Einstieg in die Armee soll "sanfter" werden

  • "Auf die Jungen ist Verlass": Philippe Rebord, Chef der Schweizer Armee. (Archiv)
    "Auf die Jungen ist Verlass": Philippe Rebord, Chef der Schweizer Armee. (Archiv) (Keystone/GAETAN BALLY)
19.06.2017 | 10:28

ARMEE ⋅ Die Schere zwischen dem zivilen und dem militärischen Leben ist laut Armeechef Philippe Rebord zu gross geworden. Er will den Jungen den Einstieg in die Armee erleichtern - und ihnen zum Beispiel eine Viertelstunde am Tag das Surfen im Internet erlauben.

Rebord, der seit Anfang Jahr im Amt ist, betrachtet laut eigenen Aussagen mit Sorge, dass sich immer mehr junge Männer statt für die Armee für den Zivildienst entscheiden. "Wenn sich der Zivildienst so weiterentwickelt, bekommen Armee und Zivilschutz ein Problem", sagte der Armeechef in einem Interview der Tageszeitungen "Tages-Anzeiger" und "Bund" vom Montag.

Seit der Abschaffung der Gewissensprüfung im Jahr 2008 hätten sich die Zivildienst-Gesuche vervierfacht, stellt der Walliser besorgt fest. Mit ein Grund sei die Attraktivität des Zivildienstes, die viel höher sei als jene der Armee. Die Zivildienstler könnten etwa selbst entscheiden, wann, wo und wie sie den Dienst absolvieren möchten.

Wenn hier keine Lösung gefunden werde, würden der Armee bald 10'000 Männer oder Frauen fehlen, sagte Rebord in weiteren Interviews mit den Westschweizer Zeitungen "Le Nouvelliste", "La Liberté" und "L'Express/L'Impartial", die ebenfalls am Montag erschienen.

System muss angepasst werden

Er ortet das Rekrutierungsproblem allerdings nicht bei den Jungen, sondern beim System, das angepasst werden müsse. "Auf die Jungen ist Verlass", ist der 60-jährige Armeechef überzeugt.

Um weniger potenzielle Soldaten an den Zivildienst zu verlieren, will er einerseits die differenzierte Diensttauglichkeit wiedereinführen, um die Tauglichkeitsquote bei 66 Prozent stabilisieren zu können. Andererseits will er den Einstieg in die Armee etwas sanfter gestalten.

Es geht ihm jedoch nicht in erster Linie darum, den Dienst attraktiver zu gestalten. Die Wehrpflicht sei "zuerst einmal eine Pflicht, ein Zwang". Bei minus 35 Grad in Davos das WEF bewachen zu müssen, sei sicherlich nicht attraktiv - aber es sei nötig.

Eine Systemanpassung könne aber auch kleinere Änderungen beinhalten. Er zieht beispielsweise in Betracht, den Rekruten tagsüber "Internet-Viertelstunden" zu gewähren, also Zeitfenster, in denen sie im Internet surfen können. Dann müssten sie das nicht mehr auf die Nacht verschieben, wie das derzeit der Fall sei. "Wenn der Rekrut während der Nacht surft, hat er nach zwei Tagen ein Problem."

Frauen sehr willkommen

Rebord zeigt sich auch an einem höheren Frauenanteil sehr interessiert. Von der Einführung eines obligatorischen Orientierungstags für Frauen verspricht er sich eine Verdreifachung des Frauenanteils, der derzeit weniger als 1 Prozent beträgt.

Aber es existiere kein Geheimplan, um die Wehrpflicht für Frauen einzuführen, hält Rebord fest. Die Anpassung des Wehrmodells sei eine Aufgabe der Politik.

Rebord ist seit dem 1. Januar 2017 Chef der Armee. Er übernahm das Amt von André Blattmann. Als grösste Herausforderung bezeichnete Rebord bei seiner Ernennung die Umsetzung der Armeereform WEA, die Anfang 2018 beginnt. Blattmann trat vorzeitig zurück, um seinem Nachfolger nicht ein angefangenes Umsetzungsprojekt zu überlassen. (sda)

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