Von einer Krise zur nächsten

  • Der Bündner hat keine typische Diplomatenkarriere absolviert.
    Der Bündner hat keine typische Diplomatenkarriere absolviert. (EDA)
12.10.2017 | 07:06

KOPF DES TAGES ⋅ Der Schweizer Botschafter Giulio Haas wechselte von Teheran nach Madrid – mitten im Katalonien-Konflikt. Es ist die letzte Station einer ungewöhnlichen Karriere.

Tobias Gafafer

So hatte sich Giulio Haas (60) seinen Start als Botschafter der Schweiz in Spanien kaum vorgestellt. «Meinen Nerven wird Europa guttun», sagte der Bündner im September, als er von Teheran nach Madrid wechselte. Ein wichtiger Posten in einem EU-Staat, gewiss, der im Vergleich zu Iran aber wenig Aufregung versprach. Bis das Referendum über die Unabhängigkeit, das Katalonien Anfang Monat illegal abhielt, von Gewalt überschattet wurde. Kaum jemand hatte mit dieser Eskalation gerechnet.

Seither ist Haas als Krisenmanager gefragt. Schweizer Firmen sind verunsichert, auch wenn sie Barcelona bisher nicht den Rücken kehren wollen; Néstle und Novartis haben ihre Spanien-Sitze in der Mittelmeermetropole. Zudem forderte der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont im Konflikt mit Madrid eine internationale Vermittlung. Dem Vernehmen nach dachte Barcelona an die Schweiz. Die Bedingungen für eine Mediation sind laut dem Aussendepartement zurzeit aber nicht erfüllt, da beide Seiten mitmachen müssten.

Haas würde für eine Vermittlerrolle viel Erfahrung mitbringen. Als früherer Botschafter in Iran ist er mit den guten Diensten bestens vertraut. Bern vertritt in Teheran seit 1980 auch die Interessen der USA. «Der Job war der interessanteste, aber auch der schwierigste, den ich je hatte», sagte er nach seiner Rückkehr der «Südostschweiz». Er habe fast pausenlos gearbeitet. Als US-Präsident Donald Trump Anfang Jahr für iranische Bürger ein Einreiseverbot verhängte, bestellte Teheran aus Protest den Schweizer ein. Beim Atomabkommen war Haas hinter den Kulissen aktiv. Vor allem aber half er beim Gefangenenaustausch zwischen Iran und den USA, den Bern vermittelte. Ein Seilziehen, bei dem er emotional und körperlich an Grenzen stiess. «Das war das Verrückteste, was ich je erlebt habe», sagte er. Als der Bundesratsjet mit den freigelassenen Amerikanern in Teheran abhob, blieb Haas alleine auf dem Rollfeld zurück – und war den Tränen nahe.

Der Bündner hat keine typische Diplomatenkarriere absolviert. Nach Stationen auf den Botschaften in Caracas und Washington wechselte er 2008 in die Privatwirtschaft zur Bank Wegelin und leitete deren Churer Filiale. 2013 ernannte ihn der Bundesrat überraschend zum neuen Botschafter in Iran. Die amerikanische Justiz hatte Wegelin wegen Steuerhinterziehung angeklagt, die Filiale Chur soll aber keine Geschäftsbeziehungen in die USA unterhalten haben. Madrid dürfte der letzte Posten sein, bevor der Bündner pensioniert wird. Haas spricht Spanisch, aber kein Farsi. Dafür eignete er sich in Iran etwas Anderes an: «Wenn Sie etwas lernen, dann ist es Geduld!», sagte er. Eine Eigenschaft, die in der gegenwärtigen Krise auch in Spanien kein Nachteil ist.

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