Mehr Stromimporte wegen tieferer Produktion

  • Die Stromproduktion von Speicherkraftwerken - hier die Staumauer am Limmernsee im Kanton Glarus - ist im letzten Winter stark zurückgegangen.
    Die Stromproduktion von Speicherkraftwerken - hier die Staumauer am Limmernsee im Kanton Glarus - ist im letzten Winter stark zurückgegangen. (Keystone/URS FLUEELER)
21.04.2017 | 11:41

ENERGIE ⋅ Trotz mehr Heiztagen, mehr Einwohnern und einem höheren BIP ist der Stromverbrauch in der Schweiz im letzten Jahr stabil geblieben - dank mehr Effizienz. Weil die Produktion aber zurückging, musste die Schweiz erstmals mehr Strom importieren, als sie verkaufen konnte.

Nach Abzug der Übertragungs- und Verteilverluste verbrauchte die Schweizer Bevölkerung im letzten Jahr noch 58,239 Milliarden Kilowattstunden (kWh), wie das Bundesamt für Energie (BFE) am Freitag mitteilte. Das sind 0,01 Prozent oder 7 Millionen kWh weniger als im Vorjahr.

Der Rückgang entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von 14'000 Haushalten - und dies, obwohl das Bruttoinlandprodukt (provisorisch) um 1,3 Prozent stieg, die Bevölkerung um 1,1 Prozent wuchs und 6,7 Prozent mehr Heiztage zu verzeichnen waren. Diese Faktoren führten zwar zu einem höheren Stromverbrauch, konnten gemäss BFE aber durch Effizienzsteigerungen kompensiert werden.

Winterproduktion eingebrochen

Dagegen sank im Vergleich zum Vorjahr die inländische Stromproduktion um 6,6 Prozent auf 61,6 Milliarden kWh. Sowohl die Wasserkraftanlagen (-8 Prozent) als auch die Atomkraftwerke (-8,4 Prozent) erzeugten weniger Strom.

Bei den AKW waren nach Angaben des BFE die ausserordentlichen Stilllegungen von Beznau I und Leibstadt für den Produktionsrückgang verantwortlich. Die Verfügbarkeit der AKW in der Schweiz lag 2016 noch bei 69,4 Prozent gegenüber 76 Prozent im Vorjahr.

Bei den Wasserkraftwerken brach vor allem im Winter die Produktionsleistung der Speicherkraftwerke ein (-21,2 Prozent): Grund dafür ist die "Bewirtschaftung" der Speicherseen durch die Energieunternehmen. Diese produzieren lieber im Sommer, wenn die Strompreise höher sind.

Mehr Importe im Winter

In den beiden Winterquartalen musste die Schweiz deshalb viel mehr importieren, als sie exportieren konnte: Der Importüberschuss stieg in diesen Monaten um fast 250 Prozent auf 8,2 Milliarden kWh. In den anderen beiden Quartalen blieb der Exportüberschuss wie im Vorjahr bei 4,3 Milliarden kWh.

Über das ganze Jahr kaufte die Schweiz im letzten Jahr im Ausland 38,0 Milliarden kWh Strom im Wert von 1,532 Milliarden Franken ein, gegenüber der exportierten 34,1 Milliarden kWh im Wert von 1,387 Milliarden Franken. Das ergibt einen Importüberschuss von 3,9 Milliarden kWh und damit erstmals einen negativen Aussenhandelssaldo von 145 Millionen Franken.

2015 hatte die Schweiz noch einen Exportüberschuss von 1 Milliarde kWh erwirtschaftet und damit auch einen positiven Aussenhandelssaldo von 234 Millionen Franken erreicht.

Der in der Schweiz produzierte Strom bestand im letzten Jahr zu 59 Prozent aus Wasserkraft, zu 32,8 Prozent aus Kernkraft und zu 8,2 aus konventionell-thermischen und erneuerbaren Anlagen. (sda)

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