Fast alle Vögel sind schon da

  • Die Feldlerche ist eine Wiesenbrüterin.
    Die Feldlerche ist eine Wiesenbrüterin. (Bild: Getty)
18.04.2017 | 09:52

GEZWITSCHER ⋅ Es pfeift und trillert von jedem Ast: Im Frühling kehren die Vögel aus ihren Winterquartieren zurück. Experten wissen, dass einige der besten Sänger in der Ostschweiz nur noch selten zu hören sind. Hören Sie sich den Gesang dieser seltenen Vögel bei uns an.

Sabrina Bächi

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@tagblatt.ch

«Im Frühling singen alle Vögel, die singen können», sagt Jonas Barandun, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Naturmuseums in St. Gallen. Es sei daher eine gute Zeit, um Vögel zu beobachten. Wer das will, sollte jedoch früh aufstehen, rät der Experte. Weil alle Vögel die Frühlingsgefühle spüren, verteidigen die Männchen ihr Revier mit lauten Tönen. Hinzu kommt, dass im Frühling sehr viele Vögel aus dem Süden an ihre Brutstandorte zurückkehren und die heimischen Vogelfamilien mit ihrem Gesang verstärken. «Ein Feldstecher ist bei der Vogelsuche immer hilfreich», sagt Jakob Rohrer vom Thurgauer Vogelschutz. Der Zeitpunkt, um Vögel zu beobachten, sei im Frühling, wenn erst wenige Blätter an den Bäumen hängen, ideal. Wer einen Vogel hört, habe auch gute Chancen, ihn zu sehen, so Rohrer.

Speziellere Vögel findet man selbst in Städten. Etwa die Gartengrasmücke. «Sie ist ein auffälliger Rückkehrer und singt sehr melodiös», sagt Jonas Barandun. Der frühe Heimkehrer im Februar ist beispielsweise der Star. Ihm folgen der Hausrotschwanz und Zilzalp.

Derzeit kehren die ersten Rauch- und Mehlschwalben zurück, und in den nächsten Tagen sollte der unverkennbare Ruf des Kuckucks durch die Wälder hallen. Es ist also höchste Zeit, ein Geldstück in den Hosensack zu stecken und auf den ersten Kuckuckruf zu hoffen. Dieses Unterfangen sei in den letzten Jahren jedoch schwieriger geworden, sagen die Experten. Denn in der Ostschweiz ist der taubengrosse Vogel nur noch selten zu hören. «In St. Gallen etwa noch im Gebiet des Alten Rheins», sagt Ba­randun.

Der spektakuläre Flug der Feldlerche

Unverkennbar und spektakulär sei der Gesang der Feldlerche, die seit einiger Zeit aus dem Süden in die Ostschweiz zurückgekehrt ist. «Leider ist die Feldlerche sehr selten geworden. Im Kanton St. Gallen gibt es nur vereinzelte Exemplare», sagt Jonas Barandun. Als Wiesenbrüterin hat die Feldlerche fast keine Möglichkeit, ihre Brut sicher aufzuziehen. Das Gras werde zu häufig geschnitten. Im Thurgau finde man sie noch auf dem Seerücken und im Unterthurgau, sagt Jakob Rohrer. «Die Feldlerche singt und trillert, während sie etwa 200 Meter hoch in die Lüfte steigt» Nicht umsonst sei die Lerche in der Literatur neben der Nachtigall der meistbesungene Vogel.

 

Wer seine Ohren auf die Vogelstimmen trainieren will, kann dies beispielsweise mit Apps üben. Die Technik sei jedoch noch nicht so ausgereift, dass Vogelstimmen aufgenommen und automatisch zugeordnet werden können, sagt Jonas Barandun. «Verschiedene Vogelschutzsektionen bieten Kurse an, in denen gemeinsam gelernt werden kann, wie die Vögel tönen», sagt er. In allen Ostschweizer Kantonen werden solche Kurse angeboten. Generell gilt: In der Nähe von Gewässern sind meist viele Vögel zu finden. «Für mich ist der Gesang der Nachtigall immer wieder ein ganz spezielles Erlebnis», sagt Rohrer. Dafür sollte man frühmorgens oder in der Abenddämmerung dem Untersee entlanggehen. «Ab Ostern sollte die Nachtigall zurück sein. Mit ein bisschen Geduld kommt man in den Genuss ihres schönen Gesangs.»



Die Tonaufnahmen stammen von der DVD "Die Stimmen der Vögel Europas" von Hans-Heiner Bergmann.
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