Rapper wehren sich gegen Kollektiv-Pranger

  • Nathalie Rickli wurde von Rappern beschimpft.
    Nathalie Rickli wurde von Rappern beschimpft. (PETER KLAUNZER (KEYSTONE))
12.09.2017 | 15:57

KRIMINALITÄT ⋅ Das Berner Rap-Kollektiv Chaostruppe wehrt sich gegen pauschale Anschuldigungen, nachdem einzelne Mitglieder in einem Song Nationalrätin Natalie Rickli angegriffen hatten. Nun werde die ganze Truppe angeprangert.

Dem Kollektiv gehören 14 Mitglieder an, wie die Chaostruppe in einer Stellungnahme festhält. Drei der fünf der beteiligten und später angeklagten Künstlerinnen und Künstler des fraglichen Rickli-Songs seien Mitglieder des Kollektivs. In dem Stück mit dem Titel "Natalie Rikkli" beschimpften die Musiker die Zürcher SVP-Nationalrätin.

Die Chaostruppe hält in ihrem Schreiben fest, der Song sei nicht etwa im vergangenen Jahr, wie in den Medien zu lesen war, sondern 2014 entstanden. Das Lied sei weder von der Chaostruppe produziert noch von dieser veröffentlicht worden. Ferner habe es kein Video dazu gegeben.

Medialer Shitstorm

Es handle sich vielmehr um einen Song, der auf dem Gratis-Mixtape "Focalin und Hüttächäs" von Tilt und 200BPM über deren eigene Homepage veröffentlicht worden sei. Obwohl lediglich drei der fünf beteiligten Musikerinnen und Musiker Mitglieder der Chaostruppe seien, habe das Kollektiv "den Grossteil des medialen Shitstorms" kassiert.

Die komplette Chaostruppe sei durch Schlagzeilen und Berichte öffentlich als üble "Sexisten" angeprangert worden. Diese Behauptung sei absurd, da die Truppe bekanntlich gegen jede Form von Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts sei. Zudem hätten die Medien ausgeklammert, dass eine der beschuldigten Personen eine Frau sei.

Unschuldig bis zur Verurteilung

Die regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hatte die beteiligten Musikerinnen und Musiker ursprünglich per Strafbefehl wegen Verleumdung, Beschimpfung und sexueller Belästigung verurteilt. Sie zogen das Urteil jedoch weiter und wurden im September vom Regionalgericht Bern-Mittelland wegen Beschimpfung zu einer bedingten Geldstrafe von einigen hundert Franken verurteilt, wie der "SonntagsBlick" berichtete, der den Prozess besuchte. Von den Vorwürfen der Verleumdung und sexuellen Belästigung wurden die Rapper hingegen freigesprochen.

In diesem Zusammenhang weist die Chaostruppe in ihrem Statement auf die Unschuldsvermutung hin, die bis zu einer Verurteilung gilt.

Die Staatsanwaltschaft ist mit dem Urteil des Regionalgerichts nicht einverstanden. Sie hat Berufung angemeldet. Sobald das schriftliche Urteil vorliegt, entscheidet die Generalstaatsanwaltschaft, ob das Urteil ganz oder nur in Teilen angefochten wird. In zweiter Instanz entscheiden müsste dann das Berner Obergericht. (sda)

Kommentare
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Welcher der folgenden Begriffe ist keine Farbe: Gelb, Blau, Tisch?
 

Meistgelesen

Thomas Studer ist die Lust nach nur einem Meisterschaftsspiel mit Thurgau vergangen.
HC Thurgau: 26.09.2017, 06:06

Knallende Türen: Thurgau-Trainer wirft Stürmer aus der Kabine

Stürmer Thomas Studer gehört ab sofort nicht mehr zum Kader des HC Thurgau.
Attraktiv für die Zuschauer, aber nicht ungefährlich: Motocross.
Amriswil: 25.09.2017, 17:13

"Er ist noch nicht über dem Berg"

Nach zwei schweren Unfällen stehen die Veranstalter des Amriswiler Motocross am Pranger.
E-Mountainbikes erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit.
Panorama: 26.09.2017, 09:00

E-Bike: Feine Sache oder Sportgerät für Unsportliche?

Immer mehr Unfälle passieren mit E-Bikes. Gleichzeitig erobern die Velos mit Elektromotor die ...
Sollte Sonja Lüthi (GLP) gewählt werden, wäre der Sturz der CVP aus dem St.Galler Stadtrat historisch.
St.Gallen: 26.09.2017, 07:18

St.Galler Stadtratswahl: Eine Niederlage der CVP wäre historisch

Dass sich Jürg Brunner von der SVP aus dem Rennen um den freien Stadtratssitz genommen hat, ist ...
Diana Gutjahr rückt für Hansjörg Walter in den Nationalrat nach.
Kanton Thurgau: 25.09.2017, 13:23

Diana Gutjahr: "Ich will im Unternehmen bleiben"

Die 33-jährige Unternehmerin Diana Gutjahr rückt für Hansjörg Walter in den Nationalrat nach.
Alexander Stoffel (links) trat 1957 als Geschäftsleiter in das von seiner Familie gegründete Unternehmen Hügli Nährmittel ein. (Archivbild)
Wirtschaft Ostschweiz: 26.09.2017, 07:53

Hügli-Verwaltungsrat Alexander Stoffel verstorben

Unternehmer Alexander Stoffel ist tot. Er ist in seinem 89. Lebensjahr verstorben.
Beim Wahlapéro übergibt der demissionierende Hansruedi Bänziger dem gewählten Gemeindepräsidenten Michael Litscher symbolisch den Schlüssel für das Gemeindehaus.
Appenzellerland: 26.09.2017, 08:23

Streit um die Wahl des Gemeindepräsidenten

Das Verfahren zur Wahl des neuen Gemeindepräsidenten Michael Litscher gibt weiter zu reden.
Blick in die heutige Sauna im Thermalbad Egelsee.
Kreuzlingen: 26.09.2017, 07:36

Rote Köpfe bei Kreuzlinger Saunagängern

Dass im neuen Projekt für das Schwimmbad Egelsee keine finnische Sauna vorgesehen ist, stösst ...
Die Froneri-Fabriken in Goldach und Rorschach produzieren im Jahr 30000 Tonnen Glace und Tiefkühlkost.
Wirtschaft: 25.09.2017, 12:35

Frostige Zeiten bei Froneri

In den beiden ehemaligen Frisco-Findus-Fabriken in Goldach und Rorschach wird jede dritte Stelle ...
Wenn im Dorf etwas läuft, fühlt sich Norbert Rüttimann am wohlsten.
Rorschach: 26.09.2017, 07:39

«Ich bin mit dem Lohn zufrieden»

Der 1000-Seelen-Gemeinde Untereggen steht Grosses bevor: Eine Velo- und Fussgängerbrücke könnte ...
Zur klassischen Ansicht wechseln