REISEN

Reiseanbieter Coop: "Rückgang bei Mallorca ist enorm"

ITS Coop Travel ist auf Wachstumskurs, auch weil Ägypten und die Türkei wieder viel stärker gefragt sind. Dafür ist Mallorca das Sorgenkind. Schuld sind nicht die gestiegenen Preise.
15.04.2018 | 11:34
Aktualisiert:  15.04.2018, 20:00
Interview: Dominik Buholzer

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Manchmal braucht es mehr als nur einen Anlauf. Nachdem der Schweizer Detailhändler Coop im Jahr 2000 mit dem Verkauf seines 34-Prozent-Anteils an Popularis aus dem Reisegeschäft ausgestiegen war, kehrte er sechs Jahre später zurück: dank deutscher Hilfe. Zusammen mit der zur Rewe Group gehörenden DER Touristik aus Deutschland, dem drittgrössten Touristikunternehmen Europas, bietet Coop seither wieder Ferienreisen an. Hauptanteil macht laut Geschäftsführer Andi Restle (51) das klassische Badegeschäft und ist damit Branchenleader im Direktverkauf. 2017 belief sich der Umsatz auf 73 Millionen Franken.

Andi Restle, die grossen Reiseanbieter machen derzeit das grosse Geld mit Spezialreisen. Sie setzen weiterhin aufs Badegeschäft. Lohnt sich das?

Online-Portale, der Markteintritt der grossen deutschen Reiseanbieter: Das klassische Badegeschäft hat sich völlig verändert. Ein Viertel des Schweizer Volumens wird heute von den Deutschen kontrolliert. Heute sind damit nicht mehr die ganz grossen Gewinne zu erzielen. Die Kunden dagegen profitieren von tiefen Preisen.

Konkret: Verdienen Sie damit noch gutes Geld?

Ja klar, sonst würden wir es nicht machen. Wir haben den Vorteil, dass wir zu 50 Prozent zur Rewe Group gehörenden DER Touristik gehören und von ihm die touristischen Leistungen beziehen können.

ITS Coop Travel betreibt ausser am Hauptsitz in ­Volketswil keine Reisbüros. Weshalb?

Wir träumten mal von einem eigenen Reisebüro im Coop-Center an der Zürcher Bahnhofstrasse. Aber das rechnet sich nicht, weil wir nur unser eigenes Portfolio vertreiben.

Reisebüros sind im Zeitalter des Internets eh nicht mehr so stark gefragt.

Der Trend, die Reisen gleich selber im Internet zu buchen, hat sich abgeschwächt – auch bei klassischen Pauschalreisen. Die Leute suchen wieder eher ein Reisebüro auf oder lassen sich wie bei uns telefonisch beraten.

Der Schweizer Reiseverband (SRV) fordert die Kundengeldabsicherung auch für Airlines, so wie dies bei Reisebüros schon lange gilt. Halten Sie dies für eine gute Idee?

Die Forderung ist absolut berechtigt. Heute sind es wir Reiseveranstalter, die bluten, wenn die Airlines wie zuletzt Air Berlin oder Niki grounden.

Eine Kundengeldabsicherung für Airlines zu fordern, ist das eine, das andere, ob eine solche realistisch ist. Wird es jemals so weit kommen?

Ich bin sehr skeptisch. Die Airlines gehen konsequent ihren eigenen Weg. Ich glaube nicht, dass es da zu einer internatio­nalen Regelung kommt. Vielleicht gibt es ja eine Zwischenlösung.

Die vergangenen Jahre ver­liefen zum Teil sehr tur­bulent. Wie entwickelt sich das Geschäft derzeit?

Wir wachsen. Beim Umsatz liegen wird 4 Prozent über Vorjahr. Einen positiven Effekt hatte auch, dass wir auf Anfang Jahr unsere Website erneuert haben. Wir verzeichnen nicht nur mehr Besucher, sondern sie buchen auch mehr – und vor allem per Smartphone.

Wie sieht es bei den verschiedenen Destinationen aus?

Erfreulich entwickelt sich Ägypten. Wir können die Gästezahl mit 3400 Kunden verdoppeln. Im Vergleich zu dem Boomjahren ist dies aber noch immer nichts.

Was läuft sonst noch gut?

Der ganze Fernbereich, insbesondere die Malediven, wo wir aktuell 30 Prozent über Vorjahr sind. Wir profitieren hierbei von der Marktstärke von DER Touristik, der dort Marktleader ist.

Wie entwickelt sich bei ITS Coop Travel das Türkei-Geschäft?

Die Türkei wächst auch wieder. Mit 2000 Personen konnten wir bislang unsere Gästezahl verdoppeln, liegen aber noch immer weit hinter dem Rekordjahr 2014, als 10 000 Personen mit uns in die Türkei reisten.

Wie nachhaltig ist die ­Entwicklung?

Es ist alles noch ein wenig fragil. Allerdings ist das Risiko in Ägypten oder in der Türkei nicht grösser als bei einer Städtereise. Zudem darf man nicht vergessen, dass man eigentlich die Falschen bestraft, wenn man die Länder meidet. Die Leute dort leben sehr stark vom Tourismus.

Wo läuft es derzeit nicht wunschgemäss?

Spanien bereitet uns derzeit Kopfzerbrechen. Die Kanaren liegen mit 10 Prozent hinter Vorjahr. Das ist noch nicht so tragisch. Bei Mallorca schenkt das Minus mit 20 Prozent noch mehr ein.

Was sind die Gründe dafür?

Mit dem Aus von Air Berlin fehlen Flugkapazitäten; Air Berlin ist immerhin täglich zweimal nach Mallorca geflogen. Dann gibt es ein preisliches Problem. Wenn die Hotelpreise nicht steigen, dann sind es die Konditionen, die sich verschlechtern, sprich, es gibt beispielsweise keine Frühbucherrabatte mehr. Und dann bleibt wohl auch der eine oder andere wegen des Massentourismus dieses Jahr Mallorca fern.

War der Einbruch bei ­Mallorca nicht zu erwarten?

Nicht in dem Ausmass. Der Rückgang ist schon enorm.

Entwickelt sich der Massentourismus zu einem ernsthaften Problem?

Es ist auf jeden Fall ein Thema. Wir müssen uns ernsthaft überlegen, wie wir all die Massen steuern können. Probleme sehe ich insbesondere bei der Kreuzfahrt. Die Einwohnerzahl von Valletta, der Hauptstadt von Malta, verdoppelt sich, wenn nur schon zwei Schiffe dort vor Anker gehen.

Wie sieht die Lösung aus?

Ich weiss es auch nicht. Um die Wohnungsnot zu lindern, könnte eine zusätzliche Steuer eine Lösung sein. Allerdings müsste dann das Geld auch wirklich den Einheimischen zugute kommen.

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