FROSTGEFAHR

Eisige Gefahr für zarte Pflanzen

Das Thermometer wird diese Woche nochmals unter die Nullgrad-Grenze fallen. Was bedeutet das für frostempfindliche Pflanzen, für blühende Obstbäume und muss man nochmals Winterpneus montieren? Ein frostiger Blick auf die kommenden Tage.
18.04.2017 | 16:15
Christa Kamm-Sager
Schnee auf den Tulpen, den Magnolien und auf blühenden Obstbäumen: In dieser Woche hat der Winter die Schweiz nochmals fest im Griff, es wird jeden Tag etwas kälter - am Mittwoch-, Donnerstag- und Freitagmorgen gibt es Bodenfrost bis in tiefe Lagen. Nach rekordwarmen März- und Apriltagen, welche die Knospen, Blüten und Blätter früh austreiben liessen, wird diese Kälte zum Risiko für Pflanzen, die nicht winterhart sind. Aber auch wer bereits Sommerpneus montiert hat oder den nicht frostsicheren Gartenwasseranschluss schon in Betrieb genommen hat, muss aufpassen. 

Viele mediterrane Topfpflanzen vertragen keinen Frost. Sind sie jetzt schon draussen, müssen sie geschützt werden. (Trix Niederau/Archiv)
Nicht winterharte Pflanzen: Viele Kübelpflanzen, die den Winter an einem geschützten Ort verbrachten, sind in diesen warmen März- und Apriltagen schon nach draussen an die Sonne gestellt worden. Müssen sie nochmals rein in den Keller oder die Garage? Rolf Schläpfer, Geschäftsführer von Pflanzen Roth in Kesswil, empfiehlt das. "Wenn es irgendwie geht, der Aufwand nicht zu gross ist, würde ich die mediterranen Kübelpflanzen nochmals reinstellen." Mit einem Vlies abdecken und so vor Wind schützen und die Pflanzen zusätzlich draussen an einen geschützten Platz stellen, nütze auch schon einiges. Mediterrane Pflanzen ertrügen in der Regel einen leichten Frost. Vor allem, wenn sie nicht in Töpfen eingepflanzt sind. Zudecken gelte auch für Salatsetzlinge, Geranien und anderen Sommerflor. "In unserem Gartencenter können wir die empfindlichen Pflanzen bequem auf Rolltischen an die Wärme schieben." Die anderen würden zugedeckt.

"Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist." Die "kalte Sophie" ist am 15. Mai. Obwohl die jüngere Generation die Bauernregel der Eisheiligen nicht mehr kenne: "Sie gilt immer noch", sagt Rolf Schläpfer. "Wir haben fast jedes Jahr spät im Frühling noch einige sehr kalte Tage."

Im Thurgau stehen Birn- und Apfelbäume im Vollblust. (chs)
Für Obstbäume wird es kritisch: Im Thurgau stehen Apfel- und Birnbäume bereits im Vollblust. "Dann sind sie für Frost besonders empfindlich", sagt Urs Müller, Leiter Spezialkulturen im Thurgauer Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Die Landwirte seien deshalb nicht ganz so gelassen in dieser Woche, so Müller. Schon -1 oder -2 Grad können je nach Situation reichen, sodass die empfindlichen Blüten erfrieren. "Es kommt sehr darauf an, wie schnell die Temperatur sinkt und wie lange die Temperaturen im Minusbereich liegen." Eine Stunde Frost sei nicht so folgenreich, wie drei oder vier Stunden. In der Regel sei es zwischen 4 und 7 Uhr am kältesten. Bereits befruchtete Blüten seien etwas robuster gegenüber der Kälte. Bei Kirschen, Pfirsichen und Aprikosen sei die Vollblüte schon vorbei. "Dort besteht aber die Gefahr von Holzfrost, bei den voll im Saft stehenden Bäumen an einem sonnigen Standort", so Müller. Bei Niederstamm-Kirschbäumen würde es etwas bringen, wenn die Regenschutzfolie bereits zugezogen würde. Was aber mit einem recht grossen Aufwand verbunden sei. Auch Frostkerzen würden da und dort in Anlagen eingesetzt - das sei aber eine kostspielige Angelegenheit. Bei Hochstämmen könne man nicht viel unternehmen. "Früher standen die Obstbäume meistens so um den 15. Mai herum im Vollblust. Die Vegetation hat sich in den letzten Jahren deutlich nach vorne verschoben", so Müller.

Ein ungewöhnlicher Schutz vor Frostschäden ist die Berieselung der Obstblüten mit Wasser: Die Eisschicht schützt die Blüte paradoxerweise vor der Kälte, da die Temperatur unter dem Eis genau bei 0,0 Grad Celsius liegt. Die Natur hat aber auch ihre eigenen Schutzmechanismen: Birnbäume bilden massenhaft überzählige Blüten. Dabei sind die Blüten in der Mitte etwas vor eisigen Temperaturen geschützt. Beim Apfelbaum öffnen sich dafür nicht alle Blüten gleichzeitig. Die geschlossenen Blüten bleiben noch etwas länger geschützt.   

Mit Frostkerzen wurde am 28. April im letzten Jahr versucht, die Blüten in einer Kirschenanlage in Bernhardzell zu schützen. (Urs Bucher/Archiv)
Frostkerzen: Ist für wenige Nächte Frost angesagt, können Frostkerzen in Obstanlagen eine Rettung sein. 200 Kerzen pro Hektare heben die Temperatur um zwei bis drei Grad an. Bei 300 Kerzen sind es schon drei bis vier Grad und bei 400 Kerzen fünf bis sechs Grad. Letztes Jahr, am 28. April, wurden in zahlreichen Rebbergen im Thurgau und Kanton St.Gallen Frostkerzen eingesetzt. Die Kerzen sind sechs Kilogramm schwer und haben eine Brenndauer von acht Stunden. Bei Hochstämmen nützen die Frostkerzen allerdings nicht viel.

Gut gemacht, wer die Winterpneus noch auf den Felgen hat. (Keystone)
Winterpneus: "Von Offa bis Olma mit Sommerpneus, von Olma bis Offa mit Winterpneus": An diese Regel halten sich die St.Galler. Dieses Jahr ist gut beraten, wer die Sommerpneus erst nach der Offa montiert. Wer schon gewechselt hat, muss nicht nochmals die Winterpneus aufsetzen. Aber vielleicht würde es sich lohnen, je nach Niederschlag das Auto diese Woche ab und zu daheim stehen zu lassen und auf den Zug zu setzen. Am Dienstagmorgen sind wegen Schneepflotsch zehn Autos auf der A1 verunfallt. 

Ist ein Wasserhahn nicht frostsicher, sollte er in diesen Tagen besser nochmals abgestellt werden. (Keystone)
Nicht frostsichere Wasseranschlüsse im Garten: In den letzten Wochen mussten die Pflanzen wegen Trockenheit kräftig gegossen werden.  Wer keinen frostsicheren Garten-Wasseranschluss hat, dreht ihn sicherheitshalber nochmals zu und leert den Inhalt. Geplatzte Wasserleitungen sind nicht nur mühsam, sondern können auch teuer zu stehen kommen.
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