VERSCHWUNDEN

Bei Verdacht sofort handeln

Trotz grossangelegter Suche bleibt eine Altstätterin seit vergangener Woche unauffindbar. Zurzeit gelten in der Ostschweiz 25 Personen als vermisst. Von privaten Suchaktionen rät die Polizei ab.
19.04.2017 | 06:53
Joel Mähne

Joel Mähne

joel.maehne@tagblatt.ch

Edith Trittenbass, verschwunden 1986 in Gass-Wetzikon TG, Ja­nine Berger, vermisst seit 1999 in Bolivien, oder Manuel Fernando, gesucht seit 2001 in Vilters. Rund 25 Personen gelten in der Ostschweiz derzeit als vermisst. Nach fast allen wird schon seit einigen Jahren nicht mehr gesucht. Seit Beginn des Jahres 2017 sind im Kanton St. Gallen bereits zwei Personen zu dieser Liste hinzugekommen. Der 75-jährige Fahrlehrer Walter Hugo verschwand am 3. März in St. Gallen, wenige Tage später fand man sein Auto im Raum Degersheim. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Am 13. April wurde zudem Marie Brosi, eine gesunde, 90-jährige Frau aus Altstätten als vermisst gemeldet. Eine grossangelegte Suche, die von den regionalen Feuerwehren unterstützt wurde, blieb bisher erfolglos. Deshalb sucht die Polizei weiterhin nach Hinweisen: Die Rentnerin ist etwa 155 bis 160 cm gross und hat weisse Haare. Trotz ihres hohen Alters benötigt sie keine Gehhilfe. Zuletzt gesehen wurde sie am Dienstag, 11. April, an ihrem Wohnort in Altstätten, Breite. Personen, die Angaben zu Marie Brosi machen können, werden gebeten, sich bei der Kantonspolizei St. Gallen, Tel. 058 229 49 49, zu melden.

Keine Auskunftspflicht über Aufenthaltsort

Die Suche nach vermissten Personen sei schwierig, sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Ohne sachdienliche Hinweise ist eine Eingrenzung des möglichen Aufenthaltsortes einer Person sehr schwierig. Gerade gesunde und rechtlich mündige Personen können innerhalb von Stunden mit dem Auto oder dem öffentlichen Verkehr Hunderte Kilometer entfernt sein. Und sogar Personen, welche als gehbehindert bezeichnet wurden, hätten sich schon über 30 Kilometer zu Fuss von ihrem Wohnort entfernt.

Eine volljährige und mündige Person ist dabei nicht verpflichtet ihren Aufenthaltsort irgendjemandem bekanntzugeben. Wer für zwei Wochen auf eine einsame Insel will, muss niemandem davon erzählen. Rezzoli rät dennoch dazu, mindestens eine Vertrauensperson zu informieren. So kann im Notfall jemand Entwarnung geben und unnötige Suchaktionen verhindern.

Bei Verdachtsmomenten empfiehlt es sich immer, möglichst schnell die Polizei zu in­formieren. Nicht nur kann dann wertvolle Zeit für eine Suche vor Einbruch der Dunkelheit gewonnen werden. Die Polizei kenne auch erste Ansprechpersonen und könne daher sofort in die richtige Richtung ermitteln. So könnten Personen gefunden werden, bevor überhaupt eine Vermisstmeldung veröffentlicht wird. Gerade junge entlaufene Personen kehren oft schnell wieder nach Hause zurück. Häufig flüchten sie vor einer belastenden Situation wie beispielsweise Liebeskummer oder Streit in der Familie. Einmal hätten sich kleine Kinder so gut vor ihren Eltern im eigenen Haus versteckt, dass sie erst von einer Polizeistreife gefunden wurden, erzählt Rezzoli.

Vermisstmeldungen im Internet bleiben bestehen

Von einer privaten Suche rät der Mediensprecher in jedem Fall ab. Die Polizei könne über ihr Netzwerk viel schneller eine grosse Region mit Informationen versorgen und Rückmeldungen besser einordnen und darauf reagieren. «Auf eine Information sollte auch immer eine Massnahme folgen», erklärt Rezzoli. Privatpersonen wüssten oft nicht, wie sie mit Hinweisen umgehen sollen. Auch die Suche über soziale Netzwerke sei nicht zu empfehlen. Hier veröffentlichte Suchmeldungen blieben nämlich für die Ewigkeit erhalten, warnt der ­Mediensprecher – eventuell auch für einen späteren Arbeitgeber. ­Dieser muss von einer etwaigen Jugendsünde ja nichts wissen.

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