KRITIK AN ARMEE

In Schweizer Militärbiscuits steckt Palmöl

Viele Produkte enthalten Palmöl – sogar die Militärbiscuits. Das stösst nicht nur Umweltschützern sauer auf. Der Hersteller verteidigt den Entscheid.
11.02.2018 | 05:17

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Das eidgenössischste aller Guetzli enthält eine exotische Zutat: In Militärbiscuits steckt Fett aus der Ölpalme. Das ist zwar kein Einzelfall – gemäss Schätzungen findet sich in jedem sechsten Produkt in Schweizer Läden Palmöl. Dass Militärbiscuits dazuzählen, stösst aber speziell auf Kritik. «Das ist ein schlechtes Signal», sagt Lorenz Kummer von der Entwicklungshilfeorganisation Brot für alle. Roland Schuler von Pro Natura sagt: «Der Bund sollte alles tun, um die Nachfrage nach Palmöl angesichts der verheerenden Folgen des Anbaus zu senken.» Die Militärbiscuits fielen mengenmässig kaum ins Gewicht; ein weit wichtigerer Hebel sei der Ausschluss von Palmöl aus dem Freihandelsabkommen mit Indonesien. «Es würde dem Bund aber gut anstehen, als gutes Beispiel voranzu­gehen.»

Die Verhandlungen mit Indonesien, dem grössten Palmölproduzenten, sind weit fort­geschritten. Nichtregierungsorganisationen sowie der Bau­ernverband warnen jedoch vor einer Reduktion der Importzölle. Lorenz Kummer kritisiert, bereits heute sei Palmöl viel zu günstig, weil Sozial- und Umweltdumping betrieben werde. «Den Preis dafür zahlen die Menschen und die Umwelt in den Anbauländern.»

Palmöl hat neben dem Preis für Verarbeiter teils weitere Vorteile, wie das Beispiel des Militärbiscuits zeigt.

Herstellerin Kambly hält fest, sie beziehe einen grossen Teil der Rohstoffe aus der Schweiz. Bei den Militärbiscuits werde aber seit 2006 Palmkernfett verwendet – aus gesundheitlichen Gründen. Die Armee bestätigt, man habe gemeinsam mit Kambly entschieden, die gehärteten Fette «aus ernährungs- und gesundheitstechnischen Gründen» durch Palmfett zu ersetzen. Denn: Für die Biscuitherstellung braucht es Fett, das bei Zimmertemperatur nicht flüssig ist. Die meisten Pflanzenfette müssen dazu gehärtet werden. Dabei entstehen aber zum Teil ungesunde Transfette. «Viele Kunden und Konsumenten lehnen deswegen heute gehärtete Fette generell ab», erklärt Kambly-Generalsekretär Rudolf P. Winzenried. Die einzigen Alternativen in der Biscuitherstellung seien Kokos- oder Palmfett, da diese von Natur aus fest sind. Palmfett eigne sich zudem, weil es lange haltbar sei – gerade bei Militär­biscuits eine wichtige Eigenschaft. Kambly verwendet nach eigenen Angaben nur RSPO-zertifiziertes, nachhaltig erzeugtes Palmfett.

Laut dem Getreideproduzentenverband gibt es indes Alternativen zu Palmkernfett, etwa vollständig gehärtetes Rapsöl. Dieses enthalte keine Transfette, sagt Sprecherin Andrea Koch. Das Argument, Konsumenten machten sich wegen der Transfette Sorgen, könne auch ein Vorwand sein, um günstiges Palmöl zu verwenden. «Gerade für ein Schweizer Militärbiscuit sollte man auf Schweizer Rohstoffe achten.»

 

Maja Briner

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