«Kanton stellte zu spät um»

  • Die St. Galler Staatsangestellten sorgen sich um ihr Ruhegeld.
    Die St. Galler Staatsangestellten sorgen sich um ihr Ruhegeld. (Bild: Oliver Lang/DAPD)
20.04.2017 | 06:28

ALTERSVORSORGE ⋅ Die Pensionskasse der Gemeinden steht gut da - anders als die Kasse der Kantonsangestellten und Lehrer. Was macht sie besser?

Regula Weik

Regula Weik

regula.weik@tagblatt.ch

Heute geht das St. Galler Staatspersonal auf die Strasse. Aus Protest gegen jene Politikerinnen und Politiker, die sich gegen eine 200-Millionen-Einlage in seine Pensionskasse stellen. Während um das Für und Wider im ganzen Kanton heftige Debatten entflammt sind, findet eine andere Pensionskasse trotz hervorragender Zahlen kaum Beachtung: Jene der St. Galler Gemeinden.

Sie hat ihren Deckungsgrad merklich verbessert, von 99,7 Prozent Anfang 2016 auf aktuell 103,6 Prozent – dies dank einer überdurchschnittlichen Jahresrendite von 4,9 Prozent. Keine Eintagsfliege, wie ein Blick in die Geschäftsberichte zeigt. Die Gemeindepensionskasse erwirtschaftete in den vergangenen zwölf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 4,2 Prozent und lag damit um 0,5 Prozent über dem Durchschnitt der Pensionskassen in der Schweiz. «Das ist unser Massstab», sagt Heinz Eigenmann, Geschäftsführer der Pensionskasse der St. Galler Gemeinden. Was macht die Kasse der Gemeinden besser als jene des Kantons? Verfolgt sie eine andere, erfolgreichere Anlagestrategie?

Nichts, das fährt, schwimmt oder fliegt

Eigenmann spricht von Anlagephilosophie statt -strategie. Er sei kein Banker, er sei Sozialversicherungsexperte. Und als solcher renne er nicht jedem Trend nach. «Mich interessiert, was in 20 Jahren ist. Wir verfolgen eine langfristige Anlagepolitik.» Die Anlagekommission fälle die taktischen Entscheide, er setze diese operativ um. Gibt es dabei Einschränkungen? Er verneint. Dennoch: Er wähle keine Aktien von Unternehmen, die staatlich gefördert werden. «Das Reglement schreibt dies zwar nicht vor, aber das ginge gegen meine gelebte Philosophie.» Genauso wie er nichts im Portfolio habe, «das fährt, schwimmt oder fliegt». Und auch keine einzige Tabakaktie. «Das reizt mich nicht.» Und keine Aktien von Ölgesellschaften. «Das ist eine Stilfrage.»

In einer Medienmitteilung vom Januar umschrieb die Kasse ihre Anlagepolitik mit «umsichtig, langfristig, keine besonders grossen Risiken».

«Der Druck von Verbänden ist beim Kanton grösser»

Auf die Zukunft der Kasse angesprochen antwortet Eigenmann vorsichtig: «Das ist ein Blick in die Kristallkugel.» Klar sei einzig: «Die Stücke des Pensionskuchens werden bei gleich bleibender Erwerbstätigkeit und immer mehr Pensionierten mit immer längeren Rentenbezügen kleiner.» Wie reagiert die Kasse darauf? Senkt sie den aktuellen Umwandlungssatz von 6,3 Prozent? Er werde 2018 sicher noch beibehalten. Danach werde er «sanft gesenkt – voraussichtlich innert fünf Jahren auf 6 Prozent», sagt Eigenmann und stellt gleich klar: «Niemand soll wegen des tieferen Umwandlungssatzes in die Frühpensionierung gedrängt werden; arbeiten soll sich auch künftig lohnen.»

Auf die Probleme der Pensionskasse des Kantons angesprochen, macht Eigenmann auf einen Unterschied aufmerksam: Die Pensionskasse der Gemeinden sei eine Genossenschaft – als eine der wenigen Pensionskassen in der Schweiz. Ihre Gremien seien paritätisch zusammengesetzt, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dennoch: «Der Druck von Gewerkschaften und Personalverbänden ist beim Kanton grösser.» Es würden eher Kompromisse zu Gunsten des Personals eingegangen. Ortet er hier den Grund für die Misere der kantonalen Kasse? «Es wurden viel zu hohe Leistungsversprechen abgegeben, und zwar bei jeder Umstellung.» Eigenmann spricht von «De-Luxe-Lösungen». Solche seien auch beim Übergang vom Leistungs- zum Beitragsprimat garantiert worden. Und: Der Kanton habe zu spät auf den Beitragsprimat umgestellt. Die Pensionskasse der Gemeinden war etwas früher daran. Sie habe zudem von 2005 bis 2015 einen Sonderbeitrag von 2 Prozent erhoben, um den Deckungsgrad zu verbessern, sagt Eigenmann. Daran hätten sich die Arbeitnehmenden und die Arbeitgeber je zur Hälfte beteiligt. Es sei wohl eine Vielzahl von Faktoren massgebend, weshalb die Pensionskasse der Gemeinden «bei grundsätzlich gleichen Leistungen» besser dastehe als jene des Kantons.

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