Moutier sagt Ja zum Kanton Jura

  • Pro-Jurassier in Moutier lassen ihre Freude freien Lauf.
    Pro-Jurassier in Moutier lassen ihre Freude freien Lauf. (Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
18.06.2017 | 11:04

JURAFRAGE ⋅ Moutier sieht seine Zukunft definitiv im Kanton Jura. Mit einer Mehrheit von 51,7 Prozent sprachen sich die Einwohner des bernjurassischen Städtchens am Sonntag für den Kantonswechsel aus.

Die Freude bei den Pro-Jurassiern war riesig. Mit Freudenschreien, Hupkonzerten und einem jurassischen Fahnenmeer feierten sie das Abstimmungsergebnis. Auf der Place Roland-Béguelin war zeitweise kein Durchkommen mehr.

Dem Urnengang ging ein monatelanger emotionaler Abstimmungskampf voraus. Entsprechend hoch war die Stimmbeteiligung, sie lag bei 88 Prozent. Das Resultat des vom Bund überwachten Urnengangs wurde um 17.19 Uhr verkündet: 2067 Stimmberechtigte hatten ein Ja zum Kantonswechsel in die Urne gelegt, 1930 lehnten das ab.

Die Berner Regierung reagierte gefasst auf das Ergebnis. Dass Moutier dem Kanton Bern den Rücken zuwende, sei sehr bedauerlich. Zugleich sei nun aber klar, dass die Jurafrage abgeschlossen sei, erklärte Regierungspräsident Bernhard Pulver. Schliesslich habe der Berner Jura als Ganzes schon 2013 entschieden, beim Kanton Bern zu bleiben.

Moutier nutzte nun die damals vereinbarte Möglichkeit und stimmte als einzelne Gemeinde nochmals über die Kantonszugehörigkeit ab. Diese Möglichkeit nehmen noch zwei kleine Gemeinden - Belprahon und Sorvilier - in Anspruch. Sie entscheiden am 17. September.

Die weiteren Schritte

Bis der Kantonswechsel von Moutier - und allfällig weiteren Gemeinden - vollzogen ist, wird es noch etwas dauern. Die Regierungen der beiden Kantone werden ein entsprechendes Prozedere einleiten. Die interkantonale Vereinbarung muss dann vom Stimmvolk beider Kantone verabschiedet werden, bevor die Bundesversammlung grünes Licht gibt.

Die Landesregierung freute sich am Sonntag darüber, dass der Entscheid über Moutiers Kantonszugehörigkeit in einem demokratischen Prozess zustandegekommen sei. "Das ist ein starkes Zeichen für unsere Demokratie und den Zusammenhalt unseres Landes", erklärte Justizministerin Simonetta Sommaruga in einem Communiqué.

Zweitgrösste jurassische Stadt

Im Kanton Jura wird Moutier voraussichtlich ab 2021 die zweitgrösste Stadt sein - nach dem zehn Kilometer entfernten Hauptort Delsberg. Die jurassische Kantonsregierung hatte im Vorfeld der Abstimmung versprochen, Verwaltungsstellen in Moutier anzusiedeln und das dortige Spital zu erhalten.

Am Sonntag wartete die jurassische Regierung in einem Sitzungszimmer in Delsberg gespannt auf das Abstimmungsresultat. Als es am frühen Abend bekannt wurde, liessen die Regierungsmitglieder ihrer Freude freien Lauf. Umgehend fuhren sie gemeinsam nach Moutier, um zusammen mit den Projurassiern zu feiern.

Sehr zufrieden zeigte sich auch die mehrheitlich separatistische Stadtregierung. Laut Stadtpräsident Marcel Winistörfer lässt die Abstimmung "keine Verlierer zurück, sondern eine Minderheit, die es nun davon zu überzeugen, sich der Mehrheit anzuschliessen."

Dass fast die Hälfte der Stimmberechtigten ein Nein in die Urne legte, zeige eine zweigeteilte Stadt. Diese Situation müsse mit Weisheit und Zurückhaltung bewältigt werden, sagte Winistörfer. Auch wenn viele enttäuscht seien: "Wir müssen nun nach vorne schauen."

Enttäuschung bei Berntreuen

Konsternation herrschte hingegen im Lager der Berntreuen. Das sei "eine Katastrophe für Moutier", sagte ein Sprecher der Jugendorganisation Sangliers. Gefasst reagierte dagegen der bernjurassische SVP-Nationalrat Manfred Bühler. Der Verlust des Städtchens mit seinen 7700 Einwohnern sei zu verschmerzen, die Region habe nach dem Wegzug von Moutier immer noch 45'000 Enwohner.

Nun gehe es für den Kanton Bern darum, sich gut um den verbliebenen Teil des Berner Juras zu kümmern, betonten mehrere Pro-Berner. Dazu gehöre die Entwicklung des Sonderstatus, der der Region eine gewisse Autonomie gibt.

So sieht es auch die zweisprachige Stadt Biel. Es sei von grosser Bedeutung, dass der Kanton Bern Sorge trage zur französischsprachigen Minderheit. (sda)

Videos zum Artikel (2)
  • Sie dachten, sie hätten gewonnen: Bern verliert Moutier an den Jura

  • Jurafrage: Moutier sagt Ja zum Kanton Jura

Kommentare
Kommentar zu: Moutier sagt Ja zum Kanton Jura
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()

geschrieben am 19.06.2017 08:04 | von klaus werner wegmüller

Toll lieber Jurassier ich freue mich mit Euch obwohl ich Berner bin.....Nun ist Freund Eidgenössisch alles geregelt.Wie es in unserer Demokratie üblich ist, lang lebe Helvetien.....

antworten
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Was wird am 31.12 jeden Jahres gefeiert??
 

Meistgelesen

Verteilte Autogramme in St.Gallen: Pamela Anderson.
Ostschweiz: 25.06.2017, 07:49

Pamela Anderson in St.Gallen

Schauspielerin Pamela Anderson hat sich im St.Galler Nachtleben getummelt.
Kämpfen Ignazio Cassis und Karin Keller-Sutter bald gegeneinander um einen Bundesratssitz?
Ostschweiz: 25.06.2017, 08:25

Neuer Bundesrat: Ostschweiz meldet Anspruch an

Die FDP sucht nach Bundesratskandidaten aus der lateinischen Schweiz.
Heftige Blitzgewitter entluden sich in der Nacht auf Sonntag im Tessin. Es fiel viel, sehr viel Regen. (Archivbild)
Panorama: 25.06.2017, 08:28

Heftige Gewitter beenden Hitzewelle

Die Hitzewelle im Tessin ist in den frühen Morgenstunden vom Sonntag mit unwetterartigen ...
Beim Kaffeehaus des zweithöchsten Stadtsanktgallers fand die Kontrolle statt.
St.Gallen: 24.06.2017, 18:49

Eistee, Wasser und zwei Polizisten

Wer in der Stadt wirtet, ist auch mit Vorschriften konfrontiert, die kurios erscheinen.
Die genaue Schadenssumme konnte die Kantonspolizei St.Gallen noch nicht beziffern.
Unfälle & Verbrechen: 25.06.2017, 10:12

Grossbrand in Schwarzenbacher Logistikfirma

Am Sonntag hat ein Grossbrand einen grossen Schaden in einer Logistikfirma verursacht.
Das jüngst in Obwalden ausgewilderte Bartgeierweibchen, ist tot. Kurz nach seinem Erstflug wurde der Jungvogel in der Nacht auf Samstag von einer Böe erfasst. Daraufhin stürzte er vermutlich in die Tiefe.
Schweiz: 24.06.2017, 10:37

Bartgeier stirbt kurz nach erstem Flug

Das jüngst im Kanton Obwalden ausgewilderte Bartgeierweibchen BG960 ist tot.
Fussball der anderen Art - ein Schnappschuss vom Calcio Storico.
Sport: 24.06.2017, 14:41

Im Vorhof der Hölle

Wie jedes Jahr duellieren sich heute am Johannistag auf der Piazza Santa Croce in Florenz zwei ...
Die Autofahrer freut’s: In Rorschach sind seit vergangenem Mai 744 Bussenzettel weniger verteilt worden als im Jahr zuvor.
Rorschach: 24.06.2017, 08:00

Wilder Westen in Rorschach?

Raser, Rowdys, Falschparkierer hätten derzeit ein leichtes Spiel, mutmasst ein Leser.
Am Freitagabend feierte die Oper «Loreley» von Alfredo Catalani an den St. Galler Festspielen ihre Schweizer Erstaufführung.
Ostschweizer Kultur: 24.06.2017, 14:12

Tabledance vor der St.Galler Kathedrale

Mit Alfredo Catalanis «Loreley» ging am Freitag bei den St.
Am Freitagabend ist ein pensionierter Fahrlehrer an seinem ersten Tag als Taxifahrer mit seinem Fahrzeug auf der Martkplatztreppe verunfallt.
Unfälle & Verbrechen: 23.06.2017, 19:40

Ex-Fahrlehrer verursacht spektakulären Taxi-Unfall

Am Freitagnachmittag ist ein pensionierter Ex-Fahrlehrer auf der Rorschacher Marktplatztreppe ...
Zur klassischen Ansicht wechseln