roosevelt: «Tu, was du kannst, mit dem, was du hast, dort, wo du bist.»

Simon Roffler, Schauspieler (PD)
Simon Roffler hat sich die Aufgabe auferlegt, weder zu sprechen noch zu schreiben oder zu lesen. «In den ersten 24 Stunden war das schwer. Danach habe ich mir die Mühe nicht mehr gemacht, über alles nachzudenken oder mit Gestik oder Mimik mit Kay zu kommunizieren», sagt Roffler. So hätten sie gelernt, dass man einmal loslassen könne und nicht über alles gesprochen werden müsse. Denn die Schauspieler sind überzeugt, dass vieles, das gesagt werde, überflüssig sei. Man müsse also auch nicht von allem ein Foto oder ein Video zur Erinnerung machen. Den Weg zurück in den Alltag haben die beiden letzte Woche schnell gefunden. Dennoch hat das Projekt seine Spuren hinterlassen: Beide lassen sich weniger schnell aus der Ruhe bringen und nehmen sich Zeit für die Dinge, die ihnen wichtig sind.

Bilderserien zum Artikel (1)

Kommentare
Kommentar zu: Schauspieler wohnten eine Woche im Schaufenster
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()

geschrieben am 15.03.2017 08:57 | von strawi

So ein Quatsch ist doch keine Nachricht wert, die Medien schreiben doch tatsächlich schon jeden Blödsinn nieder. Wen kümmert oder interessiert schon, wo und wie die beiden ihr privates Defizit aufarbeiten.

antworten
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wie viele Türen hat ein Adventskalender??
 

Meistgelesen

Ermittler untersuchen die Spuren des Terroranschlags in der Nähe des britischen Parlaments. 5 Menschen starben bei dem Anschlag, mindestens 40 wurden teilweise schwer verletzt.
International: 22.03.2017, 16:10

Doppelanschlag erschüttert London

Bei dem Doppelanschlag am britischen Parlament in London sind nach jüngsten Angaben der Polizei ...
Die zwei Buchen und die Eiche waren für viele Anwohner des Quartiers mehr als nur eine hübsche Bepflanzung. Jetzt sind sie Geschichte.
Rorschach: 21.03.2017, 21:39

«Ich habe null Verständnis»

Weil sie Schatten auf sein Haus warfen, liess ein Steinacher drei Bäume im «Böllentretter» ...
Julia Samoilowa 2014 bei der Eröffnungszeremonie der Paralympics in Sotchi. Dieses Jahr hätte sie Russland am ESC in Kiew vertreten sollen. Aber weil sie - aus Sicht der Ukraine - illegal auf der Krim aufgetreten ist, wird ihr die Einreise in die Ukraine verweigert.
Kultur: 22.03.2017, 17:17

Russische Sängerin von ESC ausgeschlossen

Der Eurovision Song Contest (ESC) hat einen politischen Skandal: Wegen eines früheren Auftritts ...
Unfälle & Verbrechen: 22.03.2017, 11:53

Enkeltrickbetrügen knöpfen zwei Frauen grosse Beträge ab

Am Dienstag haben Enkeltrickbetrüger in Kreuzlingen und Bürglen grosse Geldbeträge erbeutet.
Christian Lohr wäre es lieber, Prozesse wie jener gegen das Heilbad Unterrechstein wären gar nicht erst nötig.
Ostschweiz: 22.03.2017, 13:34

"Nicht ungeschickt, schlicht daneben"

Das Ausserrhoder Kantonsgericht hat festgestellt, dass das Heilbad Unterrechstein Menschen mit ...
Ein umgekippter Wagen eines entgleisten Eurocity-Neigezugs. Sieben Menschen wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Die Ursache war zunächst noch unbekannt.
Panorama: 22.03.2017, 18:41

Zugsentgleisung fordert sieben Verletzte

Zwei Wagen eines Eurocity sind am Mittwoch bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Luzern entgleist.
Der Wiler Imam Bekim Alimi vor der vor der Vollendung stehenden Moschee bei der Autobahn.
Stadt Wil: 22.03.2017, 20:47

Ein Halbmond für die Wiler Moschee

Auf der Kuppel des islamischen Begegnungszentrums im Wiler Südquartier wird ein Emblem installiert.
Die Post will Briefsendungen, deren Adresse nicht vollständig von den Sortiersystemen gelesen werden können, in Zukunft doch nicht in Vietnam verarbeiten lassen.
Wirtschaft: 22.03.2017, 17:22

Post stoppt Adressbearbeitung in Vietnam

Nach heftiger Kritik verzichtet die Schweizerische Post darauf, unstimmig adressierte Briefe in ...
Unfälle & Verbrechen: 22.03.2017, 15:24

Nach Ladendiebstahl zwei Georgier festgenommen

Am Dienstag, kurz vor 17 Uhr, hat die Kantonspolizei St.Gallen an der St.Gallerstrasse in Gossau ...
Seit 1. Januar haben bereits 24'000 Besucher ein Ticino Ticket ausgehändigt bekommen - es bietet freie Fahrt mit dem Öffentlichen Verkehr im gesamten Kanton.
Wirtschaft: 22.03.2017, 17:29

Erste Gäste profitieren vom "Ticino Ticket"

Seit dem 1. Januar dürfen Gäste von Hotels, Campingplätzen und Jugendherbergen den ÖV im Tessin ...
Zur klassischen Ansicht wechseln