Mittlere Industrieunternehmen unter Druck

  • Roboter werden immer wichtiger und zahlreiche klassische Industrieberufe verschwinden. (Archiv)
    Roboter werden immer wichtiger und zahlreiche klassische Industrieberufe verschwinden. (Archiv) (Keystone/GAETAN BALLY)
20.03.2017 | 12:31

INDUSTRIE ⋅ Die Schweizer Industrie leidet stärker als andere Branchen unter dem starken Franken. Besonders bei den mittelgrossen Unternehmen stecken zahlreiche Betriebe wegen der Währungssituation in Schwierigkeiten: Über ein Zehntel kämpft sogar um die Existenz.

Dies geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens EY hervor. Bei der Frage nach der Strategie der kommenden Monate antworteten 11 Prozent der befragten Unternehmen, es gehe ums Überleben. Diese Zahl ist zum dritten Mal in Folge seit 2014 angestiegen und fast doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft.

Gleichzeitig ist der Anteil, der Firmen, die auf Wachstum setzen mit 35 Prozent höher als bei jeder Befragung seit 2014. Bei der Mehrheit (54 Prozent) der mittleren Industrieunternehmen bestimmen allerdings stabilitätsorientierte Strategien die Agenda.

Jedes achte befragte Industrieunternehmen bezeichnete seinen Zustand als kritisch. Vor Jahresfrist war es erst jedes zwölfte Unternehmen. Das ist der höchste Wert aller Branchen und beinahe doppelt so viel wie im Durchschnitt aller Branchen.

Postindustrielle Ära

Diese Ergebnisse seien ein klares Zeichen der fortschreitenden Deindustrialisierung, kommentiert EY die Zahlen im Unternehmensbarometer 2017. Die massive Aufwertung des Franken habe die Verlagerung der Produktion ins Ausland noch verstärkt.

In der starken Schweizer Währung sehen zwei Drittel der befragten Betriebe nach wie vor die grösste Gefahr für die Entwicklung ihres Unternehmens. 44 Prozent sorgen sich um eine schwache Konjunkturentwicklung im Ausland und 40 Prozent fürchten hohe oder volatile Rohstoffpreise.

Diese Zahlen liessen darauf schliessen, dass die Industrie mehr Druck spüre als andere Branchen. Dies liege an ihrer starken Exportorientierung: Ein Drittel der befragten Unternehmen verkauft über die Hälfte ihrer Produkte im Ausland.

Etwas mehr Optimismus

Mehr als jedes dritte Industrieunternehmen in der Schweiz (37 Prozent) rechnet für die kommenden Monate mit einer Verbesserung der eigenen Geschäftslage, lediglich fünf Prozent der Betriebe erwarten eine Verschlechterung. Damit starten die Firmen deutlich zuversichtlich ins neue Jahr.

Mit ihrer aktuellen Geschäftslage sind 52 Prozent der befragten Unternehmen rundum zufrieden. Das ist deutlich weniger als in den übrigen Branchen, wo sich zwischen 57 Prozent (Handel) und sogar 79 Prozent (Life Sciences) der Befragten uneingeschränkt zufrieden zeigen.

40 Prozent der Industrieunternehmen in der Schweiz erwarten für 2017 höhere Umsätze als im vergangenen Jahr, elf Prozent gehen von Einbussen aus. Im Durchschnitt rechnen die Unternehmen für 2017 mit einem Plus von 1,3 Prozent. Für 2016 hatten die Unternehmen ein Wachstum von 1,2 Prozent vorausgesagt.

Die Beschäftigungsdynamik dürfte in den kommenden Monaten gegenüber dem Vorjahr deutlich sinken: Nur noch 19 Prozent der Schweizer Industrieunternehmen wollen aktuell zusätzliche Mitarbeitende einstellen. Vor einem Jahr waren es noch 23 Prozent. 18 Prozent planen Stellenstreichungen, vor einem Jahr lag dieser Wert nur bei 10 Prozent.

Für die Studie befragte EY rund 200 Firmen mit 30 bis 2000 Mitarbeitern. (sda)

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Schreiben Sie bitte Tagblatt rückwärts?
 

Meistgelesen

Peter Spuhler.
Kanton Thurgau: 20.09.2017, 13:50

"Es wird nie einen Bundesrat Peter Spuhler geben"

Am Morgen, als in Bern die Wahl des Nachfolgers von Bundesrat Didier Burkhalter anstand, hat ...
Bundesratskandidat Ignazio Cassis, FDP-TI, Mitte, lacht, waehrend er von Celine Amaudruz, SVP-GE, begruesst wird, waehrend der Ersatzwahl in den Bundesrat durch die Vereinigte Bundesversammlung, am Mittwoch, 20. September 2017 im Nationalratssaal in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Schweiz: 20.09.2017, 10:09

Ignazio Cassis ist der 117. Bundesrat der Schweiz

Der neue Bundesrat heisst Ignazio Cassis. Die Vereinigte Bundesversammlung hat den 56-jährigen ...
Der Patron und sein Nachfolger: Peter Spuhler (links) und Thomas Ahlburg.
Wirtschaft: 20.09.2017, 16:22

Das Ende einer Ära: Stadler-CEO Peter Spuhler tritt ab

Peter Spuhler übergibt die operative Leitung beim Schienenfahrzeughersteller Stadler an Thomas ...
Schweiz: 20.09.2017, 12:16

"Jetzt ist die Ostschweiz an der Reihe"

Chefredaktor Stefan Schmid beantwortet vier drängende Fragen nach der Wahl von Ignazio Cassis ...
Geschäftsführer Markus Rusch in der Druckereihalle. Die 6-Farben-Druckmaschine (im Hintergrund) soll verkauft werden.
Appenzellerland: 20.09.2017, 07:18

«Druckbranche ist kaputt»

Dieser Tage erfuhren die Mitarbeitenden der Appenzeller Druckerei AG von einem Stellenabbau.
Die Olma - ein Happening für Gross und Klein.
Ostschweiz: 20.09.2017, 15:25

Das sind die 75 Olma-Botschafter

Die Olma feiert diesen Oktober ihren 75. Geburtstag.
Lukas Stüble mit Mia und vier neuen Tickets.
Schauplatz Ostschweiz: 20.09.2017, 05:21

Hund zerkaut Rolling-Stones-Tickets

Eine St.Galler Familie kauft für 1400 Franken Billette für das heutige Rolling-Stones-Konzert im ...
Peter Spuhler (links) mit seinem Nachfolger Thomas Ahlburg.
Wirtschaft Ostschweiz: 20.09.2017, 15:45

Auch in Zukunft der starke Mann bei Stadler Rail

"Mit dem Rücktritt als CEO der Firma Stadler Rail schafft sich Peter Spuhler Raum, um sich ...
Die St.Galler Stadtpolizei musste eine verwirrte Frau von der Autobahnausfahrt St.Fiden holen.
Unfälle & Verbrechen: 20.09.2017, 13:47

Polizei fängt Fussgängerin auf Autobahnausfahrt ab

Bei der Ausfahrt St.Fiden auf der St.Galler Stadtautobahn war eine psychisch kranke Frau auf der ...
Pascal Hollenstein Leiter Publizistik Regionalmedien.
Schweiz: 20.09.2017, 09:27

"Cassis ist die einzig richtige Wahl"

Der publizistische Leiter Pascal Hollenstein schreibt in seinem Kommentar: "Gewonnen hat der ...
Zur klassischen Ansicht wechseln