FRÜHLINGSMESSE

Blind an der Offa

Am Mittwoch startet die Offa. Thema des gestrigen Eröffnungsanlasses war das Blindsein. Zwei Gastredner, die ohne Augenlicht leben, erzählen aus ihrem Alltag.
18.04.2017 | 22:19
Arcangelo Balsamo
Ein Leben ohne Spiegel: Was für Models undenkbar ist, gehört für Blinde zum Alltag. So auch für zwei sehbehinderte Gastredner, die an der gestrigen Eröffnungsfeier der Offa aus ihrem Leben erzählten. Anlass für ihren Auftritt ist eine der Sonderschauen der diesjährigen Frühlings- und Trendmesse. Im Dunkelzelt von Obvita, der Organisation des Ostschweizerischen Blindenfürsorgevereins, werden Sehende der Dunkelheit ausgesetzt und von Blinden oder Sehbehinderten geführt.

Einer von ihnen ist Virgil Desax, der am Dienstag mit der ebenfalls blinden Radiojournalistin und Schriftstellerin Yvonn Scherrer eine Diskussion führte. Dabei gingen die beiden auf Fragen ein, die sie häufig gestellt bekommen, wie etwa: "Wie lebt es sich ohne Spiegel?" Ein Spiegel sei für sie einfach nur eine glatte Oberfläche, sagte Yvonn Scherrer. Er könne rechteckig oder oval sein und hänge einfach nur da. Manchmal stehe sie davor, lache ihn aus und strecke ihm die Zunge heraus, weil er auf sie nicht dieselbe Macht ausübe wie auf andere Frauen.

Wie lange sie schon blind seien, würden sie auch oft gefragt. Die Radiojournalistin sagte, sie sei im Alter von sieben Monaten erblindet. Grund war eine Operation. Wäre diese nicht durchgeführt worden, hätte sich ihr Tumor am Sehnerv weiter ausgebreitet. "Die Operation hat mir das Leben gerettet."
 

Mit moderner Technik zum Rheinfall gewandert

Auch Virgil Desax war nach einer Operation erblindet; beim ihm war es allerdings ein Chirurgiefehler. Er war damals 22 Jahre alt. Er habe keinen Groll gegen die Ärzte, er lebe mittlerweile wie früher und schätze heute das Leben mehr. Er hob hervor, dass es heutzutage dank der modernen Technik viele Möglichkeiten gebe, auch als Blinder ein normales Leben zu führen. Einmal sei er sogar zu Fuss von Weinfelden an den Rheinfall gewandert, lediglich mit Blindenstock und Handy, das ihm den Weg wies. "Alleine bis zum Rheinfall gehen – das wäre ein Albtraum für mich", sagte Yvonn Scherrer. Es sei für sie etwas vom Schönsten, mit ihrem Blindenhund als eingespieltes Team durch den Bahnhof zu "schweben".

Nicolo Paganini, Direktor der Olma-Messen St.Gallen, zeigte sich beeindruckt und "ein wenig gerührt". Er wünschte sich, dass möglichst viele Offa-Besucher das Dunkelzelt besuchen und etwas über das Blindsein erfahren.

41. Frühlings- und Trendmesse Offa: Mittwoch bis Sonntag, 23. April, täglich von 10 bis 18 Uhr, Degustationshallen von 11 bis 21 Uhr geöffnet. 524 Aussteller und über 20 Sonderschauen.
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