CVP-Kandidat klar in Führung

  • Die Stadtratskandidaten (von links) Eduard Hirschi (SP), Ueli Dobler (CVP), Ramiz Ibrahimovic (Jungfreisinnige), Betim Bunjaku (parteilos) und Nils Rickert (GLP) bei der Bekanntgabe der Wahlresultate.
    Die Stadtratskandidaten (von links) Eduard Hirschi (SP), Ueli Dobler (CVP), Ramiz Ibrahimovic (Jungfreisinnige), Betim Bunjaku (parteilos) und Nils Rickert (GLP) bei der Bekanntgabe der Wahlresultate. (Bild: Moritz Hager)
20.03.2017 | 05:39

STADTRATSWAHLEN ⋅ In Rapperswil-Jona hat keiner das absolute Mehr erreicht. Favorit für den zweiten Wahlgang ist Ueli Dobler (CVP), zumindest der zweitplatzierte Ramiz Ibrahimovic (Jungfreisinnige) tritt nochmals an.

Elvira Jäger, Eva Pfirter

Elvira Jäger, Eva Pfirter

ostschweiz@tagblatt.ch

Unglaublich froh sei er über das gute Resultat, sagt Ueli Dobler. Dem CVP-Mann fehlten im ­ersten Wahlgang zwar auch 600 Stimmen zum absoluten Mehr. Mit seinen 2785 Stimmen liess er aber die anderen vier Kandidaten weit hinter sich. Für den 53-jährigen Dobler ist denn auch bereits klar: Er wird im zweiten Wahlgang am 21. Mai wieder antreten. Die gestrige Ersatzwahl war nötig geworden, weil der als Stadtrat gewählte Martin Stöckling (FDP) Anfang November das Stadtpräsidium erobert hatte.

Der gelernte Zimmermann, heute stellvertretender Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebs, eroberte über 40 Prozent der Stimmen und konnte damit über das CVP-Lager hinaus punkten. «Ich bin sehr verankert und habe schon viel für die Stadt gemacht», sagt er dazu. Dobler ist seit bald drei Jahrzehnten Mitglied der Feuerwehr und dient ihr als Vizekommandant. Der CVP-Mann kann sich reelle Chancen ausrechnen, in zwei Monaten den letzten Sitz im siebenköpfigen Stadtrat zu erobern. Nach der Abwahl von Stadtpräsident Erich Zoller stellt die CVP zurzeit mit Roland Manhart nur noch einen Vertreter in der Exekutive.

Jungfreisinniger Migrant auf zweitem Platz

Den zweiten Platz in der ges­trigen Ersatzwahl eroberte der Jungfreisinnige Ramiz Ibrahimovic. Mit 1132 Stimmen liegt er zwar weit hinter Ueli Dobler zurück, und sein Vorsprung auf den Drittplatzierten Eduard Hirschi beträgt nur 20 Stimmen. Ibrahimovic ist dennoch zufrieden. «Die Bevölkerung will junge und liberale Politiker im Stadtrat», analysiert er. Dem vorläufigen Sieger Ueli Dobler attestiert Ibrahimovic ein starkes Netzwerk. «Er hatte aber auch länger Zeit als ich, eines aufzubauen.» Ibrahimovic, der als Kind mit seinen Eltern vor dem Krieg in Bosnien in die Schweiz floh, wollte sich zunächst noch nicht festlegen, tritt im zweiten Wahlgang noch einmal an. Das zweitbeste Resultat sei mehr als ein Achtungserfolg und für den Kandidaten Motivation und Verpflichtung, hiess es in einer Mitteilung.

Auf dem dritten Platz liegt der Newcomer Eduard Hirschi (SP). Der Inhaber des Rapperswiler Buchladens Bücher-Spatz ist mit seinen 1112 Stimmen sehr zufrieden. «Ich habe mit 1111 Stimmen das schönste Resultat erreicht», sagt er und lacht. «Die 1112. Stimme ist von mir.» Hirschi ist von seinem guten Abschneiden aber auch sehr überrascht. «Es hätte nicht viel gefehlt, und ich hätte den zweiten Platz erreicht.» Mancher Beobachter dürfte auch erstaunen, dass Hirschi den ehemaligen Kantonsrat Nils Rickert (GLP) hinter sich liess. Hirschi will dafür einstehen, dass die SP wieder im Stadtrat vertreten ist. Das sei nötig, denn das gute ­Abschneiden der Kandidaten ­Dobler und Ibrahimovic zeige, dass Rapperswil-Jona «halt schon sehr bürgerlich ist und es auch bleiben will». Hinsichtlich des zweiten Wahlgangs zeigt sich Eduard Hirschi kampflustig: «Wir müssen nun überlegen, wie wir die fehlenden 1700 Stimmen, die mich von Ueli Dobler trennen, aufholen können.» Hirschi findet, die Parteien sollten sich absprechen und gemeinsam einen Kandidaten bestimmen, der es mit Dobler aufnehmen könne.

Ehemaliger GLP-Kantonsrat der unglückliche Vierte

Den grünliberalen Kandidaten Nils Rickert ärgern die 44 Stimmen, die ihn vom Drittplatzierten Hirschi trennen. «Ich hätte mir ein paar Prozentpunkte mehr gewünscht.» Dass der ehemalige Kantonsrat aufgrund Ferienabwesenheit erst spät in den Wahlkampf eingestiegen ist, habe ihm sicher nicht geholfen, vermutet er. Ausserdem verfüge seine Partei lediglich über «einen Bruchteil des Budgets der FDP». Grundsätzlich sei er jedoch mit seinen 1068 Stimmen zufrieden, sagt Rickert. Der Kommunikationsfachmann zieht den Vergleich mit den Kantonsratswahlen 2016: Während die GLP damals 7,5 Prozent der Stimmen erzielt habe, seien es nun 16 Prozent. «Die GLP hat heute mit den grossen Parteien FDP und SP gleichziehen können.» Ausserdem sei deutlich geworden, dass er als Person weit über die Parteigrenzen hinaus mobilisieren könne. Ob Rickert für den zweiten Wahlgang antritt, ist noch offen.

Der parteilose Betim Bunjaku, der bereits zum dritten Mal einen Stadtratssitz zu erobern versuchte, hatte etwas mehr erwartet, wie er sagt. Mit 594 Stimmen bildet er nach dem ersten Wahlgang das Schlusslicht der fünf Kandidaten. Auch Bunjaku lässt noch offen, ob er nochmals antritt.

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